Jihad statt Atatürk


In der Türkei krempelt die AKP-Regierung radikal das Bildungswesen um. Die säkulare Bevölkerung versucht sich dagegen zu wehren – wohl erfolglos.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Nur vier Tage sind verstrichen, bis Recep Tayyip Erdogans Wunsch erhört worden ist. Die Übertrittsprüfung für die Oberstufe gehöre abgeschafft, hatte der türkische Staatspräsident am 15. September in einem Fernsehinterview erklärt. Das Examen setze die Schüler zu stark unter Druck, so die Begründung. Am 19. September meldete Bildungsminister Ismet Yilmaz: Auftrag erfüllt. Die sogenannte TEOG-Prüfung sei gestrichen. Man habe die Kinder wie Rennpferde behandelt, sagte Yilmaz. Er klang wie ein Echo Erdogans.

Das Examen entschied in der Türkei bisher darüber, wer von jährlich rund 1,3 Millionen Kandidaten einen der 400 000 Plätze an einem öffentlichen Gymnasium erhielt. Für leistungsschwächere Schüler, deren Eltern nicht über die finanziellen Mittel für eine Privatschule verfügten, blieb oft nur ein Platz an einer religiösen, sogenannten Imam-Hatip-Schule übrig.

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