Die Kirche ist kein Koalitionär

Mit den Konfessionen ist in der modernen Demokratie kein Staat mehr zu machen – gottlob. Trotzdem haben die Kirchen ihre Wünsche, was die Politik heute tun sollte.

Von Manfred Rekowski | RP ONLINE

Der jüngst verstorbene Heiner Geißler war ein streitbarer Mensch. Er hatte etwas zu sagen, zuweilen mit Schärfe gewürzt, und war auch reich an Lebenserfahrungen. Er erzählt in seinem Buch „Was müsste Luther heute sagen?“, wie er im Wahlkampf 1965 mit seiner evangelisch getauften Frau zu punkten hoffte. Eine andere große Volkspartei hatte ihn mit dem Hinweis auf seine katholische Herkunft bei der mehrheitlich evangelischen Wählerschaft schlecht aussehen lassen wollen. Geißler gewann in der protestantischen Hochburg rund um Tübingen das Bundestags-Direktmandat.

Mit den Konfessionen ist in der Demokratie längst kein Staat mehr zu machen. Und „heilige“ Allianzen gehören der Vergangenheit an. Gott sei es gedankt. Denn Politik ist für das Zusammenleben aller Menschen verantwortlich, unabhängig von Glaubensüberzeugungen und anderen Haltungen. Der Staat hat „für Recht und Frieden zu sorgen“, wie evangelische Christen 1934 in der Barmer Theologischen Erklärung ganz im Sinne Luthers formulierten. Diese Erklärung war eine Absage evangelischer Kreise an die Deutschen Christen, jenes Sammelbecken nationalsozialistischer Kirchenmitglieder, die die Nazi-Ideologie auch in der Kirche durchsetzen wollten und vom Hitler-Regime als „Vollendung der deutschen Reformation im Geiste Martin Luthers“ sprachen. Luther dürfte sich im Grabe umgedreht haben.

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Vor Kurden-Referendum: Iran hält Manöver an irakischer Grenze ab

Einen Tag vor dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum der irakischen Kurden hat der Iran Militärmanöver an der Grenze abgehalten. – © youtube/vol.at
Die Lage im Nahen Osten ist kurz vor dem Kurden-Referendum im Irak angespannt. Nach der Türkei führt auch Iran eine militärische Übung durch und hat seinen Luftraum für Zivilflüge in die Region geschlossen.

SpON

Am Montag wollen die Kurden im Irak über ihre Unabhängigkeit abstimmen. Unmittelbar vor dem Referendum halten die iranischen Revolutionsgarden ein Militärmanöver in der Grenzregion ab. Das bestätigte General Mohammad Pakpour, Kommandant der Bodentruppen, auf der Homepage der Revolutionsgarden sowie im iranischen Staatsfernsehen.

„So Gott will, werden Artillerie, Panzerdivisionen, Drohnen und Kommandoeinheiten eine gut koordinierte Übung durchführen“, sagte Pakpour. Auf dem veröffentlichten Filmmaterial wurden Explosionen und Rauchfahnen in der kurdischen Bergregion im Nordwesten von Iran gezeigt.

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Grafenwöhr: Das Militär verwandelt ein riesiges Areal in der Oberpfalz in ein Naturjuwel

Der Seeadler ist eine der spektakulärsten Tierarten auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr. Auf dem Militärgelände leben drei Paare. (Foto: Bundesforstbetrieb Grafenwöhr)
Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr hat sich eine Flora und Fauna wie vor 100 Jahren erhalten. Dabei feuern dort Tausende Soldaten herum, was das Zeug hält.

Von Christian Sebald | Süddeutsche.de

Der Schwarzenberg ist ein kleiner Buckel mit einer gigantischen Aussicht. Denn unten am Schwarzenberg erstreckt sich eine riesige Steppenlandschaft. Viele Kilometer weit wechseln sich herbstlich braune Grasflächen mit kahlem Brachland und rohem, aufgerissenen Erdreich ab.

Dahinter breitet sich sattgrün der Ginster aus, im Sommer lassen seine Blüten das ganze Gebiet strahlend gelb leuchten. Mitten drin liegen dunkle Weiher. Einige Bäche durchziehen das Gelände. Der Steppenlandschaft ist so einmalig, dass sie auch die bayerische Serengeti genannt wird. Sie liegt in der Oberpfalz, mitten im Truppenübungsplatz Grafenwöhr.

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Russland wirft US-Truppen in Syrien Kooperation mit dem Islamischen Staat vor

Vom russischen Verteidigungsministerium veröffentlichte Aufnahme.
Im Wettlauf der syrischen Truppen und der von den USA unterstützten SDF-Verbände auf die strategisch bedeutende Stadt Deir-ez-Zor verschärft sich der Konflikt zwischen Russland und den USA

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie schon lange klar ist, führt die Niederschlagung und Vertreibung des Islamischen Staats in Syrien nicht zu einer Lösung des Konflikts. Zu stark gehen die geopolitischen Interessen der USA und Russland sowie der mit ihnen verbündeten Regionalmächte auseinander, die wiederum mit den syrischen Parteien am Boden verbunden sind (Machtpoker in Syrien). Derzeit überwölbt den Konflikt das Interesse Irans, über den Irak und Syrien eine Landbrücke zum Libanon zu errichten, was auf den entschiedenen Widerstand seitens der USA stößt. Zudem ist die Stadt strategisch wichtig, in der Umgebung befinden sich Ölquellen.

Die Vertreibung des Islamischen Staats um die Stadt Deir ez-Zor führte zu einem Wettrennen der syrischen Truppen und der schiitischen Milizen aus dem Iran, dem Irak und dem Libanon und der kurdischen SDF, die als amerikanische Bodentruppen der USA fungieren und von amerikanischen Spezialeinheiten sowie US-Kampfflugzeugen unterstützt werden.

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Philosoph Andreas Cassee: „Es gibt kein Recht auf geschlossene Grenzen“

foto: uni zürich Andreas Cassee hat ein philosophisches Plädoyer in Buchform vorgelegt. Hier präsentiert er seine Thesen im STANDARD-Interview.

Der Schweizer Philosoph erklärt, wieso er für globale Bewegungsfreiheit ist und warum wir uns in die Lage eines abgewiesenen Flüchtlings versetzen sollten. Ein philosophisches Plädoyer für offene Grenzen

Interview Lisa Nimmervoll | derStandard.at

STANDARD: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“, hat der deutsche Liedermacher Reinhard Mey gesungen. Sie möchten diese Freiheit quasi für alle Menschen auf den Boden, auf die Erde holen, denn Sie fordern offene Grenzen und globale Bewegungsfreiheit. Heißt das: Weg mit allen nationalen Grenzen?

Cassee: Gegen die Existenz von Grenzen habe ich nichts einzuwenden. Zwischen deutschen oder österreichischen Bundesländern existieren ja auch Grenzen, die festlegen, wo welche Jurisdiktion gilt. Eine andere Frage ist, ob an diesen Grenzen Grenzwächter stehen, ob also die Bewegung von Menschen über territoriale Grenzen kontrolliert wird. Meine Ansicht ist, dass es aus ethischer Perspektive kein Recht auf geschlossene Grenzen gibt.

STANDARD: War der Herbst 2015, als hunderttausende Menschen unkontrolliert über die Balkanroute vor allem nach Deutschland und Österreich gekommen sind, ein Vorläufer einer moralisch gerechtfertigten „globalen Bewegungsfreiheit“, wie Sie sie sich vorstellen?

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Dodo Käßmann, Bundestagswahl und Jesus

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat den beendeten Bundestagswahlkampf als lahm und zäh kritisiert.

evangelisch.de

„Jesus würde wohl kaum verstehen, dass jemand meint, mich mit Gummibärchen oder Kugelschreibern von seiner Partei überzeugen zu können“, schrieb die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der „Bild am Sonntag“. „Diese lähmende Zähigkeit, die über der Wahl liegt, würde ihn befremden.“

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Vatikan: Gendarmerie hat Obdachlose „mit Respekt“ behandelt

Headquarter des Konzerns.

Eine plötzliche Kehrtwende im Vatikan? Viele Medien – auch im deutschsprachigen Raum – haben über die Räumung auf und um den römischen Petersplatz von Freitagmorgen berichtet und behauptet, dass die vatikanische Gendarmerie die Obdachlosen grundlos weggeschickt habe.

Radio Vatikan

Einige Berichterstattungen haben immerhin auch die Vatikan-Erklärung gebracht, in der erläutert wurde, dass die vatikanische Sicherheitsbehörde es für angebracht hielt, wenn morgens und tagsüber keine Obdachlose – vor allem bei den Säulengängen rund um den Petersplatz – campieren. Radio Vatikan hat darüber mit dem Hauptverantwortlichen der Gendarmerie gesprochen. Kommandant Domenico Giani erläutert uns, dass es drei Gründe gab, weshalb „seine Männer“ die Obdachlosen beim Petersplatz am Freitag „wegschickten“.

„Am Petersplatz gab es zwei Probleme, und zwar sowohl ein Sicherheitsproblem als auch ein Ansehensproblem. Was die Sicherheit betrifft: Der Vatikan ist nun mal ein Ort voller Symbole und deshalb eine Zielscheibe. Wohlgemerkt, derzeit haben wir keine konkreten Androhungen, aber die Gefahr ist dennoch da.“

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Rund 3.660 Straftaten im Bundestagswahlkampf

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat bislang rund 3.660 Straftaten im Zusammenhang mit dem Bundestagswahlkampf registriert. Das berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf ein aktuelles Lagebild der Behörde.

evangelisch.de

„Bei rund Dreiviertel dieser Fälle handelt es sich um Sachbeschädigungen, zum Beispiel von Wahlkampfplakaten, sowie um Propagandadelikte“, sagte eine BKA-Sprecherin der Zeitung. Auch mehr als 50 Körperverletzungen wurden gemeldet.

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Die Saudi, die nicht nur Esel reiten wollte

Die Frauenrechtlerin Manal al-Sharif sieht Anzeichen für Veränderung im erzreligiösen Saudiarabien. (Bild: PD)
Manal al-Sharif landete im Gefängnis, weil sie das saudische Fahrverbot für Frauen brach. In einem neuen Buch erzählt die Aktivistin ihre Lebensgeschichte.

Von Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

«Bist du bereit?», fragt Manal al-Sharif am 19. Mai 2011 ihre Freundin auf dem Beifahrersitz. Sie dreht den Zündschlüssel, ihr Herz schlägt schneller. Sie hört, wie der Motor anspringt, lässt den Wagen losrollen. Ihre Freundin filmt mit dem Handy, während Sharif das Auto durch die Strassen von Khobar lenkt. Die beiden Frauen unterhalten sich über Freundinnen, die bis zu einem Drittel ihres Gehalts für private Chauffeure ausgeben, weil sie selber nicht fahren dürfen. Sie sprechen über Frauen, die stundenlang auf ein Taxi warten und dabei belästigt werden; über Mütter, die ihre Kinder nicht zur Schule bringen können, wenn ihre Männer weg sind. «Wieso lächelst du, Manal?», fragt die Freundin. «Weil ich fahre.» Manal al-Sharif fühlt sich als Siegerin.

Einen Tag später ist das Youtube-Video das meistgesehene in Saudiarabien. Zwei Tage später sitzt Manal al-Sharif im Gefängnis.

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Dian Fossey: Die Frau, die allein in den Wäldern lebte

Photograph of Dian Fossey by Yann Arthus-Bertrand. Bild: wikimedia.org/FairUse

Vor 50 Jahren begann Dian Fossey ihre bahnbrechende Forschung über die Berggorillas. Heute sind ihre Schützlinge Botschafter der bedrohten Natur in Ruanda und Uganda. Sie selbst konnte diesen Erfolg nicht mehr erleben.

Von Win Schumacher | SpON

„Sie war eine starrsinnige, ja, eine schwierige Frau“, sagt François Bigirimana. „Und gerade deshalb war sie so gut für die Gorillas und Ruanda.“ Der alte Mann blickt auf die Silhouette der Virunga-Vulkane in der Ferne. Über dem Bergwald steigen dichte Nebelschwaden auf.

„Wir brachten ihr Bananen, Maniok und Süßkartoffeln hinauf nach Karisoke“, sagt der Naturführer, „sie lebte in aller Einfachheit da oben“. 1981 lernte Bigirimana die heute weltberühmte amerikanische Primatenforscherin Dian Fossey kennen. Der junge Ruander arbeitete zunächst als Träger in den Bergen nahe der Grenze zu Uganda und dem damaligen Zaire.

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Der Zankapfel zwischen den Kurden und Bagdad

Grenzenlose Solidarität: Eine iranische Kurdin wirbt mit Flagge für das Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak, das für kommenden Montag angesetzt ist. (Foto: Safin Hamed/AFP)
  • Die multiethnisch bewohnte Stadt Kirkuk wird seit 2014 von den Peschmerga kontrolliert.
  • Vor dem geplanten Referendum für die kurdische Unabhängigkeit nehmen die Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen und Schutzmächten zu.
  • Nichts fürchten die Kurden mehr, als dass ein Gewaltausbruch der irakischen Armee einen Vorwand zum Eingreifen liefern könnte.

Von Paul-Anton Krüger | Süddeutsche.de

Über die Einfahrtsstraße von Erbil nach Kirkuk wacht ein einsamer Peschmerga, überlebensgroß. Eine sechs Meter hohe Statue, das Gewehr über die Schulter gehängt. Aufgestellt wurde das Standbild eines kurdischen Soldaten im Juli – Symbol für den Machtanspruch der Kurden in der umstrittenen Stadt im Nordirak. Am Horizont steigen schwarze Rauchwolken über der ausgedörrten Steppe auf. Es sind die Gasfackeln der Ölfelder. In der Nacht zeichnen die orangenen Flammen flackernd Schattenrisse von den Hügeln.

Es sind nicht zuletzt die Bodenschätze, die Kirkuk zum Zankapfel zwischen den Kurden und Bagdad machen – eine der wenigen Städte im Irak, in der noch Menschen verschiedenster Ethnien, Religionen und Sprachen weitgehend friedlich zusammenleben: Kurden, sunnitische und schiitische Araber, Turkmenen, chaldäische und assyrische Christen.

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Ist religiöse Erziehung eine sanfte Art der Indoktrination?

Foto: pixabay.com
Der Glaube an höhere Mächte ist vermutlich fast so alt wie die Menschheit. Er diente unseren Vorfahren primär dazu, Naturkatastrophen und unverständliche Phänomene erklären zu können.

Von Hugo Stamm | Richard-Dawkins-Foundation

Heute liefern uns Wissenschaft und Technik schlüssige Antworten auf viele Fragen, die früher mit übersinnlichen oder paranormalen Argumenten begründet wurden.Trotzdem glaubt die Mehrheit der Menschen immer noch an einen Gott oder an Götter.

Der Grund ist meist einfach: Der Glaube ist anerzogen. Kinder sind bekanntlich ahnungslos bezüglich Religionen, Heilslehren, Gott und einem Leben nach dem Tod.

In der abendländischen Kultur werden die meisten Kinder in den christlichen Glauben eingeführt. Für sie werden Gott, Jesus und der Heilige Geist lebendige Figuren, so real wie Vater und Mutter. Kein Kind kommt auf die Idee, dass der christliche Gott möglicherweise eine Fiktion ist und Jesus womöglich nicht der Sohn Gottes, wie ihm die Eltern erklären. Sie können auch die Aussage nicht hinterfragen, dass Maria Jesus unbefleckt empfangen haben soll.

Kinder müssen glauben, was ihnen ihre Eltern erklären

Kinder haben keine andere Wahl, als alles, was ihnen ihre Eltern erklären, für wahr zu halten. Zweifel in kognitiven Belangen kennen sie nicht. Das abstrakte Denken ist noch nicht ausgebildet, übersinnliche oder transzendentale Konzepte übersteigen ihr Vorstellungsvermögen.

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Vertuschung 2.0: Im Fall Amri erlebt man dieselben Methoden wie beim NSU-Skandal

Foto: Fahndungsplakat des BKA
Der Untersuchungsausschuss in Berlin ist mit massiven Widerständen seitens der Polizei konfrontiert

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Kaum hat der Untersuchungsausschuss zum Fall Anis Amri mit seinen öffentlichen Sitzungen begonnen, als er sich schon mitten im Behördensumpf befindet. Tricksereien innerhalb der Polizei, Verschleierungen, Intransparenz, begrenzte Aussagegenehmigungen für Zeugen – was Öffentlichkeit und Parlamente seit fünf Jahren im Mordkomplex NSU erleben, scheint sich nun zu wiederholen. Es ist der Skandal hinter dem Skandal – und ein alarmierender Zustand der bundesdeutschen Sicherheitsorgane.

Mit dem Namen „Anis Amri“ ist der Terroranschlag vom 19. Dezember 2016 in Berlin verbunden. Mit einem LKW raste der Attentäter in die Menschenmenge des Weihnachtsmarktes auf dem Breitscheidplatz. Insgesamt starben zwölf Unschuldige, Dutzende wurden zum Teil schwer verletzt. Bisher versuchen zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse das Behördenhandeln im Fall Amri zu durchleuchten, einer in Nordrhein-Westfalen (NRW) und der in Berlin.

In der Hauptstadt stößt man von einer Manipulation auf die andere. Zunächst, im Mai 2017, hatte ein Sonderbeauftragter des Senats festgestellt, dass beim Landeskriminalamt (LKA) Ermittlungserkenntnisse über den bandenmäßigen Drogenhandel des Tunesiers Amri „abgeschwächt und zurückdatiert“ wurden. Daraufhin erstattete der Innensenator selbst Strafanzeige gegen mehrere Polizeibeamte wegen Strafvereitelung. Und der Polizeipräsident richtete eine sogenannte Task Force mit dem Namen „Lupe“ ein, um die Fälschungen zu untersuchen. Daran hängt die Frage, ob der spätere – mutmaßliche – Attentäter hätte festgenommen werden können oder müssen (Fall Amri: Manipulationen durch die Polizei ziehen immer weitere Kreise,

Der operative Leiter der Task Force war jetzt vor den Ausschuss geladen, er war der einzige Zeuge, nachdem sich der zweite, ein Ex-Innenstaatssekretär, kurzfristig krankgemeldet hatte.

Wenige Tage vor der Sitzung erfuhr man, dass es bei der Berliner Polizei bereits seit April 2017 eine interne Untersuchung über die Abläufe am Anschlagstag gab, verantwortlich eine sogenannte „Nachbearbeitungskommission“. Dem Parlament war das nie mitgeteilt worden war, nicht einmal als die Task Force „Lupe“ bei der Polizei eingerichtet wurde.

In dem 120 Seiten starken Bericht der „Nachbearbeitungskommission“, „Nakom-Bericht“ genannt, werden „schwerwiegende Versäumnisse“ in den Stunden nach dem Anschlag erwähnt. Ein falscher Verdächtiger wurde festgenommen, erst am 20. Dezember wurde die Tat als „Anschlag“ klassifiziert, Amri hatte Zeit, die Stadt zu verlassen. Man habe ihn „sehenden Auges laufen lassen“, so die Abgeordnete Canan Bayram (Bündnis 90/Die Grünen).

Warum die Polizei eine zweite Untersuchungsgruppe einrichtet, während sie bereits eine erste betreibt, ist bisher unbeantwortet. Sollte die Existenz der „Nachbereitungskommission“ und deren Ergebnisse verschleiert werden?

Welche Erkenntnisse hat nun die Task Force „Lupe“ in den vergangenen vier Monaten über das Handeln der Berliner Polizei im Falle Amri gewonnen? Das sollte Kriminaldirektor Dennis Golcher, 46, der die Task Force anführt und koordiniert, den Abgeordneten erklären. Sein Auftritt geriet zu einer unfreiwilligen Demonstration der Verweigerung. Vertuschung live.

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Im Land der blinden Flecken

Bild: FAZ.net
„Fake News“ wurden als die große Gefahr für die Demokratie in diesem Land und für den Bundestagswahlkampf beschworen. Bislang war davon wenig zu sehen. Stattdessen gibt es ein anderes Problem.

Von Michael Hanfeld | Frankfurter Allgemeine

Fake News? Dazu fällt einem gleich Donald Trump ein. „Fake News“ ist sein Stichwort, wenn es um die amerikanische Medienlandschaft geht, die nichts anderes über ihn verbreite. Diese wiederum, besonders die Zeitungen an der Ostküste, sieht ihn als Erfinder der „Fake News“ an. Was seine Leute als „Alternative Facts“ ausgaben, ist das Metier der Faktenchecker von der „Washington Post“ bis zum Portal „Politifact“. Sie beschäftigen sich mit wenig anderem als seinen Einlassungen und finden Fehler sonder Zahl. Doch „Fake News“, sagt Alex Tornero, der Kreativchef der Werbeagentur „The Strategy Group“ bei einem Besuch auf dem Land in Columbus, Ohio, damit hätten die Linken angefangen, die Demokraten. Dem wollten er und seine Kollegen deshalb das wahre „America First“ entgegensetzen, „The Real Donald Trump“, der sich wirklich um die Leute kümmert und die Belange der „Vergessenen“ ernst nehme. So verschieden kann man das sehen und so sah es denn auch in der Wahlwerbung aus. Der Präsidentschaftswahlkampf war eine mutmaßlich aus Mokau mitgesteuerte „Fake News“-Schlacht, die bis heute andauert.

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Österreich: Ein Millionär will mit einem Trick das Burka-Gesetz aushebeln

Symbol Bild: Reuters
In Österreich gilt ab Oktober ein neues Gesetz: Gesichtsschleier werden nicht mehr geduldet. Wer dennoch welche trägt, kann sogar verhaftet werden. Ein Millionär plant nun aber das Gesetz auszuhebeln. Die Regierung ist sauer.

DIE WELT

Wer in Österreich sein Gesicht mit einer Burka oder auch nur mit einer Atemschutzmaske verhüllt, riskiert ab 1. Oktober eine Geldstrafe von bis zu 150 Euro. „Wir werden das Gesetz behutsam und trotzdem konsequent umsetzen“, kündigte die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit, Michaela Kardeis, am Donnerstag in Wien an.

Wer der Aufforderung, sein Gesicht frei zu machen, nicht folge, werde zur Feststellung der Identität mit auf die Wache genommen, sagte ein Polizeisprecher. „Am Schluss kann durchaus eine Festnahme stehen.“

Die Wache müsse unverschleiert wieder verlassen werden. Allerdings sei es nicht unbedingt nötig, dass muslimische Frauen die Vollverschleierung sofort auf der Straße ablegten.

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Zentralratspräsident: Angst vor AfD-Stimmungsmache gegen Juden

Bild: bb
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, befürchtet, dass die AfD in Zukunft Stimmung gegen Mitglieder seiner Religionsgemeinschaft machen könnte. „Es ist eine Partei, die gegen Minderheiten Stimmung macht“, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“ (Sonntag).

evangelisch.de

Im Moment attackiere die AfD vorwiegend Muslime. Künftig könne es auch andere Minderheiten treffen, dazu zählten Juden, sagte Schuster. Es bedrücke ihn, dass Umfrage-Institute einen Einzug der AfD in den Bundestag mit mehr als zehn Prozent für möglich halten. „Ich hätte mir vor vier, fünf Jahren nicht vorstellen können, dass einer rechtspopulistischen Partei in Deutschland ein zweistelliges Ergebnis vorausgesagt wird“, sagte Schuster.

Der Zentralratspräsident kritisierte, dass Alltagsrassismus in Deutschland wenig problematisiert werde. „Wir hatten in der deutschen Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten konstant 20 Prozent, die antijüdische Ressentiments haben.“ Dieses Gedankengut sei tief verwurzelt. „Ich bin nicht so optimistisch, zu glauben, dass sich daran etwas ändern wird“, sagte Schuster.

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Madrid übernimmt Kontrolle der Regional-Polizei in Katalonien

Die Guardia Civil soll die Kontrolle übernehmen. – (c) imago/ZUMA Press (Miquel Llop)
Die katalanischen Mossos d’Esquadra werden der Guardia Civil unterstellt. Der katalanischer Innenminister will die Entscheidung nicht akzeptieren.

Die Presse.com

Acht Tage vor dem umstrittenen Referendum über die Loslösung Kataloniens von Spanien hat die Zentralregierung in Madrid die Kontrolle über die Polizei der Region übernommen. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft wird die katalanische Polizei Mossos d’Esquadra der paramilitärischen Polizeieinheit Guardia Civil unterstellt, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Samstag nach entsprechenden Medienberichten auf Anfrage bestätigte. Der katalanische Innenminister Joaquim Forn entgegnete allerdings, die Regionalpolizei werde diese Entscheidung nicht akzeptieren.

Mit zahlreichen Aktionen versuchen Madrid und die spanische Justiz die von der Regionalregierung in Barcelona für den 1. Oktober ausgerufene, vom Verfassungsgericht aber verbotene Abstimmung zu verhindern. Bei Dutzenden von Razzien nahm die Guardia Civil in den vergangenen Tagen 14 separatistische Politiker und Beamte fest. Außerdem wurden knapp zehn Millionen Wahlzettel und rund 1,5 Millionen Wahlplakate beschlagnahmt. Zehntausende Katalanen gingen aus Protest gegen diese Aktionen auf die Straßen.

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Viele alte Menschen sind chronisch einsam

Bild: David Hodgson/CC BY-2.0
Eine britische Organisation spricht von einer „Einsamkeitsepidemie“, die mit der älter werdenden Gesellschaft schnell zunehme

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Im Alter verbreitet sich Einsamkeit besonders stark. Das ist bedingt durch die Lebensweise, etwa durch den Zerfall der Familien und das Leben als Single. In Großbritannien ist die 2011 gegründete Campaign to End Loneliness angetreten, um auf die Entwicklung hinzuweisen. Im Land sollen bereits 1,2 Millionen Rentner chronisch einsam sein. Eine halbe Million älterer Menschen soll mindestens 5-6 Tage in der Woche verbringen, ohne einen anderen Menschen zu sehen oder zu sprechen. 51 Prozent der Menschen über 75 Jahre leben allein. Zwei Fünftel der älteren Menschen (3,9 Millionen) sagen, der Fernseher sei ihre wichtigste Gesellschaft.

Nach einer Umfrage ist den Briten dieses Schicksal für das Alter auch bewusst, dass mit dem Herausfallen aus der Arbeitswelt die Einsamkeit wächst. 89 Prozent gehen davon aus, dass Einsamkeit im höheren Alter immer wahrscheinlicher wird, bei den Über-65-Jährigen sagen dies 93 Prozent.

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Veruntreuungsprozess im Vatikan wirft neue Fragen auf

Bild: tilly
Vatikan-Staatsanwaltschaft wirft Ex-Präsidenten der Stiftung „Bambino Gesu“ Veruntreuung von rund 420.000 Euro zwecks Umbau der Wohnung von Kardinal Bertone vor

kath.net

Nach einer Zeugenaussage in einem Veruntreuungsprozess im Vatikan stehen neue Fragen im Raum. Möglicherweise fanden bisher nur von Medien berichtete Doppelzahlungen bei der umstrittenen Renovierung einer Wohnung für Kardinal Tarcisio Bertone tatsächlich statt. Das ergab am Freitag die Befragung des Ingenieurs Marco Bargellini in dem Verfahren, das Geldflüsse der Stiftung des vatikanischen Kinderkrankenhauses „Bambino Gesu“ für die Renovierungsarbeiten der Wohnung von Kardinal Tarcisio Bertone klären soll.

Bargellini, im Governatorat des Vatikanstaats für Bausanierung zuständig, sagte, das Governatorat habe für die Renovierung gezahlt. Das Geld sei für den Kardinal vorgestreckt worden, der die Übernahme der Kosten per Brief zugesagt hatte. Ob die ausgelegten Beträge von Bertone erstattet wurden, wurde nicht bekannt. Dass möglicherweise auch die Stiftung des vatikanischen Kinderkrankenhauses „Bambino Gesu“ für die Renovierungsarbeiten der Wohnung aufkam, habe er nicht gewusst, so Bargellini.

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Saudi cleric says female brains a quarter the size of men’s

Saudi Arabian cleric Sheikh Saad Al-Hijri. (Screen capture: YouTube)
Saad al-Hijri suspended after saying women lose their minds when they go shopping and that’s why they should not be allowed to drive

The Times of Israel

A Saudi cleric who said women should not be allowed to drive because they have a “quarter” of the brainpower of men has been banned from preaching, the government said Friday.

Saad al-Hijri was suspended from leading prayers and all other religious activity in the southern province of Asir after he was widely pilloried on social media for his comment.

Hijri said women — who normally are “half-brained” compared to men — “end up with only a quarter” when they go shopping and therefore must be denied driving licences, according to an online video identifying him as a senior religious figure.

Ultra-conservative Saudi Arabia has some of the world’s tightest restrictions on women and is the only country where they are not allowed to drive, despite ambitious government reforms aimed at boosting female employment.

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