Vom Bordell zur Frauenbadi – die Ängste der Wüstenreligionen


Ein Mann lehrt eine Frau Schwimmen: Gravierte Postkarte Foto: Archive Photos, Getty Images
Schwimmen ist nicht nur ein Sport. Es ist nicht nur ein Freizeitspass und nicht nur eine Überlebenstechnik. Das spüren wir, wenn wieder mal ein Fundamentalist seiner Tochter den Schwimmunterricht verbieten will. Der Sprung ins Wasser wirkt da offenbar moralisch zweifelhaft und kulturell getränkt.

Von Ralph Pöhner | Tages Anzeiger Blogs

Aber auch unsere lockere «Pack die Badehose ein»-Einstellung ist, historisch gesehen, eine sehr junge Sache. Dies können wir jetzt in einem neuen Buch über die Weltgeschichte des Schwimmens nachverfolgen, verfasst von Eric Chaline. Der englische Kulturhistoriker bemerkt dabei eine eigenartige Spannung: Der Mensch wird enorm stark angezogen vom Wasser, er springt fast natürlich hinein; kein anderes Landtier neigt so stark zum Schwumm, wenige sind sogar körperlich so gut angepasst dafür. Doch gleichzeitig hat sich der Mensch immer wieder vom Wasser abgewendet, hat es gefürchtet, verflucht und verteufelt.

Die Ängste der Wüstenreligionen

Sein Verhältnis zum Schwimmen spiegelt sein Verhältnis zum Körper. Die alten Griechen und Römer lebten zum Meer hin, sie bauten ihre Reiche über das Wasser, sie entwickelten auch eine prachtvolle Bade- und Thermenkultur. Und gleichzeitig stellten die antiken Mittelmeerreiche ganz selbstverständlich nackte Menschen aus, auf ihren Vasen, Mosaiken oder Statuen, ob Mann oder Frau.

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