Keine Moral ohne Gott


Atheisten halten Moral für Menschenwerk. Ihnen genügt es, an der bloßen Moral festzuhalten. Doch diese erweist sich schnell als Täuschung, wird sie nicht in Bezug auf Gott begründet.

Von Engelbert Recktenwald | Die Tagespost

„Ist ohne Gott die Moral eine Illusion?“ Von Atheisten bekommt man auf diese Frage zwei gegensätzliche Antworten. Die einen brüsten sich damit, moralische Werte, die uns wirklich binden, als Illusion zu entlarven. Sie halten sie zum Beispiel für ein Produkt der Evolution. So schreiben etwa der Biologe E. O. Wilson (Begründer der Soziobiologie) und der Philosoph Michael Ruse in einem gemeinsamen Artikel: „Was wir unter Moral verstehen, ist eine Illusion, die uns unsere Gene vorgaukeln, damit wir kooperieren.“ Andere halten sie für eine Erfindung der Menschen. „Die Moral ist Menschenwerk“, schreibt der Atheist und Buchautor Andreas Müller, der sich ganz der atheistischen „Aufklärung“ verschrieben hat. Seit Nietzsche ist es eine beliebte Methode, der Moral den Zahn zu ziehen durch die Aufdeckung ihrer Genealogie, also ihrer geschichtlichen Entwicklung und Bedingtheit. Die moralischen Normen werden dadurch ihres Nimbus einer uns tatsächlich im Gewissen bindenden Geltung beraubt. Sigmund Freud hat dasselbe auf seine Weise getan: In tiefenpsychologischer Sicht ist das Gewissen mit seinen Geboten und Verboten als Über-Ich ein Produkt der Erziehung. All diesen Versuchen der Moraldestruktion ist der Gestus der Aufklärung gemeinsam.

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