Mittelamerikanische Gangs: Teufelsgruß und Jungfrau Maria


foto: reuters/jose cabezas Gang-Mitglieder im Gefängnis
Mittelamerika wird von Maras, mafiösen Jugend-Gangs, beherrscht. Welche Rolle spielen Tattoos im Banden-Krieg?

Von Klaus Brunner | derStandard.at

Sie stechen ins Auge, die Fotos der Maras. Zigtausende Jugendliche haben sich, ihr Leben und ihre Haut, den Gangs in Mittelamerika und Mexiko verschrieben.

Tätowierte Tränen unter den Augen stehen für begangene Morde oder gefallene Kameraden, meist Männer. Die Zahlen 13 und 18 sind der in Mittelamerika aktiven „Mara Salvatrucha 13“ bzw. der Bande „Barrio 18“ zuzuordnen, „La Vida loca“ steht für das verrückte Leben als Verbrecher. Die Haut der Mitglieder der Mara Salvatrucha ziert meist eine Hand mit Teufelsgruß und satanische Symbolik. In ihr Weltbild passen auch betende Hände und ein Rosenkranz.

Barrio 18 wiederum verweist mit dem in Mexiko hochverehrten Bildnis der Jungfrau von Guadalupe auf die Herkunft der Bande. Spinnennetze stehen für die Isolation im Gefängnis, Billardkugeln symbolisieren das Spiel des Lebens und Ortsnamen repräsentieren regionale Untergruppen, die so genannten Clicas. Es ist eine Wissenschaft, das System aus Zahlen, Symbolen, Maya-Schriftzeichen und englisch-spanischen Wortmischungen zu entziffern. Jorge Peña (Namen aus Sicherheitsgründen geändert) ist Kryptologe und bei den salvadorianischen Sicherheitskräften für die Entschlüsselung von Mara-Symbolik zuständig.

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