Türkei: Kulturschätze unter Wasser


Hasankeyf or Heskîf, Turkey, 2004. The remnants of the old Hasankeyf Bridge alongside the new The Hasankeyf Bridge built by Selim Baysal in 1957. Bild: wikimedia.org/CC BY 2.5 – Bertilvidet
Im Südosten der Türkei entsteht ein riesiger Staudamm. Naturschützer und Archäologen sind entsetzt.

Von Susanne Güsten | DER TAGESSPIEGEL

Eine Detonation zerreißt die Stille über dem Tigris-Tal nahe der Stadt Hasankeyf im Südosten der Türkei. Große Steinbrocken poltern herab. Die Felsen sollen entfernt werden, bevor das Tal demnächst geflutet wird: Das jahrtausendealte Hasankeyf, eine der ältesten kontinuierlich besiedelten Stätten der Menschheitsgeschichte, soll im Stausee des umstrittenen Ilisu-Damms versinken. Vor acht Jahren kündigten Deutschland, die Schweiz und Österreich ihre Unterstützung für das Projekt auf, doch Ankara baute den Damm trotzdem; die Staumauer wurde in diesem Sommer fertig. Der Widerstand der Staudamm-Gegner geht jedoch weiter. An diesem Wochenende gab es in Europa neue Protestaktionen.

Der Ilisu-Damm rund 30 Kilometer nördlich der Grenze zu Syrien ist Teil eines ehrgeizigen Plans zum Bau von insgesamt 22 Staudämmen, mit denen die Türkei im armen Südostanatolien die biblischen Flüsse Euphrat und Tigris aufstauen will. Mit dem Strom aus Wasserkraftwerken und dem aufgestauten Wasser – allein der Ilisu-Stausee soll mehr als zehn Milliarden Kubikmeter fassen – will Ankara die Wirtschaft im Kurdengebiet ankurbeln. In Ilisu kritisieren Staudammgegner die Zwangsumsiedlungen von zehntausenden Menschen und die Zerstörung von uralten Kulturgütern wie in Hasankeyf, das zusammen mit knapp 200 Dörfern und 300 archäologischen Fundstellen geflutet werden soll.

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