Die Saudi, die nicht nur Esel reiten wollte


Die Frauenrechtlerin Manal al-Sharif sieht Anzeichen für Veränderung im erzreligiösen Saudiarabien. (Bild: PD)
Manal al-Sharif landete im Gefängnis, weil sie das saudische Fahrverbot für Frauen brach. In einem neuen Buch erzählt die Aktivistin ihre Lebensgeschichte.

Von Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

«Bist du bereit?», fragt Manal al-Sharif am 19. Mai 2011 ihre Freundin auf dem Beifahrersitz. Sie dreht den Zündschlüssel, ihr Herz schlägt schneller. Sie hört, wie der Motor anspringt, lässt den Wagen losrollen. Ihre Freundin filmt mit dem Handy, während Sharif das Auto durch die Strassen von Khobar lenkt. Die beiden Frauen unterhalten sich über Freundinnen, die bis zu einem Drittel ihres Gehalts für private Chauffeure ausgeben, weil sie selber nicht fahren dürfen. Sie sprechen über Frauen, die stundenlang auf ein Taxi warten und dabei belästigt werden; über Mütter, die ihre Kinder nicht zur Schule bringen können, wenn ihre Männer weg sind. «Wieso lächelst du, Manal?», fragt die Freundin. «Weil ich fahre.» Manal al-Sharif fühlt sich als Siegerin.

Einen Tag später ist das Youtube-Video das meistgesehene in Saudiarabien. Zwei Tage später sitzt Manal al-Sharif im Gefängnis.

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