Kulturelle Identität: Von Burka bis Schächten


„Die religionspolitische Lage ist kompliziert, es brechen viele schwer zu entscheidende normative Fragen auf.“ – ein ausblutendes Schaf bei einer Schächtung (picture alliance / dpa / Frank Leonhardt)
Religiöse Riten, Symbole und Traditionen sind immer wieder Gegenstand der politischen und rechtlichen Auseinandersetzung. Die Debatten rund um die Burka oder den Sonntagsschutz bewegen viele Deutsche. Aber wie reagieren Religionspolitiker und Parteiprogramme auf religiöse Alltagskonflikte?

Von Burkhard Schäfers | Deutschlandfunk

Ein ganzes Kapitel ihres Wahlprogramms widmet die AfD dem Islam. Auf zwei Seiten werden Begriffe aneinandergereiht wie Scharia, Parallelgesellschaften, Polygamie, Minarett und Muezzin-Ruf, Burka und Niqab. Die übrigen Parteien bringe das in eine komplizierte Lage, analysiert Ulrich Willems, Professor für Politikwissenschaft an der Universität Münster. Deshalb würden sie die Religion aus dem Wahlkampf eher heraushalten.

„Da ist mein Eindruck, dass dieses Thema eine deutlich geringere Rolle gespielt hat als ich erwartet hätte. Das hat damit zu tun, dass die anderen Parteien wissen, dass je stärker dieses Thema des Islams auf die Wahlkampf-Agenda gerät, dass tendenziell am ehesten davon die AfD profitiert.“

Ein sachlicher Diskurs ist vonnöten

Dass die Parteien Fragen des religiösen Alltags, von Kultur und Identität umgehen, hält Willems für die falsche Strategie. Denn dabei gehe es nicht allein um den Islam, sondern insgesamt um das Zusammenleben von Kirchenmitgliedern, Konfessionslosen und religiösen Minderheiten in einer zunehmend pluralen Gesellschaft. Wo unterschiedliche Wertvorstellungen aufeinanderprallen, seien Konflikte programmiert. Deshalb plädiert der Politologe für einen grundlegenden, sachlichen Diskurs über strittige Themen.

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