Iraks Kurden sehen sich trotz vieler Drohungen kurz vor dem Ziel


Grosse Freude bei den Kurden in der nordirakischen Stadt Kirkuk. (Bild: Epa)
Die Kurden haben alle Warnungen ignoriert und auch in der umstrittenen Erdölstadt Kirkuk über die Unabhängigkeit abgestimmt. An ein böses Erwachen glauben sie nicht.

Von Inga Rogg | Neue Zürcher Zeitung

Schon sein Grossvater, sein Vater haben für die Sache der Kurden gekämpft. Sheikh Jaafer Scheich Mustafa ist seit 48 Jahren Peschmerga, wie die Kurden ihre Kämpfer nennen. Jetzt sieht es sich am Ziel seiner Träume. «Es ist vorbei», sagt er. «Kurdistan wird ein eigener Staat.» Der 69-Jährige mit dem kurzen grauen Stoppelhaar und Schnauzer kommandiert eine 45’000 Mann starke Truppe von Kurden in Kirkuk, dieser zwischen Kurden, Arabern und Turkmenen so heiss begehrten Stadt mit ihren riesigen Ölvorkommen.

Kirkuk gehört bisher nicht zum kurdischen Teilstaat. Geht es nach dem Peschmerga-Veteran wird sich das freilich schon bald ändern. Trotz der Widerstände vonseiten der Regierung in Bagdad und den Warnungen aus dem Ausland fand das Referendum über die Unabhängigkeit von Irakisch-Kurdistan am Montag auch in Kirkuk statt. Der Peschmerga-Veteran hat eben seine Stimme für ein Ja abgegeben. Stolz hält seinen von der Tinte lila gefärbten rechten Zeigefinger in die Luft. «Es gibt keine umstrittenen Gebiete mehr», sagt Scheich Jaafer. «Mit dieser Abstimmung gehört Kirkuk zu Kurdistan.»

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