Deutsche Evangelikale


Freie Theologische Hochschule Gießen. Foto. Lizenz: CC BY-SA 4.0
Migranten, deutscher Bible Belt, verzweifelter Kampf um Gewicht im öffentlichen Leben – Ein Interview zum „Handbuch Evangelikalismus“ mit Jens Schlamelcher und Martin Radermacher

Von Ulrike Heitmüller | TELEPOLIS

Der Bielefelder Transcript Verlag hat ein Handbuch Evangelikalismus von Frederik ElwertMartin Radermacher und Jens Schlamelcher veröffentlicht. Die drei Herausgeber arbeiten am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES) der Ruhr-Universität Bochum. Die Autoren sind als Spezialisten an unterschiedlichen Stellen tätig.

Die Begriff „evangelikal“ und „Evangelikalimus“ werden in Wissenschaft und Religion unterschiedlich definiert: Gehören Pfingstler und Chrismatiker dazu? Und Fundamentalisten? Und wie ist es mit denjenigen, die sich selbst als solche bezeichnen? Dementsprechend bewegen sich die Schätzungen zur Anzahl der „Evangelikalen“ in Deutschland – und damit ihrer gesellschaftlichen Bedeutung – zwischen 1,3 Millionen (Evangelische Allianz) und 2,7 Millionen (Gisa Bauer); die Herausgeber des Handbuchs folgen der Einschätzung des Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdiensts REMID e.V., dem auch einer der Herausgeber angehört, von 1,7 Millionen, also etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Sie betrachten Evangelikalismus als „christliche Subkultur“1 und haben, eine gute Idee, die Autoren gebeten, ihren Aufsätzen die jeweils eigene Definition voranzustellen.

Der Verlag sieht das Handbuch als Gesamtüberblick über „eine der am schnellsten wachsenden religiösen Bewegungen weltweit“, die „zunehmend auch im deutschsprachigen Raum an Bedeutung“ gewinne. Selbst wenn man dies als Übertreibung betrachtet, bleibt ein äußerst seriöses Buch, das erste Handbuch in deutscher Sprache über die christlichen Gruppen, die im weitesten Sinne unter dem Begriff „Evangelikalismus“ zusammengefasst werden können.2 Der Band will ein Gesamtbild bieten und einen systematischen Überblick über historische Entwicklungslinien, geographische Besonderheiten und zentrale Themen geben. Zwischen Einleitung und Ausblick erarbeiten Wissenschaftler unter den beiden Oberthemen „Evangelikalismus weltweit“ sowie „Komparativ-Analytische Zugänge“ die Geschichte und globale Ausbreitung evangelikaler Gruppen, stellen diese christlichen Glaubensformen dar und beleuchten Sozialformen sowie Verflechtungen mit gesellschaftlichen Funktionsbereichen wie Wirtschaft, Politik und Wissenschaft.

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