ÄRZTE OHNE GRENZEN: Europa mitverantwortlich für Leid in Libyen


Die Europäische Flagge © fdecomite auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
„Alle, mit denen ich geredet habe, fragten mich mit Tränen in den Augen immer wieder, wann sie freigelassen würden“ – so schildert die Präsidentin von „Ärzte ohne Grenzen“ Gespräche mit Migranten in Libyen. Europa nehme deren Leid in Kauf, meint sie.

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Für die Verbrechen an Migranten in Libyen tragen die europäischen Politiker laut „Ärzte ohne Grenzen“ eine Mitverantwortung. „Es handelt sich um ein florierendes Geschäft mit Entführungen, Folter und Erpressung. Die EU-Regierungen haben die bewusste Entscheidung getroffen, Menschen unter solchen Bedingungen einsperren zu lassen“, schreibt die Präsidentin der internationalen Hilfsorganisation, Joanne Liu, in einem am Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Offenen Brief.

Liu hatte nach Angaben der Organisation in den vergangenen Tagen Lager in der libyschen Hauptstadt Tripolis besucht. Menschen würden dort in „dunkle, schmutzige und stickige Räume gepfercht“, heißt es in dem Brief. „Einige Männer erzählten uns, wie sie gezwungen wurden, so lange nackt über den Hof zu rennen, bis sie vor Erschöpfung zusammenbrachen. Frauen werden vergewaltigt und dann gezwungen, ihre Familien zu Hause anzurufen und von ihnen Geld zu verlangen, damit sie freikommen.“ Auf einer Pressekonferenz in Brüssel schilderte Liu, eine Schwangere habe ihr erzählt, dass sie gezwungen worden sei, stundenlang in der Hitze auf einem Bein zu stehen.

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