Die Unheiligen der Letzten Tage


Ein Steinhügel erinnert heute als Mahnmal an den Massenmord von Mountain Meadows. oto: wikimedia/mangoman88
Im September 1857 ermordete eine Mormonen-Miliz mehr als 120 Siedler eines Wagenzugs. Auch 160 Jahre später ist die Verantwortung für das Massaker nicht endgültig geklärt

Von Michael Vosatka | derStandard.at

Es war eine außergewöhnliche Begräbnisfeier, die am 9. September in Mountain Meadows im Süden des US-Bundesstaates Utah abgehalten wurde.

Statt eines Sarges wurde nur eine schlichte Holzschatulle beigesetzt – diese enthält den Schädel eines unter zehn Jahre alten Kindes. Es handelt sich um den letzten Überrest eines Massenmordes: vor 160 Jahren, am 11. September 1857, massakrierte eine Mormonen-Miliz zwischen 120 und 140 Angehörige eines Siedlertrecks. Das Massaker von Mountain Meadows ist eines der blutigsten Gewaltverbrechen der US-Geschichte – und dennoch sind die Ereignisse nur wenigen bekannt.

Erst in den jüngsten zwei Jahrzehnten hat die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“, wie sich die Mormonen nennen, mit der Aufarbeitung ihrer unheiligen Geschichte begonnen – nach eineinhalb Jahrhunderten des Leugnens und Ignorierens. Zu der Beisetzung versammelten sich nun die Nachfahren der Opfer und der Täter zum gemeinsamen Gedenken.

weiterlesen