Wie die Atombombe gegen Contergan blind machte


Die entsetzlichen Folgen des Contergan-Skandals: Rund 10.000 Kinder kamen mit schweren Missbildungen zur Welt Quelle: picture alliance / empics
Als Wundermittel gegen Schlafstörungen gepriesen, kam im Oktober 1957 Contergan auf den Markt. Tausende Neugeborene mit Fehlbildungen waren die Folge. Es dauerte Jahre, bis die Ursache erkannt wurde.

Von Florian Stark | DIE WELT

In der heißen Phase des Kalten Krieges galten Atombomben als ultimative Waffe. Entsprechend häufig demonstrierten die Großmächte ihren Besitz. Allein zwischen 1957 und 1961 testeten die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich sechs Mal ihre nuklearen Potenziale, mindestens. Die Machtdemonstrationen hatten einen dramatischen Nebeneffekt, lenkten sie doch Spezialisten und Öffentlichkeit von der folgenschwersten Arzneimittelkatastrophe des 20. Jahrhunderts ab.

Im Mai 1957 hatte Großbritannien auf der Weihnachtsinsel im Zentralpazifik seine erste Wasserstoffbombe zur Explosion gebracht. Im Juli folgten die USA in Nevada mit einer nuklearen Luft-Luft-Rakete. Im gleichen Jahr, am 1. Oktober, kam in der Bundesrepublik eine Innovation auf den Markt, die den Menschen den Weg in eine wesentlich friedlichere Zukunft eröffnen sollte: das Beruhigungsmittel Contergan.

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