Die Schönheit des Scheiterns: «Try again. Fail again. Fail better»


Charles Pépin: Die Schönheit des Scheiterns. Kleine Philosophie der Niederlage. Aus dem Französischen von Caroline Gutberlet. Carl Hanser, München 2017. 203 S., Fr. 29.90.

Der französische Philosoph Charles Pépin hat einen hübschen Essay über die Tugenden des Scheiterns geschrieben.

Von Uwe Justus Wenzel | Neue Zürcher Zeitung

In einer erfolgssüchtigen Gesellschaft können Misserfolge, kann der Umgang mit ihnen naturgemäss zu einem Problem werden. Es lässt sich freilich systemkonform lösen – dann, wenn die Versuche, ein Scheitern zu bewältigen, ihrerseits unter dem Aspekt des Erfolgs beurteilt werden. Und das werden sie augenscheinlich zunehmend. Die «Erfolgskultur» erweitert dergestalt unter dem Firmennamen einer «Kultur des Scheiterns» ihr Revier; und das schlägt sich – nicht verwunderlich – auch in ausufernder Ratgeberliteratur nieder.

«Die Kunst des erfolgreichen Scheiterns» lautet der einschlägige Titel. Weniger offenkundig systemkonform, aber keineswegs systemkritisch tönen – gleichfalls derzeit marktgängige – Titel wie «Die Kunst des spielerischen Scheiterns», «Lässig scheitern», «30 Minuten gescheit scheitern». Derlei Lebenshilfebücher, ob sie sich an Manager oder an Otto Normalverbraucher wenden, erscheinen zwar vermehrt, aber nicht erst seit der jüngsten Finanzmarktkrise. Schon der legendäre Laotse soll gesagt haben, Scheitern sei die Grundlage des Erfolgs. Mit diesem Diktum wird der altchinesische Weise zumindest nicht selten zitiert.

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