Wiener Schulversuch Ethik: Moraltest statt Religion


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Im Gymnasium in der Anton-Baumgartner-Straße in Wien müssen „Religionsabmelder“ in den Ethikunterricht. Dort wird nicht über Gott gesprochen, sondern über Moral

Von Marija Barišić | derStandard.at

Mittwoch, 12 Uhr im Gymnasium Anton-Baumgartner-Straße im 23. Wiener Bezirk. Für die Schülerinnen und Schüler der 6a und 6c steht heute ein „Moraltest“ auf dem Programm. Lehrerin Anita Kitzberger gibt ihnen zehn Minuten Zeit, um über die angeführten Aufgabenstellungen nachzudenken: „Auf dem Nachhauseweg vom Supermarkt bemerkst du, dass man dir zehn Euro zu viel herausgegeben hat“, „Du bist spät dran für eine wichtige Prüfung, als du am Weg einen Mann siehst, der reglos am Gehsteig liegt“. Die Frage lautet immer: Was machst du? A) Ich drehe um und gebe das Geld zurück. B) Ich gehe nach Hause. A) Ich frage, ob der Mann Hilfe braucht. B) Ich gehe weiter.

Langsam legt sich Ruhe über die Köpfe der 15- und 16-Jährigen. Zwei Mädchen stecken die Köpfe zusammen und beginnen zu tuscheln. „Jeder überlegt einmal für sich eine Entscheidung und Begründung, dann besprechen wir das zusammen“, sagt Kitzberger, während sie den beiden Mädchen einen prüfenden Blick zuwirft.

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