Die Rechte der Frauen sind genauso schutzbedürftig wie die der Flüchtlinge


Der Bahnhofsvorplatz in Köln, an dem es an Silvester 2015 zum Fanal für die Probleme der Flüchtlingspolitik kam: den massenhaften Übergriffen von Migranten gegen Frauen. (Foto: imago/Future Image)
Sexuelle Übergriffe durch Zuwanderer verunsichern die Frauen in Deutschland. Diese Unsicherheit muss dringend ernst genommen werden.

Von Ulrike Heidenreich | Süddeutsche.de

Viele, sehr viele Frauen waren es, die im Sommer 2015 an den Gleisen des Münchner Hauptbahnhofes standen. Als dort jeden Tag Tausende Flüchtlingeankamen, klatschten sie Beifall. Sie taten dies, um die Menschen willkommen zu heißen und um ihnen die Angst zu nehmen. Es war dort eine Stimmung, die anrührte, es war Gänsehaut und Glück, es war so viel Hoffnung und Hilfsbereitschaft. Die Stimmung ist umgeschlagen, schon seit einiger Zeit. Wenn Frauen heute einer größeren Gruppe von männlichen Geflüchteten begegnen, ist da immer wieder dieses Gefühl der Bedrohung.

Die Frauen haben die Kriminalitätsstatistik über Vergewaltigungen durch Flüchtlinge im Kopf – und damit auch die Angst. Vielen Frauen ist mulmig. Sie fürchten, durch ihr Auftreten falsche Signale auszusenden. Das kann nicht sein. Die Freiheit, sich so zu kleiden und so zu bewegen, wie man möchte, ist unverhandelbar. Selbst die Gutwilligsten tun sich keinen Gefallen, den Bruch in der Willkommenskultur auszublenden. Man muss die Fakten nüchtern benennen, ohne Dämonisierung einerseits und Verklärungen andererseits.

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