Exorzismus in Polen: Auf Teufel komm raus


Nationaler Besinnungstag: Gläubige empfangen den Heiligen Geist. (Deutschlandradio / Stefan Kobe)
Siebenmal musste Reporterin Nadine Wojcik nach Polen reisen, bis sie eine junge Frau traf, die glaubte, vom Teufel gequält zu werden und sich verschiedenen Exorzisten anvertraute. Dabei sind Teufelsaustreibungen in Polen durchaus üblich, sie boomen sogar.

Von Nadine Wojcik | Deutschlandfunk Kultur

Wir schleichen durch das massive Kirchenschiff. Karolina und ich. Ganz selbstverständlich zeigt mir die 32-Jährige ihre Lieblingskirche in der Krakauer Altstadt. An unserem Treffen ist jedoch nichts selbstverständlich. Wir flüstern, es fühlt sich nahezu konspirativ an. Karolina ist täglich hier, erzählt sie, zur Mittagsmesse.

„Kennen sich die täglichen Kirchenbesucher untereinander?“, frage ich.

Karolina: „Ja,  schon. Jeden Tag die gleichen Babcias, die gleichen Omis – wir kennen uns natürlich.“

Mehrere Monate habe ich auf dieses Treffen mit Karolina hingearbeitet. Die blonde Frau mit buntem Brillengestell und Marienanhänger um den Hals ist die einzige Betroffene, die mit mir darüber reden will. Über Exorzismus. Über den Teufel.

Wir trotten zu einem kleinen Park am Rande der Altstadt, sitzen nun im Schatten der Bäume auf einer Bank. Vier Anläufe waren nötig, bis Karolina einem Treffen zusagte. Immer wieder zögerte sie, sagte im letzten Moment ab. Zu intim sind ihre Erfahrungen mit dem Satan, es kostet sie Überwindung, darüber zu sprechen. Jetzt sitzen wir hier. Und ich will endlich wissen: Wie fühlt er sich an, der Teufel?

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