„Deutsche Lesekultur ist eine Errungenschaft der Reformation“ – Bullshistic


Johann Hinrich Claussen (Oktober 2014). Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de – Michael Lucan

EKD-Kulturbeauftragter Claussen regt „Entschleunigung“ beim Lesen an.

Interview Renate Kortheuer-Schüring | evangelisch.de

Die Lesekultur in Deutschland geht nach Auffassung des Theologen und Kulturexperten Johann Hinrich Claussen im Wesentlichen auf die Reformation zurück. „Auch wenn sich konfessionelle Prägungen heute verflüchtigt haben, ist doch eine der großen kulturellen Errungenschaften des Protestantismus und der Reformation, das Lesen zu einer fast religiösen Tätigkeit zu machen“, sagte der kirchliche Kulturbeauftragte dem Evangelischen Pressedienst wenige Tage vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, der weltweit größten Fachmesse für Literatur.

Das Christenleben erfülle sich seither nicht nur in kirchlichen Ritualen, sondern auch im Häuslichen, Privaten und im gemeinschaftlichen oder individuellen Lesen von Texten, sagte der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zunächst sei es um Bibel, Gesangbuch und Erbauungsliteratur gegangen, später habe sich das Lesen „säkularisiert“. Im lutherischen Bildungsverständnis erfahre es eine besondere Wertschätzung; das Lesen sei mehr als eine Kulturtechnik, nämlich eine „Erfüllung des Eigenen“. „Lesen ist ja ein hochkreativer Akt“, so Claussen.

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