Gebetsteppiche hinter Gitterstäben


Auch Muslime sind beim Beten nicht mehr nur auf die eigene Zelle beschränkt (Bild: Paulus Ponizak)
Seit Anfang Jahr predigen Imame in Berliner Gefängnissen. Sie sollen verhindern, dass sich muslimische Häftlinge radikalisieren.

Von Jenni Roth | Neue Zürcher Zeitung

Die S-Bahn-Haltestelle Beusselstrasse ist der Anfang vom Ende. Stadtödnis. Auf der einen Seite Industriebrachen, auf der anderen, ein Stück die Bundesstrasse entlang, die Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Stacheldraht über hohen Mauern. Vor dem Betonbau steht Imran Sagir, die Hände in den Hosentaschen vergraben, gross, füllig, ein Bär. Er trägt eine Baseballmütze auf dem Kopf, eine Safari-Weste über dem hellblauen Hemd. Slipper an den Füssen. Die kann man leicht an- und ausziehen, das ist praktisch beim Beten. Imran Sagir ist 45, Betriebswirt und Leiter des muslimischen Seelsorge-Telefons in Berlin. Aber heute, am Freitag, ist er Vorbeter in der Haftanstalt.

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Der Polizist am Personaleingang kennt Sagir nicht, er ist neu auf dem Posten. «Ich bin der Imam», sagt Sagir. Imam? Der Polizist guckt ungläubig. Sagir erklärt, wer er ist, gibt Personalausweis und Handy ab. Die Tür öffnet sich mit einem leisen Surren.

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