Robert Spaemann: „In der Nazi-Zeit war es einfacher ein gläubiger Christ zu sein als heute“


Der Philosoph Robert Spaemann hat seine Kritik an Amoris laetitia in einem auf der englischsprachigen Internetseite One Peter Five erschienenen Interview mit der Journalistin Maike Hickson bekräftigt.

Von Sebastian Krockenberger | Die Tagespost

Spaemann zeigte sich schockiert über die Entlassung des Philosophen Josef Seifert. Wie Spaemann kritisiert dieser das päpstliche Schreiben Amoris Laetitia. Erzbischof Martínez von Granada hatte Seifert von seinem Lehrauftrag an einem Philosophie-Institut der Diözese mit der Begründung entbunden, ein einschlägiger Artikel Seiferts würde „die Gemeinschaft der Kirche beschädigen, den Glauben der Gläubigen verwirren und Misstrauen gegenüber dem Nachfolger Petri säen“.

„Die Einheit der Kirche beruht auf der Wahrheit“, erklärte Spaemann. Für einen Professor mit kirchlichem Lehrauftrag gelte: „Solange seine Philosophie nicht im Widerspruch zur Lehre der Kirche steht, besteht ein weites Feld für seine Lehre.“ Das Mittelalter mit seinen lebendigen und tiefen geistigen Auseinandersetzungen ist für Spaemann vorbildhaft. „In diesen Debatten zählte das Argument, nicht die Entscheidung einer Autorität.“ Niemandem sei es damals in den Sinn gekommen, zu fragen, ob eine philosophische Idee in Übereinstimmung mit der Meinung des jeweils regierenden Papstes gewesen sei. Die jetzige Entscheidung des Erzbischofs von Granada ist für Spaemann „unvereinbar mit dem Respekt vor akademischer Freiheit“.

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