Postmodernismus vs. Wissenschaft


Michael Shermer. Bild: ted.com, Screengrab. bb
Die Wurzeln des gegenwärtigen Wahnsinns an den Universitäten

Von Michael Shermer | Richard-Dawkins-Foundation

1946 bemerkte George Orwell im London Tribune in einem Essay unter dem Titel „Direkt vor deiner Nase“ („In Front of Your Nose“), dass „wir alle dazu in der Lage sind, Dinge zu glauben, von denen wir wissen, dass sie unwahr sind und dann, wenn wir schließlich widerlegt werden, in unverschämter Weise die Fakten so hindrehen, dass es so aussieht, als hätten wir richtiggelegen. Es ist intellektuell möglich, diesem Prozess für unbestimmte Zeit anzuhängen: Die einzige Möglichkeit des Begreifens besteht darin, dass wir früher oder später mit unserem falschen Glauben direkt mit der harten Wirklichkeit kollidieren, üblicherweise auf einem Schlachtfeld.“

Diese intellektuellen Schlachtfelder der heutigen Zeit sind die Universitäten, wo die festen Überzeugungen der Studenten über Rasse, Ethnie, Geschlecht und sexuelle Überzeugung und ihre Soziale-Gerechtigkeits-Antipathie gegenüber Kapitalismus, Imperialismus, Rassismus, weiße Privilegien, Frauenfeindlichkeit und das „cis-sexistische Hetero-Patriarchat“ mit der Realität aus widersprechenden Fakten und anderen Meinungen kollidieren, was zu Chaos an den Universitäten und sogar zu Gewalt führt. So haben beispielsweise Studenten an der Universität Berkeley in Kalifornien und Unruhestifter von außerhalb randaliert, als lediglich erwähnt wurde, dass die konservativen Hitzköpfe Milo Yiannopoulos und Ann Coulter als Redner eingeladen wurden (aber letztlich nie auftraten). Studenten am Middlebury College attackierten den libertären Autor Charles Murray und seine liberale Gastgeberin, Professorin Allison Stanger, zogen an ihren Haaren, verrenkten ihren Hals und schickten sie so in die Notaufnahme.

Eine der zugrundeliegenden Ursachen für die beunruhigende Situation lässt sich in den Vorgängen am Evergreen State College in Olympia, Washington finden. Dort hatte der Biologe und nach eigenen Angaben „tief progressive“ Professor Bret Weinstein sich geweigert, am „Tag der Abwesenheit“ teilzunehmen, an dem „weiße Studenten, Angestellte und Dozenten dazu angehalten werden, die Universität für einen Tag zu verlassen.“ Weinstein weigerte sich und schrieb in einer E-Mail: „an einer Universität darf das Recht zu sprechen – oder überhaupt anwesend zu sein – niemals an die Hautfarbe geknüpft sein.“ Als Reaktion störte ein wütender Mob aus 50 Studenten seine Biologie-Vorlesung, umringte ihn, nannte ihn einen Rassisten und bestand auf seiner Entlassung. Er behauptet, dass die College-Polizei ihm mitteilte, dass der College-Präsident sie angewiesen hätte, nicht einzugreifen, so dass er um seiner eigenen Sicherheit willen gezwungen war, der Universität fernzubleiben.

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