Menschen im Müll begraben


Im Laufe der Jahrhunderte wurden etwa 12,5 Millionen Menschen über den Atlantik verschleppt und als Sklaven verkauft, wie auf diesem Schiff aus Westafrika. (Foto: Hulton Archive/Getty Images)
In einer sechs Meter dicken Abfallschicht entdeckten Bauarbeiter nahe Lagos tausende menschliche Knochen. Es ist der älteste Sklavenfriedhof Europas.

Von Hubert Filser | Süddeutsche.de

Das jüngste Kind war gerade mal drei Jahre alt, als es starb. Einige der Erwachsenen hatte man vor ihrem Tod sogar gefesselt; ihre Leichen warf man später über die Stadtmauer von Lagos in Portugal. Und so lagen dort unbemerkt die Überreste von 158 Menschen, bis im Jahr 2009 Bauarbeiter im Ortsteil Valle da Gafaria plötzlich auf die Knochen stießen, in einer meterdicken Schicht städtischen Abfalls aus dem 15.

bis 17. Jahrhundert. In einer anschließenden Notgrabung fanden Archäologen Tausende menschliche Knochen – eine Überraschung für die Wissenschaftler um Maria Teresa Ferreira von der Universität Coimbra. Denn, wie man inzwischen weiß, entdeckten die Bauarbeiter den bislang ältesten Sklavenfriedhof der europäischen Geschichte. Ähnliche Grabstätten sind nur aus der Neuen Welt bekannt und auch deutlich später entstanden. „Wir hatten dort Dinge wie Tonscherben oder Tierknochen von Schweinen, Ziegen oder Hühnern erwartet, aber nicht die Knochen von 158 Menschen aus Afrika“, sagt Ferreira.

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