„In dieser Region lag einst die Wiege der Zivilisation“


Die Wüste setzt den Bauwerken in Meroe stark zu. Der Wind bläst kontinuierlich Sand über die Kanten der Pyramiden und schleift sie ab. (Foto: Ashraf Shazly/AFP)
Archäologen restaurieren die Stätten von Meroe – einst das Herz eines riesigen antiken Reiches im Sudan. Wer heute den Ort besucht, braucht Fantasie, um sich die Pracht und die technische Raffinesse vorzustellen.

Von Hubert Filser | Süddeutsche.de

Zwischen bläulich-grün schimmernden Keramiktafeln, knallbunten Wandmalereien, Tierfiguren und einem Musiker mit Panflöte strömt das vorgewärmte Wasser über fünf Wasserspeier direkt in das große Becken. In dessen Mitte ragt eine Säule empor, aus der Wasser senkrecht in die Höhe schießt und dann in einem Bogen auf die Wasseroberfläche des 2,40 Meter tiefen, von Säulen umgebenen und von einer Philosophenstatue bewachten, quadratischen Beckens plätschert.

In dieser antiken Wellnessoase war einiges raffiniert und zugleich prächtig angelegt. Das ist einerseits erstaunlich für ein Bad am Rand der Wüste, andererseits auch wieder nicht, schließlich war es einst das Bad der Könige von Meroe, gelegen am Ostufer des Nil im Sudan, etwa 200 Kilometer nördlich vom Zusammenfluss des Weißen und Blauen Nil. Wer heute den Ort besucht, braucht Fantasie, um sich die Pracht und die technische Raffinesse der Druckwasserleitung in der Säule vorzustellen, denn die Überreste liegen hinter brüchigen Steinmauern im Wüstensand.

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