Italien: Impfpflicht für Erstklässler


In Italien gibt es zum Schulstart jetzt Spritzen.FOTO: JULIAN STRATENSCHULTE/ DPA
Ende Juli war die Impfpflicht vom Parlament eingeführt worden. Sie gilt für zehn Krankheiten, darunter Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

Von Dominik Straub | DER TAGESSPIEGEL

Lange Schlangen bilden sich seit Tagen vor den unzähligen medizinischen Stützpunkten und staatlichen Ambulanzen, in denen italienische Eltern ihre Sprösslinge derzeit kostenlos impfen lassen können. Auch die eigens eingerichteten „grünen Nummern“, auf denen man sich vom Nationalen Gesundheitsdienst telefonisch über die Details der neuen Impfpflichtinformieren lassen kann, laufen heiß. Die Geduld und die Nerven der Eltern und Kinder werden dabei nicht selten auf eine harte Probe gestellt: Die Behörden machen zum Teil widersprüchliche Angaben, während in einzelnen Ambulanzen wegen des Massenandrangs auch schon die Impfstoffe ausgegangen sind. Das bedeutet in der Praxis, dass man sich am nächsten Tag noch einmal für Stunden in die Schlange stellen kann.
Die Impfpflicht war vom Parlament Ende Juli mit großer Mehrheit eingeführt worden. Sie gilt für zehn Krankheiten, darunter die klassischen Kinderkrankheiten Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Obligatorisch sind die Impfungen für Kinder von null bis sechs Jahren; 2017 müssen aber auch alle Kinder und Jugendlichen von sieben bis 16 Jahren, die noch nicht geimpft oder dank einer durchlaufenen Krankheit immunisiert sind, nachgeimpft werden. Zur Einführung einer Impfpflicht veranlasst sahen sich die Behörden durch eine Masernepidemie, an der seit Anfang dieses Jahres schon rund 4500 Personen erkrankt sind (2016 zählte man in Italien nur 826 Masern-Fälle). Drei Kinder sind an der Krankheit gestorben.

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