Der totgeglaubte Kalif ruft zu Anschlägen auf westliche Medien auf


Al-Bagdadi, Propagandabild, Twitter
IS-Führer Al-Baghdadi konstatiert in seiner Audiobotschaft den geopolitischen Sieg Russlands über die USA und bestärkt seine Anhänger auf ihren verlorenen Posten

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Neue Bewegtbilder vom Kalifen gibt es nicht, nur seine Stimme. Die Experten analysieren nun, ob es wirklich Abū Bakr al-Baghdadi ist, der in einer 46-minütigen Audiobotschaft ein Lebenszeichen sendet, nachdem er im Sommer mehrmals tot geglaubt wurde (siehe: IS-Führer al-Baghdadi soll schon wieder tot sein).

Wie so oft sind amerikanische Journalisten am besten im Zusammenfassen elaborierter Texte: „Endlich bin ich die ganze Rede mit der Hilfe von Übersetzern durchgegangen“, twittert Rukmini Callimachi, IS-Spezialistin bei der New York Times, „die übergreifende Botschaft lautet: Greift den Westen so viel wie möglich an.“

Alles andere wäre wirklich eine Überraschung gewesen. Bagdadi hat in seiner Rückmeldung nach etwa einjähriger Pause, die letzte Audiobotschaft stammt vom November 2016, aber auch eine Drohung an die westlichen Medien gerichtet, die ihm laut Kritiker so manchen Dienst beim „Terror-Reklame-Service“ (vgl. Sloterdijk zur Debattenkultur) erwiesen haben:

Oh ihr Soldaten des Islam, Unterstützer des Kalifats in aller Welt, verstärkt eure Angriffe und schließt die Medienzentren der Ungläubigen und die Hauptquartiere ihres ideologischen Kampfes in eure Ziele mit ein.

Abū Bakr al-Baghdadi. Übersetzung aus einem englischen Exzerpt

Dieser Aufruf des Kalifen Ibrahim erinnert an den Schrecken des Anschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015. Die Erinnerung dürfte einkalkuliert sein. Medien sind ein lohnendes Ziel, weil sie neuralgische Zentren für Stimmungen sind. Wer sich ein Jahr lang Zeit lässt für seine Botschaft, überlegt sich seine Sätze.

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