Vatikan, Rosenkränze und europäischen Konsumentenschutznormen

Die italienische Polizei hat in Rom rund um den Vatikan tausende Rosenkränze und andere Mitbringsel beschlagnahmt. (Symbolbild) © KEYSTONE/EPA/ALI HAIDER
In Andenkengeschäften rund um den Vatikan hat die italienische Polizei gut 700’000 Artikel beschlagnahmt, die nicht den europäischen Konsumentenschutznormen entsprechen. Die Beamten zogen laut Kathpress Artikel im Wert von mehr als 1,5 Millionen Euro aus dem Verkehr.

Aargauer Zeitung

Darunter waren Rosenkränze und Heiligenbilder sowie Mitbringsel wie Magnete, Schlüsselanhänger und Aschenbecher. Die Waren hätten weder hinreichende Angaben über Hersteller und verwendete Materialien noch Hinweise zum Gebrauch oder möglichen Gesundheitsrisiken enthalten.

Drei italienische und ein chinesischer Geschäftsinhaber wurden bei der Handelskammer wegen Verstosses gegen den Konsumentenschutz angezeigt und erhielten Geldstrafen in Höhe von insgesamt 10’000 Euro.

Bedford-Strohms Träume – Luther würde heute twittern

Heinrich Bedford-Strohm (2011). Presseabteilung der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. bearb. bb

„Ich bin sicher, dass Luther heute twittern würde“Bedford-Strohm

Wenn Luther heute leben würde und er, wie von Bedford-Strohm erträumt, twittern würde, gäbe es konsequent zu Ende gedacht die Evangelische Kirche in Deutschland nicht. Luther wäre noch katholischer Mönch oder stände kurz davor wegen Kindesmissbrauch vom Papst exkommuniziert zu werden. Bedford-Strohm wäre nicht evangelischer Landesbischof in Bayern, als katholischer Priester wäre er nicht verheiratet und hätte keine Kinder.
Luther twittert:

„Die Juden sind ein solch verzweifeltes, durchböstes, durchgiftetes Ding, dass sie 1400 Jahre unsere Plage, Pestilenz und alles Unglück gewesen sind und noch sind. Summa, wir haben rechte Teufel an ihnen…; Man sollte ihre Synagogen und Schulen mit Feuer anstecken, … unserem Herrn und der Christenheit zu Ehren, damit Gott sehe, dass wir Christen seien (…) ihre Häuser desgleichen zerbrechen und zerstören.“ (Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen, Tomos 8, S. 88ff)

Selbst mit der aufgehobenen Beschränkung von 140 Zeichen, dafür 280, müsste Luther natürlich in Fortsetzungstweets seine Kommentare posten.
Er twittert weiter:

„Wie es unmöglich ist, dass die Aglaster ihr Hüpfen und Getzen lässt, die Schlange ihr Stechen: so wenig lässt der Jüde von seinem Sinn, Christen umzubringen, wo er nur kann.“ (Martin Luther: Tischreden. Erlanger Ausgabe der Werke Luthers, Bd. 62, S. 375)

„Ich will meinen treuen Rat geben. Erstlich, dass man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke, und was nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. Zum andern, dass man auch ihre Häuser desgleichen zerbreche und zerstöre. Denn sie treiben eben dasselbige darin, was sie in ihren Schulen treiben …“ (Martin Luther: Handbuch der Judenfrage, S. 233-238)

„Der Tod im Kindbett ist nichts weiter als ein Sterben im edlen Werk und Gehorsam Gottes. Ob die Frauen sich aber auch müde und zuletzt tot tragen, das schadet nichts. Lass sie nur tot tragen, sie sind darum da.“ (Martin Luther: Werke. Weimarer Ausgabe, Bd 10/2, Weimar 1907, S. 296)

Also, Luther twittert seinen Antijudaismus, seinen Sexismus, seine Obrigkeitshörigkeit, nach dem II.Weltkrieg und dem Holocaust.

Mit Sicherheit wäre Luther heute ein verurteilter Hassprediger, einer Hetzer im Namen des Herrn. Würde das alles nicht eingetreten sein, so würde er heute am Netzdurchsetzungsgesetz grandios scheitern, selbst Twitter würde ihm die Möglichkeit des Zwitscherns seiner fulminanten Hetze unterbinden.

Die Vorstellungen eines evangelischen Landesbischofs zeigen die realitätsferne und die kognitiven Dissonanzen seiner eigenen kirchlichen Welt.

Peep.

Russischer Geheimdienst hebt IS-Terrorzelle in Moskau aus

Ein Werk der russischen Künstlergruppe Blaue Nasen: Tschetschenische Marilyn
© Blaue Nasen und Tretjakow-Galerie Moskau, Themenbild.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben bei Moskau eine Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgehoben. Die Gruppe habe Anschläge auf die Verkehrsinfrastruktur und Menschenansammlungen geplant, teilte der FSB am Montag mit.

Neue Zürcher Zeitung

Bei Durchsuchungen in der Region Moskau seien alle Mitglieder der Zelle festgenommen worden. Sie wurde den Angaben nach von Ausländern geführt, die russischen Mitglieder stammten aus dem muslimisch geprägten Nordkaukasus. Neben zwei einsatzbereiten Bomben wurden zwei Pistolen, zwei Granaten und Material zur Herstellung von Sprengkörpern sichergestellt.

Seit dem islamistisch motivierten Bombenanschlag auf die U-Bahn von St. Petersburg mit 16 Toten im April suchen die russischen Behörden verstärkt nach potenziellen Terroristen. In Syrien und im Irak kämpfen Tausende Freiwillige aus Russland und Zentralasien für den IS. Russland fürchtet besonders kampferprobte Rückkehrer.

Massaker in Las Vegas: Schütze tötet 50 und verletzt 406 Menschen

Mandala Bay Hotel. Bild (von 2010): Kris1123 / CC BY 3.0
Der 64-jährige Verdächtige, der von einem höhergelegenen Hotelzimmer aus auf Besucher eines Country-Konzerts schoss, soll sich unmittelbar vor dem Polizeizugriff selbst „tödliche Wunden“ zugefügt haben

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Man weiß es längst, die USA haben ein großes Problem mit Gewalt, besonders mit dem Gebrauch von Schusswaffen. Auf spektakulär eindringliche Weise wird dies in Las Vegas erneut vor Augen geführt. Ein 64-Jähriger schoss, vermutlich aus mehreren Waffen, gestern Nacht von einem Hotelzimmer im 32ten Stock aus auf Besucher eines Country-Konzerts auf der anderen Seite des Vegas Strip, der Hauptstraße der Vergnügungsstadt. Am frühen Nachmittag europäischer Zeit berichten Medien von über 50 Toten.

Viele Fragen, angefangen vom Motiv des Schützen, wie er den Massenmord vorbereiten konnte, der mehr Tote verursachte als IS-Anschläge der letzten Zeit, ob er vollständig alleine agierte, über den Ablauf der Schießerei, die Treffsicherheit des Sniper – war er ausgebildet? -, die Entfernung zwischen Hotel und dem Konzert, sind noch offen. Schock und Konfusion, dazu die Eile der Berichterstattung liefern noch ein ziemlich unvollständiges Bild, das nach und nach korrigiert wird.

Zu sehen ist das allein schon daran, dass man anfangs, in den Vormittagsstunden mitteleuropäischer Zeit, noch Berichte über zwei Tote las, während ein Video vom Konzert des Sängers Jason Aldean beim russischen Sender RT (jetzt hier) auf dramatische Weise hören ließ, dass es mehrere und sehr lang anhaltende Serien von Schüssen offensichtlich aus einem Automatikgewehr gab, so dass „nur“ zwei Tote als Bilanz unglaubwürdig erschien und man sich auf Schlimmeres gefasst machen musste.

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Neuronaler Determinismus

Bild: Ben Brahim Mohammed (Creative Commons)
Logische Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz in der Wissenschaft

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Mit der logischen Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz hat die Idee des Determinismus Einzug in die Wissenschaft gehalten. Der Neurodeterminismus (auch: neuronaler Determinismus) besagt, dass alle mentalen Zustände M (insbesondere Willensentscheidungen!) durch neuronale Zustände N vollständig festgelegt sind.

1. Wissenschaftlicher Determinismus

Die Vorstellung von vollständig vorherbestimmten Prozessen hat in der abendländischen Kultur schon viele Ausprägungen erfahren und die unterschiedlichsten Weltbilder erfasst. Ob die Allmacht Gottes, historische Notwendigkeit (strenger Historizismus) oder Naturgesetze als verantwortlich für das determinierte Weltgeschehen angesehen werden, alle Formen des Determinismus sind durch eine zentrale Idee verbunden, die für sämtliche Ausprägungen charakteristisch ist: Jedes Ereignis ist vorherbestimmt!

Die Auffassung des allgemeinen Determinismus kann in folgender Weise formuliert werden: Jeder Zustand eines Systems ist zu jedem Zeitpunkt durch vorherige Systemzustände vollständig festgelegt. Der gegenwärtige Zustand Z1, der den nächsten Zustand Z2 festlegt, ist also selbst durch den vergangenen Zustand Z0 festgelegt (siehe hier: Problem der Letztbegründung). Diese Auffassung duldet keine Ausnahmen.

Sollte sich ein Ereignis finden, das nicht festgelegt ist, muss die Auffassung von einer deterministischen Entwicklung durch die des sog. Indeterminismus ersetzt werden, da nur der Indeterminismus Entwicklungen kennzeichnet, in denen nicht alle Ereignisse festgelegt sind. Daraus folgt: Der Indeterminismus kann mit einer „nur“ nahezu vollständig festgelegten oder ziemlich stark bestimmten Entwicklung verbunden sein, der Determinismus kann dies nicht.

Mit der logischen Verknüpfung von Determinismus und Naturgesetz hat die Idee des Determinismus Einzug in die Wissenschaft gehalten (wissenschaftlicher Determinismus). Die Auffassung, dass der Determinismus die notwendige Folge der Gültigkeit mathematisch formulierbarer Naturgesetze ist, hatte sich zum ersten Mal im Anschluss an die von Isaac Newton gefundenen physikalischen Gesetze herausgebildet. Dieser physikalische Determinismus, der wir auch als den ersten naturgesetzlichen Determinismus bezeichnen können, liegt in der mathematischen Struktur von Differentialgleichungen begründet, in der diese Gesetze formuliert werden. Differentialgleichungen symbolisieren eine Art deterministisches Ideal; mit mathematischer Strenge wird darin vollkommene Festlegung wissenschaftlich formuliert. Newtons Entdeckungen kamen einer Revolution der Naturbetrachtung gleich. Der außergewöhnliche Erfolg der Theorien und ihre technischen Konsequenzen bestärken die Aussicht, dass die gesamte physikalisch erfahrbare Wirklichkeit mit diesen Naturgesetzen vollständig beschrieben werden kann. Und wäre dies der Fall, das schien nur folgerichtig, ist diese Wirklichkeit vorherbestimmt.

Die Situation änderte sich mit der Entdeckung der Quantentheorie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Diese Änderung hatte einen nicht minder revolutionären Charakter als die Entdeckungen Newtons einige hundert Jahre zuvor. Die Physiker begannen sogar den grundlegend anderen Charakter der neuen Theorie in der Sprache kenntlich zu machen, indem sie sämtliche physikalische Theorien wie die newtonsche Mechanik, Elektrodynamik, Thermodynamik, Optik, einschließlich der gerade erst gefundenen speziellen Relativitätstheorie gemeinsam unter dem Begriff „klassische Physik“ zusammenfassten, um sie dadurch von der Quantenphysik zu unterscheiden. Diese Unterscheidung – Quantenphysik und klassische Physik – hat sich bis heute erhalten. Als Konsequenz der Quantentheorie wurde der physikalische Determinismus durch den physikalischen Indeterminismus abgelöst (siehe u. a. Heisenbergsche UnschärferelationKopenhagener Deutung der Quanten-mechanik). Heutige Physiker gehen nicht mehr davon aus, dass die gesamte Entwicklung aller Ereignisse im Universum bereits feststeht.

2. Die neuronale Determinierung

Einige Entwicklungen können aber sehr wohl feststehen – und zwar jene, für die die indeterministische Quantenphysik keine Rolle spielt. Laut einer landläufigen Auffassung sind Quantenphänomene nur bei kleinen und kalten Systemen relevant, und da das Gehirn groß und warm ist, vertreten die meisten Wissenschaftler einen sog. neuronalen Determinismus. Der neuronale Determinismus ist der Auffassung, dass alle mentalen Vorgänge durch neuronale Vorgänge festgelegt bzw. determiniert sind. Genauer: Alle mentale Zuständen – ob bewusst, vor- und unbewusst – sind vollständig und in allen Einzelheiten durch neuronale Prozesse festgelegt. Diese für unser Selbstverständnis als Menschen folgenschwere These ist seit dem ausgehenden zwanzigsten Jahrhundert von etlichen Neurobiologen und Hirnforschern formuliert wurden, wenn auch nicht immer unter ausdrücklicher Verwendung des Namens „neuronaler Determinismus“.

Von seinen Vertretern wird der neuronale Determinismus als unausweichliche Folge naturwissenschaftlicher Erkenntnisse angesehen, als logische Konsequenz neurobiologischer Theorien über Struktur und Funktion der Gehirne und Nervensysteme. Formulierungen wie „mentale Vorgänge beruhen auf neuronalen Prozessen“ oder „mentale Vorgänge gehen aus neuronalen Vorgängen hervor“ oder auch „Gehirnfunktionen liegen mentalen Vorgängen zugrunde“, präzisieren die angenommenen Verknüpfungsverhältnisse freilich noch nicht. Gleichwohl versuchen die Autoren darin schon mehr oder weniger direkt, die vom neuronalen Determinismus angenommene zeitliche und ursächliche Aufeinanderfolge der angenommenen Gehirn-Gehirn-Verbindung auszudrücken: Zuerst findet ein Gehirnvorgang statt, der und nur der einen vollständig festgelegten mentalen Zustand hervorruft. Diese Auffassung soll durch empirische Untersuchungen bestärkt werden.

Mithilfe eines Gedankenexperiments kann das Modell des neuronalen Determinismus veranschaulicht werden: Nehmen wir an, eine Person sitzt allein in einem Raum und spricht nicht. Während einer Minute wird mit den modernsten Apparaturen die Gehirnaktivität der Person gemessen und registriert. Was die Person in dieser Minute fühlt, erinnert, denkt, erlebt – alles, was ihr in dieser Zeit einfällt und durch den Kopf geht, nennen wir die Inhaltes ihres Bewusstseins oder auch mentale Zustände. Es gibt zwei grundlegende Zugänge zu mentalen Zuständen, erstens die subjektiv-qualitative Erlebnisperspektive und zweitens die objektiv-quantifizierbare Perspektive der Wissenschaften. Dem einminütigen Strom des Bewusstseins steht damit ein einminütiger Strom registrierter Gehirnaktivitäten gegenüber. Jetzt zerschneiden wir gedanklich das einminütige bewusste Erleben in Zeitscheiben von jeweils einer Millisekunde Länge und erhalten dadurch sechzigtausend „mentale Zeitscheiben“: M1, M2, …, M60000. Innerhalb jeder Zeitscheibe sind nun die gesamten Inhalte des Bewusstseins dieser Person enthalten, die ihr in dieser Millisekunde „durch den Kopf gegangen“ sind.

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Nobelpreis für Erforschung der Inneren Uhr

Die drei Nobelpreis-Gewinner auf einem Display bei der Pressekonferenz in Stockholm. Foto: afp
In Stockholm werden die diesjährigen Nobelpreisträger bekanntgegeben. Die ersten Auszeichnungen gehen an drei amerikanische Mediziner.

Frankfurter Rundschau

Der Medizin-Nobelpreis 2017 geht an die drei US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für ihre Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert.

„Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young waren in der Lage, einen Blick ins Innere unserer biologischen Uhr zu werfen und ihre Funktionsweise zu beleuchten“, hieß es von der Nobeljury. „Ihre Entdeckungen erklären, wie Pflanzen, Tiere und Menschen ihren biologischen Rhythmus so anpassen, dass er mit dem Tag-Nacht-Rhythmus der Erde übereinstimmt.“

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Erste interkontinentale Quanten-Videokonferenz

Bodenstationen in Östrreich und China haben über den chinesischen Quantensatelliten „Micius“ ihre Kommunikation verschlüsselt. © Johannes Handsteiner/ ÖAW
Orbitale Quantenverschlüsselung: Forscher haben erstmals eine interkontinentale Videokonferenz mittels Quantenkryptografie verschlüsselt. Die als Schlüssel dienenden Photonen wurden dabei vom Quantensatelliten Micius auf die Erde geschickt. Dadurch konnten Forscher in Peking und Wien abhörsicher über zwei Kontinente hinweg kommunizieren. Damit hat das erste orbital-planetare Quantennetzwerk seinen Praxistest bestanden.

scinexx

Die Quantenkryptografie gilt als nahezu abhörsichere Verschlüsselung. Denn sie nutzt für die Übertragung der Schlüssel das quantenphysikalische Phänomen der Verschränkung aus. Dabei sind die Zustände von Photonen so miteinander verkoppelt, dass jede Messung oder Manipulation des einen Lichtteilchens auch das andere verändert – instantan und selbst über gewaltige Entfernungen hinweg.

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Verhüllungsverbot: Arabische Touristinnen in Zell nehmen Schleier ab

Eine Polizeistreife auf Kontrollgang in Zell am See am Sonntag, 1. Oktober. – (c)
Im bei arabischen Gästen beliebten Zell am See ist das „Burkaverbot“ ein besonderes Thema. Die Polizei mahnte am ersten Tag des Verbots nur ab.

Die Presse.com

Wolkenverhangen, verregnet und mit nur mehr wenigen Touristen. So präsentierte sich das bei arabischen Gästen beliebte Zell am See am Sonntag. Wie in ganz Österreich trat auch in der Pinzgauer Bezirkshauptstadt das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz in Kraft. Nach dem Ende der Sommersaison ist der große Touristenansturm vorbei, einige arabische Gäste befinden sich aber noch in der Stadt.

Vollverschleierte Frauen sind dabei wie schon vor Beschluss des Gesetzes in der klaren Minderheit. Bei einem Rundgang durch die Zeller Innenstadt mit einer Polizeistreife trafen die Beamten aber doch auf zwei Touristinnen mit Gesichtsverschleierung. Nach einem kurzen Gespräch nahmen die Touristinnen den Schleier ab. „Die Damen haben sich kooperativ gezeigt und haben die Verhüllung abgenommen. Es ist bei einer Abmahnung geblieben und es wurde keine Strafe eingehoben“, berichtete Martin Waltl, Bezirkspolizeikommandant-Stellvertreter in Zell am See.

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Wer kann die Katalanen jetzt noch einfangen?

Katalonien hat gewählt. 90 Prozent stimmten für die Trennung von Spanien. Mariano Rajoy bleiben jetzt nur noch drastische Schritte wie die Festnahme des katalanischen Regierungschefs. Ausgang ungewiss. Ein Bericht aus Barcelona.

Von Florian Haupt | DIE WELT

„Hola, nou pais“ steht auf der Großleinwand an der Placa de Catalunya: „Hallo, neues Land“. Gegen 22.30 Uhr weicht das Standbild einer Schalte in den gotischen Saal des Palau de la Generalitat, dem Regierungsgebäude, wo Präsident Carles Puigdemont sein Kabinett um sich gescharrt hat und jetzt eine Staatsansprache hält. „Mit diesem Tag der Hoffnung und des Leidens“, findet Puigdemont, „hat Katalonien das Recht gewonnen, ein unabhängiger Staat zu sein.“

In diesem Moment meint der 54-jährige Ex-Bürgermeister von Girona das noch eher symbolisch: dass Millionen Katalanen trotz widrigster Umstände, miesem Wetter, konfiszierten Wahlurnen und teils brutaler Polizeigewalt stundenlang und friedlich angestanden hatten, um in dem umstrittenen Referendum über die Unabhängigkeit von Spanien abzustimmen – das kann ihnen keiner mehr nehmen.

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Ägypten: Festnahmen wegen Regenbogenflagge

Die Regenbogenfahne ist weltweites Symbol der LSBTTIQ-Bewegung. Foto: dpa
Ägyptens Justiz macht 17 Männern wegen ihrer Homosexualität den Prozess. Einige von ihnen waren festgenommen worden, als sie auf einem Konzert die Regenbogenflagge schwenkten.

Frankfurter Rundschau

In Ägypten stehen seit Sonntag 17 Männer wegen Homosexualität vor Gericht. In der Anhörung hinter verschlossenen Türen vor einem Richter in Kairo sei ihnen „Unzucht“ und „Anstiftung zur Unzucht“ vorgeworfen worden, erklärte die Justiz. Sechs der Verdächtigen waren im vergangenen Monat festgenommen worden, nachdem sie bei einem Popkonzert in Kairo die Regenbogenflagge – ein internationales Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung – geschwenkt hatten.

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NORDRHEIN-WESTFALEN: Migranten sollen Integration durch Namensänderung verfestigen

Standesamt © Zeitfixierer auf flickr.com (CC 2.0) bearb. MiG
Einwanderer mit komplizierten Namen sollen in Zukunft ihren Namen unter vereinfachten Bedingungen ändern können, um ihre Integration zu verfestigen. Das möchte die nordrhein-westfälische Landesregierung über eine Bundesratsinitiative erreichen. Verankert waren die Pläne bereits im schwarz-gelben Koalitionsvertrag.

MiGAZIN

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will sich für eine Änderung des Namensrechts stark machen. Künftig solle es leichter möglich sein, dass auch Kinder den möglichen Doppelnamen ihrer Eltern tragen, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP) der Rheinischen Post. Bislang dürfen aus der Ehe hervorgegangene Kinder einen solchen Doppelnamen nicht übernehmen. Ketten mit mehr als zwei Nachnamen sollen aber weiterhin verboten bleiben.

Nach den Vorstellungen der schwarz-gelben Landesregierung sollte es zudem einfacher werden, den Nachnamen zu ändern. „Von einer Vereinfachung des Namensrechtes können unter anderem Menschen profitieren, deren Name Anlass für Spott bietet“, sagte Stamp der Zeitung. Auch Einwanderer mit komplizierten Nachnamen sowie Menschen nach einer Geschlechtsumwandlung könnten von einer solchen Reform profitieren. In den USA sei es längst Praxis, dass aus „Herrn Schmidt“ etwa „Mister Smith“ werde.

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Diesem Vormenschen verdanken wir Genitalherpes

Der Vormenschen-Vetter Paranthropus boisei brachte wahrscheinlich das HSV-2-Virus in unsere Ahnenlinie. © Louise Walsh / CDC
Prähistorische Infektion: Fast wäre die Menschheit um den lästigen Genitalherpes herumgekommen. Doch dann passierte das Missgeschick: Vor rund zwei Millionen Jahren steckte sich der Hominine Paranthropus boisei beim Verzehr von Schimpansenfleisch mit dem Herpes-Virus an. Kurze Zeit später gab er den Erreger an unseren Vorfahren, den Homo erectus, weiter. Dieses Szenario haben Forscher anhand von genetischen und epidemiologischen Analysen rekonstruiert.

scinexx

Während das Herpes-simplex-Virus 1 (HSV-1) bei uns die lästigen Lippenbläschen auslöst, befällt HSV-2 die Schleimhäute der Genitalregionen und verursacht den Genitalherpes. Beide Herpes-Viren aber sind ebenso hartnäckig wie ansteckend: Hat man sich einmal infiziert, wird man diese Erreger nicht mehr los – und das galt schon für unsere Vorfahren. Forscher gehen davon aus, dass wir HSV-1 schon von unseren äffischen Vorfahren geerbt haben.

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Hat Erdogan die Wahl in Deutschland gewonnen?

Bild: FAZ.net
Friede den Zahnbürsten, Krieg den Damenhosen: Die Türkei stellt sich der Schlacht an vielen Fronten. Und sie hat die Bundestagswahl genau beobachtet.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Wahlen irgendwo auf der Welt, außer in den Vereinigten Staaten, beschäftigen den Normalbürger in der Türkei kaum. Keine Wahl in Deutschland haben wir je so aufmerksam verfolgt wie die vom letzten Sonntag. Sicher, Deutschland interessierte uns schon immer stärker als andere Länder in Europa. Die jüngsten Wahlen beobachteten wir allerdings fast noch aufmerksamer als die in Amerika. Aufgrund der Spannungen zwischen beiden Ländern insbesondere im Laufe des vergangenen Jahres lag unser Augenmerk auf den Veränderungen in Berlin hinsichtlich potentieller Folgen für die Zukunft der Türkei.

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Zur türkischen Fassung der Kolumne
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Keine antisemitische Gruppen in Saalbauten

BDS-Konferenz im Ökohaus am Westbahnhof im Juni 2017: Ist die Anti-Israel-Bewegung antisemitisch? Foto: Peter Jülich
ABG-Chef Junker begrüßt den Beschluss zur Israel-Boykott-Bewegung BDS in Frankfurt und betont, Saalbauten würden generell nicht an rassistische oder antisemitische Gruppen vermietet.

Von Marie-Sophie Adeoso | Frankfurter Rundschau

Die Bildungsstätte Anne Frank begrüßt die Entscheidung der Stadtverordneten, künftig keine städtischen Räume an die Israel-Boykott-Bewegung BDS zu vergeben. „Damit sendet Frankfurt ein starkes Signal gegen Judenhass und israelbezogenen Antisemitismus“, teilte Direktor Meron Mendel mit. „Israelbezogener Antisemitismus ist keine Meinung“, betonte Mendel mit Bezug auf BDS-Sympathisanten, die durch die Entscheidung der Stadt die Meinungsfreiheit gefährdet sehen.

Die internationale Bewegung „Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen“ ruft zum Boykott israelischer Waren und Dienstleistungen auf, um den Staat Israel wirtschaftlich, politisch und kulturell zu isolieren.

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Papst fordert humanitäre Korridore für Migranten

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Papst Franziskus hat angesichts der lebensgefährlichen Umstände von Migration nach Europa humanitäre Korridore gefordert. „Mancher ist nicht angekommen, weil er von der Wüste oder vom Meer verschluckt wurde“, sagte er am Sonntag bei einem Besuch in einem Flüchtlingslager im italienischen Bologna. Gemeinsam mit den Flüchtlingen hielt Franziskus eine Schweigeminute ab für die in der Sahara und auf dem Mittelmeer ums Leben gekommenen Menschen.

evangelisch.de

Bei der Begegnung mit den 1.000 Bewohnern des Aufnahmezentrums beklagte das Kirchenoberhaupt die ablehnende Haltung der Bevölkerung in zahlreichen Ländern. „Viele kennen euch nicht und haben Angst“, sagte der Papst. Nur Nähe und gegenseitiges Kennenlernen könnten Vorurteile überwinden.

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Madrid gegen Barcelona: Die schlechteste Reaktion

Nicht die Abtrennung von Spanien ist es, die sich die Katalanen sehnlich wünschen, sondern das Recht, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen 

Von Anna Giulia Fink | derStandard.at

So spektakulär wie Spaniens Regierungschef Mariano Rajoy muss man erst einmal damit scheitern, die Schwachstellen der Gegenseite auszunützen. Die längste Zeit fiel der Drang der Katalanen nach der Abspaltung derart gering aus, dass er aus Madrider Sicht ignoriert werden konnte. Er wuchs proportional mit der Unerbittlichkeit der Zentralregierung, die die Katalanen nicht beachtet hat, als diese noch das konstruktive Gespräch suchten. Und nun scheint für moderate Kräfte kein Platz mehr.

Zuerst hat Spaniens Premier einen rechtlichen Feldzug gegen die Separatisten gestartet. Dann hat er ihnen mit der Entsendung von Paramilitärs, die am Tag der Wahl wie fremde Besatzungsmächte überbordend aggressiv vorgingen, wertvolle Munition geliefert. Die Bilder wecken Erinnerungen an eine Diktatur, deren Ende nicht lange zurückliegt und zu der Rajoys Gegner nun Parallelen zu ziehen versuchen. Hunderte Verletzte bei einer Demonstration mitten in Europa sind eine Schande für Spaniens Regierung.

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Erdogan „Wir brauchen die EU-Mitgliedschaft nicht mehr“ – aber Euer Geld

Bild: Magazin „The Economist“
EU-Mitgliedschaft? Brauche die Türkei nicht mehr, sagt Präsident Erdogan. An den Beitrittsverhandlungen will er allerdings trotzdem festhalten.

SpON

Die Türkei ist nach Worten von Präsident Recep Tayyip Erdogan nicht mehr auf eine Mitgliedschaft in der Europäischen Union angewiesen. „Um ehrlich zu sein: Wir brauchen die EU-Mitgliedschaft nicht mehr“, sagte Erdogan laut der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vor dem Parlament. Sein Land werde aber nicht die Seite sein, die die Beitrittsverhandlungen einseitig beende.

Wie die staatliche Agentur Anadolu berichtet, appellierte Erdogan weiter an die EU, sein Land aufzunehmen. Die Türkei werde mit Freude einen Beitrag zur Zukunft Europas leisten.

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Austria: Verhüllungsverbot – Drei Clowns bei Demo angezeigt

Reuters
Der „traditionelle Clownspaziergang“ endete für einige Teilnehmer mit Verwarnungen oder Anzeigen.

Die Presse.com

Das heute, Sonntag, in Kraft getretene Gesichtsverhüllungsverbot hat schon zu ersten Anzeigen geführt. Angezeigt wurden allerdings nicht konservativ verhüllte Musliminnen, sondern Clowns – bei dem aus Protest gegen das „Burka-Verbot“ organisierten „Traditionellen Clownspaziergang“ vor dem Parlament. Drei maskierte Teilnehmer wurden nach dem Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz angezeigt.

Außerdem erteilte die Polizei laut einer Aussendung 46 Demoteilnehmern Abmahnungen, auch ein Organmandat wurde ausgestellt.

Das Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz (abgekürzt AGesVG) verbietet nicht nur die konservativ-islamische Gesichtsschleier, sondern auch das Tragen von Staubschutzmasken, Sturmhauben, Clown- oder Krampusmasken in der Öffentlichkeit – außer bei Traditionsveranstaltungen im Fasching bzw. Advent oder wenn die Verhüllung beruflich nötig ist, etwa bei Handwerkern, Medizinern oder Clowns.

Luthers Einfluss auf die deutsche Kultur ist enorm

Martin Luthers Einfluss auf die deutsche Kultur darf nach Ansicht des Bischofs der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, nicht unterschätzt werden. Die Wirkung seiner Bibelübersetzung sowie des Katechismus‘ und der Gesangbuchlieder halte bis heute an, sagte July am Freitagabend im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

evangelisch.de

Luthers Wunsch, dass alle Menschen die Bibel lesen können, habe eine Bildungsbewegung angestoßen. Allerdings müsse man sich an den Ecken und Kanten des Reformators und seiner spätmittelalterlichen Prägung abarbeiten. „Ich beneide Luther um die Kräftigkeit seiner Worte, aber nicht um seine Entgleisungen“, sagte July. Heutzutage stehe Luther für Freiheit, die allerdings immer mit Gott verbunden sei, der Freiheit schenkt, und nicht mit dem autonomen Freiheitsbegriff der Neuzeit verwechselt werden dürfe.

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Sniping at Erdogan, Netanyahu says Israel not involved in Kurdish vote

Prime Minister Benjamin Netanyahu attends the weekly cabinet meeting at his office in Jerusalem, October 1, 2017. (AFP/POOL/Sebastian Scheiner)
Prime minister accuses Turkish president of seeing Mossad’s hand in every uncomfortable scenario, says Israel sympathetic to Kurds

By Stuart Winer | The Times of Israel

Prime Minister Benjamin Netanyahu on Sunday rejected claims that Israel was in any way involved in a recent Iraqi Kurdish referendum on independence and took a shot at Turkish President Reccyp Erdogan for blaming Mossad meddling for every tricky situation Turkey faces.

Speaking before the weekly cabinet meeting in the Prime Minister’s Office in Jerusalem, Netanyahu appeared to be responding to Erdogan the day after the Turkish leader said that Israel’s spy agency played a role in Iraqi Kurdistan’s independence vote, proved by the waving of Israeli flags during celebrations of the overwhelming yes vote.

“I understand why those who support Hamas want to see the Mossad in every uncomfortable place, but Israel had no part in the referendum of the Kurdish people, apart from the deep, natural, longstanding sympathy of the people of Israel for the Kurdish people and their yearnings,” Netanyahu said.

This is the second time Netanyahu has used Turkish anger over the Kurdish referendum to swipe at Erdogan’s support for Hamas.

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