Soziologie: Die Wissenschaft hinkt der AfD hinterher


„Wahlsieg“ steht auf einem der Transparente während einer Kundgebung der islamfeindlichen Pegida-Bewegung am Montag nach der Bundestagswahl. Betont einmütig feierten Pegida und AfD in Dresden (dpa / picture alliance / Monika Skolimowska)
Der Leipziger Soziologe Holger Lengfeld sieht bei der AfD noch erheblichen Forschungsbedarf. Die Partei gebe es erst seit vier Jahren und die Sozialwissenschaftler kämen angesichts der schnellen Veränderung kaum hinterher.

Holger Lengfeld im Gespräch mit Dieter Kassel | Deutschlandfunk Kultur

„Die Ergebnisse in Ostdeutschland haben auch mich überrascht“, sagte der Soziologe Holger Lengfeld im Deutschlandfunk Kultur über die hohe Zustimmung der Wähler in den neuen Bundesländern für die AfD. Lengfeld widmet sich an der Universität Leipzig der Angstforschung und hatte kürzlich eine Studie  über die AfD verfasst. Seiner Einschätzung nach hätten AfD-Wähler vor allem massive Kritik an der Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. „Wenn es hier einen klaren Angstfaktor gibt, dann ist es aller Voraussicht nach die Angst davor, die eigene Identität, die gemeinsame kulturelle Identität des Deutschseins zu verlieren“, sagte der Soziologe. Es liege ganz am Betrachter, was darunter verstanden werde.

Stabile Befunde brauchen Zeit

Lengfeld räumte ein, dass man in der Forschung noch nicht ausreichend viel über die AfD-Wähler wisse. Es müssten über viele Studien hinweg zunächst stabile Befunde aufgebaut werden. Die AfD gebe es erst seit vier Jahren und sie habe sich seither sehr stark gewandelt. „Die Partei ist in Bewegung, die Zusammensetzung ihrer Wählerschaft wird in Bewegung sein und wir kommen kaum so schnell hinterher herauszufinden, was die Leute denn tatsächlich wollen.“

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