Biochemiker: „Ein krebserregendes Pestizid hat im Körper nichts verloren“


Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Pestizid – und auch eines der umstrittensten

Interview Nora Laufer | derStandard.at

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat ist in der EU seit Jahren umstritten. Während die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit das Pestizid für ungefährlich erklärt hat, stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation Glyphosat als „wahrscheinlich für den Menschen krebserregend“ ein.

Im Juni 2016 hat die Europäische Kommission die Zulassung um eineinhalb Jahre verlängert, diese läuft mit Dezember 2017 aus. Dann soll entschieden werden, ob Glyphosat für weitere zehn Jahre zugelassen wird. Großkonzerne wie Monsanto setzen sich dafür ein, NGOs suchen das zu verhindern. Der Biochemiker Helmut Burtscher von der Umweltorganisation Global 2000 hat sich in „Die Akte Glyphosat“ mit der Geschichte und dem Einsatz von Glyphosat beschäftigt.

STANDARD: Die Ages, die österreichische Agentur für Ernährungssicherheit, nennt Glyphosat „weitgehend unbedenklich“. Sie sagen, es ist schädlich. Wem sollen Konsumenten glauben?

Burtscher: In diesem Fall nicht der Ages, denn Glyphosat ist leider alles andere als unbedenklich. „Weitgehend“, sagt die Ages, weil Glyphosat die Augen reizen kann.

STANDARD: Welche Beweise existieren dafür, dass es schädlich ist?

Burtscher: Glyphosat ist laut der WHO wahrscheinlich bei Menschen krebserregend. Diese Einstufung kommt unter anderem daher, dass Glyphosat bei Mäusen und Ratten in den Versuchen der Industrie Tumore hervorgerufen hat. Die Beweislage hierfür ist ausreichend, manche dieser Tumore sind immer wieder aufgetreten. Der Lymphdrüsenkrebs, der in drei von fünf Mausstudien aufgetreten ist, tritt auch bei Menschen, die mit glyphosathaltigen Pestiziden arbeiten, häufiger auf. Das Krebsrisiko ist ernst zu nehmen.

weiterlesen