„Die Religion schottet Menschen ab“


Eine muslimische Frau mit Kopftuch steht vor dem Brandenburger Tor in Berlin (picture-alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Alfred Schlicht war Diplomat und lebte in islamisch geprägten Ländern. „Gehört der Islam zu Deutschland?“, heißt sein neues Buch. Hilft eigentlich diese Frage bei der Integration? Ja, meint der Autor. „Wir müssen sehen, dass wir die Muslime zu deutschland-kompatiblen Mitmenschen hier machen.“

Monika Dittrich im Gespräch mit Alfred Schlicht | Deutschlandfunk

Monika Dittrich: In vielen westlichen Gesellschaften wird der Islam heutzutage vor allem als Problem gesehen – als Religion, die Integration verhindert, Frauen unterdrückt, Gewalt verherrlicht. Das Verhältnis zwischen Muslimen und Nichtmuslimen ist schwieriger geworden, auch in Deutschland. So beschreibt es Alfred Schlicht in seinem aktuellen Buch. Der promovierte Orientalist war jahrelang als Diplomat in muslimischen Ländern. Der Titel seines Buches heißt: „Gehört der Islam zu Deutschland?“. Ich wollte von ihm wissen, ob man diese Frage angesichts von mindestens viereinhalb Millionen Muslimen in der Bundesrepublik überhaupt stellen kann.

Herr Schlicht, Ihr Buch heißt „gehört der Islam zu Deutschland?“. Kann man das überhaupt fragen, angesichts von mindestens viereinhalb Millionen Muslimen, die hierzulande leben?

Alfred Schlicht: Es ist eine Frage, die gestellt worden ist. Es ist eine Frage, die immer noch viele Bürger beschäftigt. Aber in der Tat, wir haben sehr viele Muslime hier, wir haben eine wachsende Zahl von Muslimen, nicht nur durch die Flüchtlinge und insofern stellt sich die Frage mehr und mehr, denn die Frage bedeutet ja auch: Passen diese Leute zu uns? Passen diese Muslime zu uns? Und wie gehen wir mit ihnen um? Das beinhaltet diese Frage ja auch.

Dittrich: Und: Passen Sie zu uns?

„Wir haben eine große Zahl von Muslimen, die hier angekommen sind“

Schlicht: Auch da ist es wieder schwierig, eine eindeutige Antwort zu geben. Und deshalb ist dieses Buch ja geschrieben worden. All diejenigen, die glauben, dass man eine ganz einfache Antwort hierauf findet, sollten dieses Buch lesen. Für sie ist es geschrieben. Wir haben natürlich eine ganz große Anzahl von Muslimen, die hier angekommen sind. Muslime, die sich mit dem modernen Leben, mit der modernen Gesellschaft, mit dem Rechtsstaat, mit der Demokratie sehr gut arrangiert haben. Und wir haben natürlich leider immer noch Muslime, die beschränkt sind in ihrer wörtlichen Gläubigkeit an Aussagen des siebten Jahrhunderts. Und die müssen wir erst in unsere Realität hineinführen.

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