Nietzsche und der Nazarener

Jesus von Nazareth ist die heilige Kuh des christlich geprägten Abendlandes, an die sich kaum einer herantraut.

Von Jürgen Fritz | Richard-Dawkins-Foundation

Einer, der sich traute, war Friedrich Nietzsche. Auch wenn ich kein großer Freund dessen Denken bin, aber müssen wir den Nazarener, dessen Lehre uns so viele Probleme einbrockte, insbesondere die fehlende Wehrhaftigkeit, die fehlende Fähigkeit zur Abgrenzung, dessen Lehre uns in immerwährender Infantilität und Unmündigkeit hält und damit unsere Selbstbestimmungsfähigkeit und unsere Würde untergräbt, nicht endlich vom Sockel stoßen und ihn einer substanziellen Kritik unterziehen, wenn wir uns als Menschheit weiterentwickeln, wenn wir endlich erwachsen werden, wenn wir endlich mündige, würdige Wesen werden wollen?

Der dichtende Denker, der eigentlich ein unerschrockener, denkender Dichter war

Friedrich Nietzsche wird gemeinhin als Denker, als Philosoph angesehen, der zugleich ein großartiger Dichter gewesen wäre, der größte Dichter unter den Denkern seit Platon. Ich bin kein sehr guter Nietzsche-Kenner, habe ihn nie wirklich intensiv studiert, weil er mich nicht genug anzuziehen vermochte, um mich ganz intensiv mit ihm zu befassen. Und ich bin gar nicht sicher, ob ich Nietzsche überhaupt als Philosophen rubrizieren würde. Dazu ist mir persönlich sein Denken viel zu unpräzise. Meistens liegt er nicht richtig, hat für meinen Geschmack viel zu wenig Stringenz.

Seine große Leistung besteht meines Erachtens in etwas anderem. Ich sehe in ihm eher einen großartigen, wortgewaltigen Dichter, der keine inhaltlich simplen Liebes- oder Frühlingsgedichte schrieb, sondern sich mit philosophischen Themen beschäftigte und der vor allem ein unglaubliches Gespür, eine Intuition für die Verlogenheit der Menschen hatte. Und er hatte Mut, einen unglaublichen Mut, ja noch mehr als das: Unerschrockenheit. Er hatte keine Hemmungen, heilige Kühe anzupacken, sie zu melken, um zu sehen, ob da überhaupt Milch kommt und wenn ja, ob und wie viel diese taugt.

Jesus – ein Idiot ober einfach nur geistig ein Teenager, der unsere Infantilität für immer manifestierte?

Den Nazarener nannte Nietzsche einen Idioten. Auch hier scheint mir der denkende Dichter wieder unpräzise zu sein – das sind Dichter immer, genau das macht ihr Wesen gerade aus. Aber das Wichtige ist auch hier etwas anderes. Nietzsche wagte, was die seit fast zweitausend Jahren zurechtgestutzten, klein gehaltenen Seelen fast nie wagen: er nahm den Nazarener in die Mangel. Er machte etwas, wozu sonst kaum einer imstande ist respektive sich die allerwenigsten nur trauen: Er kritisierte den, der in unserem Kulturkreis nicht kritisiert werden darf. Damit war Nietzsche in all seiner Verrücktheit, in all seiner Überdrehtheit eines vor allem nicht: Er war kein geistiges Kind. Er war ein Erwachsener. Er war ein Mann. Ein richtiger Mann. Kein Bub. Kein Teenager.

Solange wir unsere heiligen Kühe nicht kritisieren, sie nicht dialektisch beleuchten – a) was haben sie geleistet, wo haben sie uns vorangebracht, welchen Beitrag zur Weiterentwicklung haben sie vollbracht und b) wo haben sie ihre Schwächen, wo haben sie versagt, wo bremsen sie uns -, solange wir das nicht tun, bleiben wir geistige Kinder, sind noch keine Erwachsenen.

weiterlesen

Islamwissenschaftler schlägt 40 Thesen zur Islam-Reform an Berliner Moscheetür

Abdel Hakim Ourghi, Bild: picture alliance/dpa
Nur ein reformierter Islam gehört zu Deutschland, sagt Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi. Er schlug nun 40 Thesen zur Reform des Islam an die Tür der Dar-Assalam-Moschee.

BZ

Ein Martin Luther des Islam? Im Jahr des 500. Reformationsjubiläums hat der Freiburger Islamwissenschaftler und Religionspädagoge Abdel-Hakim Ourghi in Berlin 40 Thesen zur Reform des Islam an eine Moscheetür geschlagen. Ourghi heftete am Samstagmorgen seine Thesen zu einem humanistischen, friedfertigen Islam an die Tür der als salafistisch geltenden und vom Verfassungsschutz beobachteten Dar-Assalam-Moschee („Neuköllner Begegnungsstätte”). Der Mitbegründer der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee hatte am Vortag sein Buch „Reform des Islam. 40 Thesen” vorgestellt.

Bei der Buchpräsentation am Freitagabend in Berlin betonte Ourghi: „Nur ein reformierter Islam gehört zu Deutschland.” Es brauche eine ehrliche Debatte über aus dem Koran begründete Gewalt, die Unterdrückung von Frauen oder die Ausgrenzung und Verfolgung Andersdenkender im Namen der Religion: „Wir müssen auch über die dunklen Seiten des Islam reden.”

weiterlesen

Mittelamerikanische Gangs: Teufelsgruß und Jungfrau Maria

foto: reuters/jose cabezas Gang-Mitglieder im Gefängnis
Mittelamerika wird von Maras, mafiösen Jugend-Gangs, beherrscht. Welche Rolle spielen Tattoos im Banden-Krieg?

Von Klaus Brunner | derStandard.at

Sie stechen ins Auge, die Fotos der Maras. Zigtausende Jugendliche haben sich, ihr Leben und ihre Haut, den Gangs in Mittelamerika und Mexiko verschrieben.

Tätowierte Tränen unter den Augen stehen für begangene Morde oder gefallene Kameraden, meist Männer. Die Zahlen 13 und 18 sind der in Mittelamerika aktiven „Mara Salvatrucha 13“ bzw. der Bande „Barrio 18“ zuzuordnen, „La Vida loca“ steht für das verrückte Leben als Verbrecher. Die Haut der Mitglieder der Mara Salvatrucha ziert meist eine Hand mit Teufelsgruß und satanische Symbolik. In ihr Weltbild passen auch betende Hände und ein Rosenkranz.

Barrio 18 wiederum verweist mit dem in Mexiko hochverehrten Bildnis der Jungfrau von Guadalupe auf die Herkunft der Bande. Spinnennetze stehen für die Isolation im Gefängnis, Billardkugeln symbolisieren das Spiel des Lebens und Ortsnamen repräsentieren regionale Untergruppen, die so genannten Clicas. Es ist eine Wissenschaft, das System aus Zahlen, Symbolen, Maya-Schriftzeichen und englisch-spanischen Wortmischungen zu entziffern. Jorge Peña (Namen aus Sicherheitsgründen geändert) ist Kryptologe und bei den salvadorianischen Sicherheitskräften für die Entschlüsselung von Mara-Symbolik zuständig.

weiterlesen

Türkei erhöht Militärpräsenz an Grenze zu Syrien

Das türkische Militär hat seine Präsenz an der Grenze zu Syrien erhöht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einer „ernsthaften Operation“ zur Rückeroberung der syrischen Rebellenprovinz Idlib. 

Frankfurter Rundschau

Kommandoeinheiten, gepanzerte Fahrzeuge und Rettungswagen seien in Stellung gebracht worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Von der Türkei unterstützte syrische Rebellen berichteten in den sozialen Netzwerken davon, sich auf eine gemeinsame Aktion vorzubereiten.

Jüdische Dachverbände sehen AfD und Front National als Gefahr

Die Dachverbände der Juden in Deutschland und Frankreich haben AfD und Front National als Bedrohung des jüdischen Lebens bezeichnet.

derStandard.at

Die seit Jahrzehnten gepflegte Tradition, Kontakt zu allen Parlamentsparteien zu halten, lasse sich deshalb nicht fortführen, schreiben die Vorsitzenden, Josef Schuster und Francis Kalifat, in einem gemeinsamen Beitrag für die „Welt“ und „Le Figaro“ (Samstag).

„Wir schätzen politischen Pluralismus in der Demokratie. Gerade deshalb sehen wir keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit mit der AfD oder dem Front National“, betonten die beiden.

Nazi-Sprech und Kippa-Verbot

In Deutschland scheuten einzelne AfD-Politiker nicht vor einem Sprachgebrauch aus der Nazi-Zeit zurück, wenn sie etwa von „Umvolkung“ redeten oder forderten, die Vokabel „völkisch“ wieder positiv zu besetzen, heißt es in dem Beitrag. In Frankreich stellten die Rechtsextremisten jüdisches Leben infrage, indem sie davon sprächen, das Tragen der Kippa in der Öffentlichkeit und das Schächten zu verbieten.

weiterlesen

Trump-Regierung streicht Kostenübernahme für Antibabypille – kauft Waffen

Die US-Regierung will mit der Klausel die „moralischen Überzeugungen von bestimmten Institutionen und Individuen schützen“.

Die Presse.com

Keine Kostenübernahme mehr für die Antibabypille: Die Regierung von US-Präsent Donald Trump hat eine entsprechende Leistungspflicht aus der Gesundheitsreform von Trumps Vorgänger Barack Obama gestrichen. Wie es am Freitag in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums in Washington hieß, sind sämtliche Arbeitgeber des Privatsektors künftig nicht mehr dazu verpflichtet, einen Krankenversicherungsschutz anzubieten, welcher die Pille und andere Verhütungsmittel einschließt.

Die Streichung dieser Klausel solle die „moralischen Überzeugungen von bestimmten Institutionen und Individuen schützen“, erklärte das Ministerium. Die potenziellen Folgen sind weitreichend und betreffen Millionen von Bürgern: Rund die Hälfte der US-Bevölkerung bezieht ihre Krankenversicherung über den Arbeitgeber.

weiterlesen

„Deutsche Lesekultur ist eine Errungenschaft der Reformation“ – Bullshistic

Johann Hinrich Claussen (Oktober 2014). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de – Michael Lucan

EKD-Kulturbeauftragter Claussen regt „Entschleunigung“ beim Lesen an.

Interview Renate Kortheuer-Schüring | evangelisch.de

Die Lesekultur in Deutschland geht nach Auffassung des Theologen und Kulturexperten Johann Hinrich Claussen im Wesentlichen auf die Reformation zurück. „Auch wenn sich konfessionelle Prägungen heute verflüchtigt haben, ist doch eine der großen kulturellen Errungenschaften des Protestantismus und der Reformation, das Lesen zu einer fast religiösen Tätigkeit zu machen“, sagte der kirchliche Kulturbeauftragte dem Evangelischen Pressedienst wenige Tage vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, der weltweit größten Fachmesse für Literatur.

Das Christenleben erfülle sich seither nicht nur in kirchlichen Ritualen, sondern auch im Häuslichen, Privaten und im gemeinschaftlichen oder individuellen Lesen von Texten, sagte der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zunächst sei es um Bibel, Gesangbuch und Erbauungsliteratur gegangen, später habe sich das Lesen „säkularisiert“. Im lutherischen Bildungsverständnis erfahre es eine besondere Wertschätzung; das Lesen sei mehr als eine Kulturtechnik, nämlich eine „Erfüllung des Eigenen“. „Lesen ist ja ein hochkreativer Akt“, so Claussen.

weiterlesen

Türkischer Außenminister will Beziehung zu Deutschland normalisieren

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu richtet versöhnliche Töne an Berlin. (Foto: REUTERS)
  • Der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu spricht sich für eine Normalisierung der angespannten Beziehungen zu Deutschland aus.
  • „Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei“, sagte er in einem Interview mit dem Spiegel.
  • Nach Monaten harscher Töne aus Ankara hatte sich vor einer Woche bereits der türkische Ministerpräsident Yıldırım ähnlich versöhnlich geäußert.

Süddeutsche.de

Nazi-Vergleiche, Einmischung in den deutschen Wahlkampf und zuletzt noch eine Warnung vor Reisen nach Deutschland – in den vergangenen Monaten hatte die Regierung in Ankara schärfste Töne nach Berlin gerichtet. Nun sind wieder gemäßigtere Töne zu vernehmen.

Nach dem türkischen Ministerpräsidenten Binali Yıldırım hat sich auch Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu für eine Normalisierung der angespannten Beziehungen zu Deutschland ausgesprochen. „Es gibt keinen Grund für Probleme zwischen Deutschland und der Türkei“, sagte Çavuşoğlu in einem Interview mit dem Spiegel. „Wenn Ihr einen Schritt auf uns zugeht, gehen wir zwei auf Euch zu.“

weiterlesen

Dirty Campaigning: „Kein Wunder, dass in Österreich langsam alle irre werden“

SPÖ-Kanzler Christian Kern und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache auf Wahlplakaten. (Foto: REUTERS)
Die Schmutzkampagne der SPÖ zeigt die Verrohung der politischen Kultur in Österreich. Den Weg dafür geebnet haben aber die Rechtspopulisten, erklärt Politologe Hubert Sickinger.

Von Leila Al-Serori | Süddeutsche.de

Sebastian Kurz mit Pinocchio-Nase oder als Baby, dazwischen rassistische und antisemitische Postings. Zwei diffamierende Facebook-Seiten über den Kanzlerkandidaten der ÖVP stehen im Fokus des bisher größten Skandals im österreichischen Wahlkampf. Die Schmutzkampagne wurde aus den Reihen der Sozialdemokraten betrieben. Offenbar ohne Wissen der Parteiführung.

Seither überschlägt sich die Presse mit neuen Berichten, jeden Tag ein neuer Leak, ein neuer Aufreger. Die politische Kultur im Land hat einen Maximalschaden erlitten.

weiterlesen

Bundeswehr fordert mehr Soldaten für Afghanistan

Themenbild. Bild: regensburg-digital.de
Auf eine neue Bundesregierung kommt eine heikle Diskussion über den Afghanistan-Einsatz zu. Nach SPIEGEL-Informationen drängt die Bundeswehr darauf, die Truppe deutlich aufzustocken.

Von Matthias Gebauer | SpON

Eine neue Bundesregierung – egal wie sie am Ende aussieht – wird sich kurz nach Amtsantritt sofort mit dem heiklen Thema der Bundeswehr-Mission in Afghanistanbeschäftigen müssen. Nach SPIEGEL-Informationen fordert die Bundeswehrführung, die deutschen Einheiten für die Nato-Trainingsmission „Resolute Support“ um fast 50 Prozent aufzustocken – von bisher maximal 980 auf 1400 Soldaten. Der Grund: die gefährliche Lage am Hindukusch.

weiterlesen

Aus der Schweiz reisen mehr illegale Flüchtlinge nach Deutschland

Schweizer Grenzwächter auf Patrouille im Bahnhof Basel SNCF. (Bild: Gaëtan Bally / Keystone)
Die Schweiz wird zunehmend zum Transitland für Flüchtlinge. Dies bekommt auch Deutschland zu spüren. Gemeinsame Kontrollen helfen mit, das Problem zu entschärfen.

Von Erich Aschwanden | Neue Zürcher Zeitung

Die Schlagzeilen der deutschen Medien in diesem Frühling klangen dramatisch. So berichtete «Die Welt», die Zahl der illegalen Einreisen über die Schweiz habe sich gegenüber 2016 verdreifacht. Nachdem die Balkanroute geschlossen worden sei, habe sich die illegale Migration auf den Weg über Italien und die Schweiz nach Deutschland verlagert. Als Reaktion erklärte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) Anfang April gegenüber «Der Zeit», die Wiedereinführung von Grenzkontrollen zur Schweiz sei «selbstverständlich» denkbar.

4100 illegale Übertritte

Seit dem Frühjahr hat der Migrationsdruck auf die Schweiz stark nachgelassen. So sank die Zahl der Asylgesuche in den Monaten Juli und August um fast ein Drittel gegenüber den Zahlen des Vorjahres.Insbesondere im Tessin verlief der Sommer ruhiger als erwartet. Dies, nachdem Italien und Libyen die Flüchtlingsroute über das Mittelmeer weitgehend unterbrochen hatten.

weiterlesen

REGENSBURGER DOMSPATZEN: „Führer-Zuschuss“ an den Knabenchor erregte die SS

Erstaunliche Zugeständnisse an Staat und Staatspartei: die Regensburger Domspatzen zu Besuch bei Hitler auf dem Obersalzberg 1938 Quelle: dpa
Hitler lud die Domspatzen auf den Obersalzberg ein. Dem NS-Apparat waren sie dagegen verdächtig. Eine neue Studie analysiert das Verhältnis zwischen dem berühmten Chor und dem braunen Regime.

Von Antonia Kleikamp | DIE WELT

Der oberste Propagandist war angetan: „Die Domspatzen singen wundervoll“, notierte Joseph Goebbels am 7. Juni 1937 in seine Tagebuchkladde. Darin war er sich einig mit seinem Chef, Adolf Hitler. Der hatte dentraditionsreichen Jungenchor aus Regensburg1933 zum ersten Mal gehört und drei Jahre später zu einem Privatkonzert auf den Obersalzbergeingeladen, natürlich in Braunhemden.

Fortan ließ der Diktator dem Internat des Chores bis 1945 jährlich einen stattlichen Betrag zukommen. Zu Propagandazwecken vereinnahmten die Nazis zwar auch andere Ensembles wie die Leipziger Thomaner. Einen „Führer-Zuschuss“ bekamen aber nur die jungen Sänger in Regensburg.

weiterlesen

Sprache der „Political Correctness“: Im Zeitalter der Hypermoral

Individualisierung und Ansprüche. Das neue Empörungspotenzial entfaltet sich vor allem im Internet.FOTO: STEPHANIE PILICK/DPA
Sprachsensibilität versus Sprech- und Denkverbote: Woher kommt die neue Lust an der Empörung? Bericht über eine Berliner Diskussion.

Von Anne-Sophie Schmidt | DER TAGESSPIEGEL

Ein überwiegend linkes Milieu pocht auf Sprachsensibilität, Rechte und Konservative fürchten Sprech- und Denkverbote: Political Correctness ist zu einem hochemotionalen Thema geworden. Treiben manche es mit der Moral in der Sprache auf die Spitze? Dieser Frage widmete sich jetzt eine Diskussionsveranstaltung in der Katholischen Akademie in Berlin. Auf dem Podium diskutierten der freie Publizist und promovierte Philosoph Alexander Grau, der bei „Cicero online“ zu politischen und gesellschaftlichen Themen in seiner Kolumne „Grauzone“ Stellung nimmt, und Gerald Hartung, Professor für Kulturphilosophie/Ästhetik an der Bergischen Universität Wuppertal.

Grau hat unlängst ein Buch zum Thema veröffentlicht: „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ (Claudius-Verlag). Zwei Entwicklungen der Moderne macht er für einen neuen Hypermoralismus verantwortlich: die Säkularisierung und die Individualisierung der Gesellschaft. Lange Zeit sei Moral nur eine Begleiterscheinung von Religion und anderen Ideologien wie dem Kommunismus oder Nationalismus gewesen. Im heutigen, postideologischen Zeitalter habe Religion ihren gesellschaftlichen Stellenwert verloren, an ihre Stelle sei die Moral gerückt, die zu einer eigenen Ideologie geworden sei.

weiterlesen

Zweiter Nikolaus in der Türkei gefunden

Der heilige Nikolaus als Ikone im italienischen Bari. (Foto: imago)
  • Türkische Archäologen berichten, sie hätten das Grab des Heiligen Nikolaus unter der Nikolaus-Kirche in Demre gefunden.
  • In Italien sorgt diese Behauptung für Erstaunen, dort werden nämlich seit fast 1000 Jahren die angeblich echten Überreste des Heiligen aufbewahrt.
  • Kritiker glauben, die Türkei will mit der Meldung bloß den Tourismus ankurbeln.

Von Christiane Schlötzer | Süddeutsche.de

Im italienischen Bari haben sie auf die Sensation aus Anatolien erst mal ungläubig reagiert, wer traut denn schon den Türken? Zumal, wenn es um einen christlichen Weltstar geht. Seit fast eintausend Jahren ruhen hier, in Apulien, die Gebeine des Heiligen Nikolaus, nachdem Seefahrer (manche sagen: Piraten) aus Bari 1087 die Überreste des Bischofs von Myra von der kleinasiatischen Küste nach Italien gebracht haben. Das war ein ziemlicher Coup, schließlich hatten türkische Seldschuken zuvor Teile des Byzantinischen Reiches erobert und dabei auch die Stadt Myra besetzt, wo Nikolaus im vierten Jahrhundert Wunder wirkte.

weiterlesen

Weder Adam noch Noah, Weder Abraham noch Mose, weder David noch Jesus waren Moslems


Bild: Lucas Cranach d. Ä. 1530 (public domain)
Der absurde Versuch des Islams die alten Gestalten der Bibel für sich zu beanspruchen

Von Laila Mirzo | Jüdische Rundschau

Jeder Mensch kommt als Moslem auf die Welt. Sie, ich, ja sogar der Papst und natürlich auch alle Rabbiner. Jeder ist von Geburt an Moslem, bis es die Eltern gründlich vermasseln, indem sie uns jüdisch erziehen, uns taufen lassen oder noch schlimmer, uns erzählen, dass es keinen Gott gibt. Der Islam ist die einzige legitime Ordnung, alle anderen Religionen sind Abweichungen und von Menschen konzipierte Irrlehren – so das gängige Narrativ in der islamischen Welt.

Mit Adam, dem Menschenvater und erstem Propheten des Islam, begann die Kette der Gesandten Allahs. Nach islamischer Vorstellung war jeder einzelne von ihnen – Abraham, Noah, Mose und Jesus – Muslime. Doch die Menschen verdrehten die Lehre von dem einen Gott, brachen seine Gesetze oder stellten ihm einen Sohn und einen Heiligen Geist zur Seite. Aus diesem Grund entsandte Gott letztendlich Mohammed, um die korrumpierten Lehren der Christen und Juden zu „korrigieren“.

Jeder wird nach islamischer Vorstellung „als Moslem geboren“
Wenn also ausnahmslos jeder Mensch als Moslem geboren wird, während das Judentum und das Christentum Initiationsriten haben, wie die Beschneidung und die Taufe, hat der Islam durch seinen Besitzanspruch einen erheblichen „Wettbewerbsvorteil“ gegenüber den anderen Schriftreligionen.

weiterlesen

Der Rohingya-Alarm

Die ethnischen Säuberungen gegen die Rohingya in Myanmar zählen zu jenen Katastrophen, die die Weltgemeinschaft völlig unvorbereitet treffen. Allerdings sollten wir mittlerweile in der Lage sein, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um einen drohenden Völkermord abzuwenden.

Von Bernard Henri-Lévy | Qantara.de

Wie so oft war es ein Künstler, der die Alarmglocken läutete. Sein Name ist Barbet Schroeder, und seine Warnung kam in Form seines brillianten, nüchternen Films The Venerable W., in dem er den myanmarischen buddhistischen Mönch Ashin Wirathu porträtiert. Wirathu, auch als „W“ bekannt, steht für die andere Seite einer Religion, die allgemein als Archetyp des Friedens, der Liebe und der Harmonie angesehen wird. Und nicht nur die rassistische Einstellung dieses einen Mönchs versetzt uns in Erstaunen, sondern auch die Gewalt, zu der viele Buddhisten bereit sind.

Schroeders Film, der in diesem Jahr beim Festival von Cannes gezeigt wurde, fand in den Medien ein eindrucksvolles Echo. Und bei einem nachfolgenden Fernsehauftritt warnte er bereits, Wirathus blutdürstige „Bewegung 969“ habe es auf die Rohingya abgesehen, die muslimische Minderheit in Myanmars Bundesstaat Rakhine.

Die ausgeschlossene Minderheit

Dies sollte niemanden überraschen. Die Millionen Männer und Frauen vom Volk der Rohingya gelten in ihrem eigenen Land als staatenlos. Es ist ihnen verboten zu wählen oder sich politisch vertreten zu lassen, und sie haben auch keinen Zugang zu Krankenhäusern und Schulen. Und immer wenn das Militär, das Myanmar seit einem halben Jahrhundert tyrannisiert, genug davon hat sie auszuhungern, müssen sie Pogrome über sich ergehen lassen.

Der Status der Rohingya ist von einer berechnenden Grausamkeit bestimmt, die in ihrer Art einmalig ist: Obwohl Myanmar so besessen von Fragen der Rassenzugehörigkeit ist, dass dort 135 „nationale ethnische Zugehörigkeiten“ unterschieden werden, sind die Rohingya offenbar „eine Rasse zu viel“ und offiziell nicht anerkannt. In diesem Sinne sind sie entwurzelt, aber gleichzeitig an ihre Heimat gebunden, da es ihnen verboten ist, ihren Herkunftsort zu verlassen, anderswo zu arbeiten oder zu heiraten und die Größe ihrer Familie frei zu bestimmen.

weiterlesen

Kirchenabrisse: „Wir stehen erst am Anfang“

Wie viele Kirchen wurden seit dem Jahr 2000 in Deutschland abgerissen? Katholisch.de hat die Zahl recherchiert und mit einem Experten gesprochen. Er ruft zum Umdenken auf – bevor es zu spät ist.

Von Tobias Glenz | katholisch.de

Ein lauter Knall – und der einst so stolze Kirchturm kracht unter Getöse in sich zusammen. Was das Dynamit der Sprengmeister noch stehen lässt, walzen die Bagger platt. Nach wenigen Tagen bleibt nichts als eine große freie Fläche übrig – dort, wo über Jahrzehnte oder länger die religiöse Heimat vieler Menschen stand. Der Verlust der eigenen Kirche ist für Gläubige ein Horrorszenario. Doch sind Kirchenabrisse wegen Priestermangels, Gläubigenmangels und letztlich Geldmangels in Deutschland seit Jahren Realität. Wenn ein Sakralgebäude nicht mehr als Gottesdienstort zu halten ist, dann soll der Abriss immer nur die „ultima ratio“ – also die letzte mögliche Lösung – sein; so jedenfalls formuliert es die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) in einer Arbeitshilfe aus dem Jahr 2003. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus?

weiterlesen

„Unzucht“: Paar in Tunesien nach Kuss im Auto verurteilt

Weil sich eine Tunesierin und ihr Freund nach einer Party im Auto geküsst haben sollen, wurden sie zu Haftstrafen verurteilt.

Die Presse.com

Die Verurteilung eines jungen Pärchens wegen „Unzucht“ in Tunesien ist auf heftige öffentliche Kritik gestoßen. Weil sich eine Tunesierin und ihr französisch-algerischer Freund nach einer Party im Auto des Mannes geküsst haben sollen, hatte ein Gericht die beiden am Mittwoch zu viereinhalb beziehungsweise drei Monaten Haft verurteilt, wie ihr Anwalt mitteilte.

Den beiden werde demnach Verletzung der Sittlichkeit, Widersetzen gegen polizeiliche Anordnungen, Trunkenheit und Beamtenbeleidigung vorgeworfen, schrieb Anwalt Ghazi Mrabet in einer Stellungnahme im Internet.

weiterlesen

Radler als Opfer des Burkaverbots

foto: apa / roland schlager Verhüllt Radfahren ist seit Anfang Oktober ein Delikt.

Wenn der Schal bis über den Mund gezogen wird, kann das in Wien Abmahnungen zur Folge haben

derStandard.at

Radfahren in Zeiten des Antigesichtsverhüllungsgesetzes könnte sich zu einem Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei entwickeln – zumal bei niedrigeren Temperaturen, wie sie Mittwochabend in Wien herrschten. Da radelte eine Standard-Leserin am Rathaus vorbei. Ihren Schal trug sie über dem Mund.

Da habe sie ein Polizist aufgehalten mit den Worten: „Nehmen Sie den Schal runter.“ – „Wieso? Es ist kalt.“ – „Es ist nicht kalt, nehmen Sie ihn runter.“ Die Amtshandlung habe mit einer Abmahnung geendet.

Schal nur mit Attest

Abgemahnt worden sei sie auch am Rande einer Demonstration gegen den neuen Enthüllungszwang. In einem Fall habe selbst der Hinweis auf eine Zahnextraktion den Polizisten nicht erweichen können, schildert die Betroffene. Sie müsse ein Attest vorweisen, habe der Beamte eingewandt.

weiterlesen

Ex-NSA Hackers Are Not Surprised by Bombshell Kaspersky Report

Image: catwalker/Shutterstock
Former NSA hackers respond to the revelation of yet another breach at the spy agency.

By Lorenzo Franceschi-Bicchierai | MOTHERBOARD

Russian hackers managed to steal sensitive files from the home computer of an NSA contractor who used Kaspersky Lab’s antivirus, according to the The Wall Street Journal. The revelation sheds light on the secretive reasons behind the US government ban of Kaspersky Lab products, and former NSA hackers I spoke to said they weren’t surprised by the story, saying that it could explain rumors of a leaker at the NSA that have swirled for a year.

On Thursday, the Journal reported that in 2015 Russian hackers identified sensitive NSA files on the home computer of an NSA contractor thanks to their use of Kaspersky Lab antivirus, which apparently detected samples of NSA files on the contractor’s computer. According to the report, the hackers detected that the contractor had files it deemed valuable because the contractor used the Kaspersky antivirus software on their computer. The Journal didn’t provide details on exactly how the hackers retrieved those files, whether Kaspersky was aware its software was being used this way, or if it alerted the Russian government to these findings.

The breach wasn’t identified until 2016, according to the report. If true, this is the third major breach of sensitive information from the NSA after contractors Edward Snowden and Harold Martin took files outside of the spy agency’s buildings.

Eugene Kaspersky, the founder of the eponymous company, dismissed the new report.

read more