München beendet eines der peinlichsten Kapitel der Stadtgeschichte


Der Erinnerungsort „Einschnitt“ für die Opfer des Olympia-Attentats in München. (Foto: Stephan Rumpf)
  • Im Beisein der Hinterbliebenen haben Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein Denkmal für die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 in München eröffnet.
  • „Einschnitt“ heißt der lang ersehnte Erinnerungsort. Er hat 2,35 Millionen Euro gekostet und wurde unter anderem vom Freistaat, dem Bund, der Stadt München und dem Internationalen Olympischen Komitee finanziert.

Von Kassian Stroh | Süddeutsche.de

Wer dokumentiert schon eigenes Versagen? Wer führt sich seine Fehler freiwillig vor Augen und stellt sie dann öffentlich zur Schau, präsentiert sie der ganzen Welt? Niemand tut das gerne. Und zu großen Teilen ist damit schon die Antwort gegeben auf die Frage, warum erst nach 45 Jahren in München ein Ort der Erinnerung an das Olympia-Attentat von 1972 entstanden ist, der mehr ist als eine steinerne Gedenktafel. Zwölf Menschen starben bei diesem Terroranschlag – dass dieser nicht verhindert wurde und dass die dilettantischen Befreiungsversuche der Polizei in einem Blutbad endeten, gehört zu den peinlichsten Kapiteln der Münchner Stadtgeschichte.

Doch dass es so lange gedauert hat, bis die Erinnerung einen markanten Ort bekam, hängt noch an zwei weiteren Faktoren: Das Attentat zu dokumentieren, ist umso peinlicher, weil es elf Israelis waren, die ums Leben kamen – keine drei Jahrzehnte nach dem Ende der Judenverfolgung in Deutschland, in der Stadt, die die Nazis einst zur „Hauptstadt“ ihrer Bewegung gemacht hatten.

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