«Reformatoren fühlten sich vom humanistischen Denken angezogen»


Der Historiker Jan-Friedrich Missfelder erforscht Renaissance und Reformation. Die Verbindung sieht er im Humanismus.

Interview Christa Miranda | SRF

SRF: Wie sind Renaissance und Reformation miteinander verknüpft?

Jan-Friedrich Missfelder: Die Renaissance kann als übergreifende Epoche verstanden werden. Sie schliesst auch die Reformation mit ein. Die Verbindung ergibt sich vor allem über den Humanismus: Humanisten forderten damals «ad fontes», also «zurück zu den Quellen».

Zu welchen Quellen?

Zu den antiken Quellen, aber natürlich auch zu den christlichen Quellen: zu den Texten der Bibel und jenen der Kirchenväter.

Die Kirchenkritik verbindet einzelne Vertreter des Humanismus mit den Reformatoren. Beide übten Kritik an den Zuständen in den Kirchen, Kritik an Formen der Frömmigkeit, aber auch an Autoritäten. Dabei bezogen sie sich auf die wiederentdeckten Urtexte.

Wie kommt es, dass sich die beiden Grossereignisse in der gleichen Zeit und fast am gleichen Ort entwickelten?

Viele Reformatoren fühlten sich vom humanistischen Denken angezogen und entwickelten es weiter. Aber natürlich lässt sich das eine nicht unmittelbar vom anderen ableiten.

In Italien, dem Heimatland der Renaissance und Ursprungsland des Humanismus, gab es keine erfolgreichen reformatorischen Bewegungen. Es gab zwar solche Bewegungen, aber sie scheiterten.

«  Luther interessierte sich wohl schlicht nicht für naturwissenschaftliche Entdeckungen. »

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