Schimmelpilze im Salz

Meersalz ist offenbar häufig mit Schimmelpilzen belastet. © ArtCookStudio/ thinkstock
Von wegen weiß und rein: Forscher haben Schimmelpilze in Meersalz nachgewiesen. Die Proben von Salz unterschiedlicher Herkunft waren allesamt belastet und enthielten bis zu 1,7 Sporen pro Gramm, wie sie berichten. In Maßen genossen ist das zwar unbedenklich. Problematisch wird es jedoch, wenn das verunreinigte Salz in großen Mengen ins Essen gerät und dort über einen längeren Zeitraum verweilt – zum Beispiel beim Pökeln von Fleisch.

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Es ist grobkörnig, sieht so schön natürlich aus und soll auch noch besser schmecken als herkömmliches Speisesalz: Meersalz ist die Königin unter den Salzen – und ein echtes kulinarisches Luxusgut. Wer sich etwas ganz Besonderes gönnen möchte, greift zum Fleur de Sel. Es ist das teuerste Meersalz und entsteht nur an heißen und windstillen Tagen als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche, wo es in Handarbeit mit einer Holzkelle abgeschöpft wird.

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Knappheit entsteht in Afrika nicht nur durch Klimawandel

foto: reuters / radu sigheti Der Klimawandel in Afrika hat viele Gesichter. In Tansania und Kenia wird der fruchtbare Boden knapper.
Laut Klimarat sind die Afrikaner am meisten durch die Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Der Druck auf den Kontinent steigt auch durch Landgrabbing: Private sichern sich fruchtbaren Boden

Von Julia Schilly | derStandard.at

Der Urteilsspruch ist einmalig in Österreich, ging aber im Wahlkampfgetöse unter: Wie im September bekannt wurde, hat das Bundesverwaltungsgericht in Wien einem Somalier aufgrund von Klimagründen subsidiären Schutz gewährt. Eine langanhaltende Dürre habe im ostafrikanischen Staat eine humanitäre Katastrophe hervorgerufen, hieß es in der Begründung. Rund 6,2 Millionen Menschen haben zu wenig zu essen. „Der Klimawandel darf niemals ein anerkannter Asylgrund werden“, reagierte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl via Aussendung.

Das Thema wird weltweit heftig diskutiert. Im Sinne der Genfer Flüchtlingskonventionen gibt es gar keine Klimaflüchtlinge. Kritiker fordern eine zeitgemäße Anpassung der 1951 festgesetzten juristischen Grundlagen. Gegner fürchten dadurch jedoch eine Massenfluchtbewegung. Denn ohne Ausnahme stiegen die globalen Durchschnittstemperaturen seit den 1980er-Jahren. Nach Einschätzungen des Weltklimarates ist Afrika der durch den Klimawandel am meisten bedrohte Kontinent. Das liegt vor allem an den Auswirkungen auf die Landwirtschaft, von der rund 70 Prozent aller Afrikaner leben. Laut Weltbank befinden sich 14 der 15 Länder mit dem höchsten Anteil der Landwirtschaft an ihrer Gesamtwirtschaftsleistung in Afrika.

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Türkei erhebt Anklage gegen deutschen Menschenrechtler

Menschenrechtler Peter Steudtner wurde Anfang Juli festgenommen. Nun hat die türkische Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben. Laut Medienberichten drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. (Foto: dpa)
  • Seit Juli sitzt der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner in der Türkei in Haft.
  • Nun hat die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift zugestellt. Demnach drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft.

Süddeutsche.de

Die türkische Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den in der Türkei inhaftierten deutschen Menschenrechtler Peter Steudtner erhoben. Ihm droht offenbar eine lange Gefängnisstrafe. Wie der Nachrichtensender CNN Türk berichtet, fordert die Staatsanwaltschaft bis zu 15 Jahre Haft für Steudtner. Ihm, seinem schwedischen Kollegen Ali Ghravi und acht weiteren würden Unterstützung und Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen, hieß es.

Die Anwälte betätigten der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, dass die Anklageschrift zugestellt wurde, konnten jedoch zunächst keine Angaben zum Strafmaß machen.

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Der Einflüsterer der Rechtsnationalisten

Der 29-jährige Vincent Harris ist ein mit allen Wassern gewaschener Online-Wahlkämpfer. (Bild: Drew Anthony Smith)
Ukip, Front National, AfD – der Kundenstamm von Vincent Harris liest sich wie das Who’s who der Nationalisten weltweit. Sein Handwerk im Online-Wahlkampf hat er bei der Tea-Party-Bewegung gelernt.

Von Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

«Ich bin Vince, und ich komme aus Texas», schreit er die Zuhörer an. Was eine Begrüssung sein sollte, klingt wie eine Kampfansage. Vincent Harris – Dreitagebart, Sommersprossen – provoziert gerne, das merkt man im ersten Satz. Der 29-Jährige zählt zu den radikalkonservativen Republikanern, ist Trump-Wähler, Fox-News-Zuschauer – genug also, um die eher progressive Zuhörerschaft an diesem Vormittag zu schockieren. Eine ältere Zuhörerin hält sich beide Ohren zu.

Harris gilt international als gewiefter Online-Wahlkämpfer, das bringt ihn zu der Konferenz über politische Kommunikation der Konrad-Adenauer-Stiftung in Singapur, wo er seine Methoden und Ansichten vor einem internationalen Publikum darlegt. In Deutschland sorgte Harris jüngst für Schlagzeilen, weil seine Mitarbeiter die AfD beraten. Deren Ideen sind teilweise sogar der rechtsnationalistischen Partei zu extrem: Den Slogan «Germany for Germans» hat die Partei abgelehnt, wie der «Spiegel» berichtete. Eine andere Kampagne der AfD ging hingegen dank Harris‘ Beratern viral: Bilder von blutverschmierten Reifenspuren, dazu die Unterzeile «Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa». Wie man solche Fotos möglichst effizient in den sozialen Netzwerken verbreitet, ist Harris Kerngeschäft. Laut dem «Spiegel» ist er bestens vernetzt in die Firmenzentralen der Internetriesen und stellt sicher, dass die AfD ihre Werbeanzeigen buchen kann.

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CSU: Mit Obergrenze und Leitkultur gegen „grenzenlose Freiheit“

Horst Seehofer.FOTO: AFP / CHRISTOF STACHE
Die CSU will den „Schwenk der Union“ zur liberalen politischen Mitte zu korrigieren. Unter anderem soll „der Geist der Alt-68er“ überwunden werden.

DER TAGESSPIEGEL

Für Obergrenze, Leitkultur und Patriotismus – gegen Linke und AfD: Mit einem Zehn-Punkte-Plan will CSU-Chef Horst Seehofer die gesamte Union auf einen konservativeren Kurs zurückführen. „Wer jetzt „weiter so“ ruft, hat nicht verstanden und riskiert die Mehrheitsfähigkeit von CDU und CSU. Die Union war nie nur ein Kanzlerwahlverein“, heißt es in dem Papier, das der Vorsitzende der CSU-Grundsatzkommission, Markus Blume, zum Spitzentreffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Sonntag verfasst hat. Das Konzept liegt der „Bild am Sonntag“ und der Deutschen Presse-Agentur in München vor.

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Gefechte zwischen türkischer Armee und Jihadisten an syrischer Grenze

Die türkische Armee hat sich an der Grenze zu Syrien Gefechte mit Jschihadisten geliefert. Wie Augenzeugen und Aktivisten berichteten, attackierten Kämpfer des Jihadistenbündnisses Hajat Tahrir al-Sham (HTS) am Sonntagmorgen türkische Truppen, die Teile einer Grenzmauer zwischen der Türkei und der syrischen Provinz Idlib abbauten. 

derStandard.at

Die türkischen Soldaten hätten das Feuer erwidert und die Gegend auch mit Granaten beschossen, sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von „heftigen Schusswechseln“ an der Grenze. Nach Einschätzung der Beobachtungsstelle, die sich auf Informanten in Syrien stützt, handelt es sich aber noch nicht um den Beginn einer vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan angekündigten Offensive.

Erdogan kündigte Offensive an

Erdogan hatte am Samstag den Beginn einer Offensive gegen die HTS-Rebellen in Idlib verkündet. Seinen Angaben zufolge wird die Offensive zunächst von Kämpfern der Freien Syrischen Armee (FSA) geführt. Türkische Truppen seien noch nicht in Idlib, sagte Erdogan.

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Die katalanische Krise kann Europa den Rest geben

Mariano Rajoy (r.) und Carles Puigdemont zeigen sich unversöhnlich Quelle: REUTERS
Die EU hält sich aus Kataloniens Separatismus heraus – es handele sich um ein „innerspanisches Problem“. Das könnte Abspaltungsbewegungen animieren, die im Baskenland, Norditalien oder Schottland Winterschlaf halten

Von Sascha Lehnartz | DIE WELT

Wenn es die Schlafwandler waren, die Europa 1914 in den Ersten Weltkrieg haben taumeln lassen, sind es gerade die Sprachlosen, die Europa in die nächste Krise schieben. Niemand findet die Worte, das katalanische Desaster zu verhindern, das sich in Zeitlupe entfaltet. Mariano Rajoy und sein katalanischer Gegenspieler Carles Puigdemont liefern sich seit Jahren einen „diálogo de sordos“ – eine Debatte unter schwer Hörgeschädigten.

Am vergangenen Sonntag gipfelte das Versagen der Politik darin, dass katalanische Rentnerinnen von spanischen Polizisten mit Gummiknüppeln vermöbelt wurden. Wenn die Unabhängigkeitsbewegung noch Bilder von Märtyrern benötigte, um Fahrt aufzunehmen, hat Rajoy sie geliefert. Der galizische Verwaltungsjurist Rajoy, Sohn eines Richters und Enkel eines Jura-Professors, befördert die Anarchie, indem er auf dem Recht insistiert. „Er ist fassungslos, weil die Anwendung der Gesetze nicht mehr funktioniert. Er weiß aber nicht, was er sonst machen soll“, sagt ein führendes Mitglied der konservativen „Partido Popular“.

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Mazedonien: Fake-News sind doch besser als Drogen, oder?

foto: adelheid wölfl Nicht nur in Österreich wird mit gefakten Websites Wahlkampf betrieben. Die mazedonische Stadt Veles ist so etwas wie das Zentrum der Fake-News-Industrie
Goldrausch in Veles: Die Leute plagiieren Content, platzieren ihn auf ihren Websites und verdienen an der Werbung

Von Adelheid Wölfl | derStandard.at

Er schrieb, dass Trump die Mauer zu Mexiko baue oder dass Trump die Mauer zu Mexiko nicht baue. „Mauer“ war eines der Wörter, die gut funktionierten. „Ich habe jeden Tag Fox News und CNN gelesen und dann die Geschichten mit eigenen Wörtern nochmals geschrieben“, erklärt Bojko sein relativ simples Businessmodell. Er betrieb eine mittlerweile gesperrte Website namens americapolitic.com. Während des US-Wahlkampfes verdiente er viel Geld, im Oktober 2016 waren es 80.000 Dollar. Seine Seite hatte bis zu 1,6 Millionen Follower. „Diese Verdienstmöglichkeiten waren neu, es war ja der erste Facebook-Wahlkampf überhaupt“, meint der 27-Jährige aus der zentralmazedonischen Stadt Veles.

Ob Leute wie Bojko Trump zum Wahlsieg verholfen haben, wird man nie wissenschaftlich eruieren können. Hillary Clinton erwähnte die „Jungs in Mazedonien, die Fake-News produzieren“ aber im Zusammenhang mit ihrer Wahlniederlage. Die mittlerweile gesperrten Webpages aus Veles hießen DailyInterestingThings.com, PoliticsHall.com oder USAPolitics.co. Dort war etwa zu lesen, dass Hillary Clinton angeklagt werde. Die Leute von Veles kopierten Websites der rechtsextremen Alt-Right-Ideologie, verwendeten Artikel von Breitbart News und NationalReport.net.

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Steinmeier besucht den Vatikan

Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Bündenbender statten dem Vatikan ab Sonntag einen zweitägigen Besuch ab.

DIE WELT

Am Sonntagabend (18.00 Uhr) hält der Protestant Steinmeier in der evangelischen Christuskirche in Rom einen Vortrag mit dem Titel „500 Jahre Reformation: Europa zwischen Einheit und Vielfalt“.

Am Montag (11.00 Uhr) empfängt Papst Franziskus Steinmeier und seine Frau zu einer Privataudienz. Danach sind eine Begegnung mit der katholischen Basisgemeinschaft Sant’Egidio, ein Rundgang durch die Vatikanischen Museen und die Besichtigung der Basilika San Clemente vorgesehen.

Las-Vegas-Attentäter berechnete Zielgenauigkeit seiner Schüsse

Paddock hatte ein Zimmer im 32. Stock des Mandalay Bay Quelle: AP/John Locher
Die Polizei fand im Hotelzimmer des Las-Vegas-Attentäters eine Notiz mit einer Zahlenreihe. Nun haben die Ermittler einem Bericht zufolge herausgefunden, was dahinter steckt: Paddock stellte darauf Berechnungen an.

DIE WELT

Auf einer im Hotelzimmer des Schützen von Las Vegas gefundenen handschriftlichen Notiz sind einem US-Medienbericht zufolge Berechnungen zur Zielgenauigkeit der abzugebenden Schüsse niedergeschrieben worden.

Er habe die Notiz des Attentäters Stephen Paddock auf dem Nachttisch in der Nähe seiner Abschussvorrichtung entdeckt, sagte der Beamte David Newton von der Polizei Las Vegas der Sendung „60 Minutes“ des Senders CBS, die am Sonntag ausgestrahlt werden sollte.

Paddock habe die Distanz niedergeschrieben, die Erhöhung, von der aus er seine Schüsse abgab, sowie den zu erwartenden Spannungsabfall der Kugeln in der Menschenmenge. „Er hatte das niedergeschrieben und berechnet, sodass er wissen würde, wohin er schießen soll, um seine Ziele zu treffen“, sagte Newton laut CBS.

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Mann schiesst auf saudischen Königspalast und tötet zwei Wachen

Vor dem Palast des saudischen Königs hat ein Mann das Feuer eröffnet. Saudiarabien hat bestätigt, dass es einen Angriff auf den Königspalast in Jidda gab. 

Neue Zürcher Zeitung

Ein Mann habe vor dem westlichen Tor des Palastes das Feuer eröffnet, teilte das saudische Innenministerium am Abend mit. Er erschoss zwei Wachmänner und verletzte drei weitere. Daraufhin wurde der Angreifer erschossen.

Motiv unklar

Bei dem Schützen soll es sich um einen 28-jährigen Staatsbürger des Landes handeln. Er trug nach Angaben der Behörden neben einer Waffe auch Brandsätze bei sich. Sein Motiv für die Tat ist bisher unklar.

Der katarische Sender Al Jazeera hatte bereits zuvor über den Angriff berichtet. Die amerikanische Botschaft in Saudiarabien hatte ihre Bürger daraufhin zu erhöhter Vorsicht aufgerufen.

Katholiban: 150.000 Katholiken beten an Polens Grenze

Teilnehmer der Aktion halten ihre Rosenkranz-Ketten beim Massengebet in die Höhe Quelle: REUTERS/David W Cerny
Am Samstag haben sich Hunderttausende von Katholiken in polnischen Grenzorten getroffen, um ein gemeinsames Rosenkranz-Gebet zu sprechen. Die Aktion ist umstritten – Gegner meinen, sie richte sich gegen Muslime.

DIE WELT

An Polens Grenzen haben sich am Samstag mindestens 150.000 Katholiken für ein Rosenkranz-Gebet getroffen. Nach Angaben der Warschauer Stiftung „Solo Dios Basta“ („Gott allein genügt“) waren 4000 Orte in die Aktion „Rosenkranz an der Grenze“ involviert. Gebetet wurde nach Angaben der Stiftung für die „Rettung Polens und der Welt“.

Von Gegnern wurde die Aktion als islamophob verurteilt. Sie sahen das Massengebet wegen verschiedener Äußerungen von Teilnehmern und Geistlichen als explizit gegen Muslime gerichtet.

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Supervulkane: Schwamm statt Glutsuppe

Supervulkane können ganze Landschaften mit Lava und Asche bedecken, doch wie es in ihrem Inneren aussieht, ist noch immer weitgehend unklar. © Julian Grondin/ thinkstock
Überraschend anders: Die Magmakammer unter Supervulkanen widerspricht gängigen Theorien. Denn sie ist weder mit glutflüssiger Schmelze gefüllt noch mit komplett erkalteter Magma. Stattdessen ähnelt ihr Inhalt eher einem Schwamm, wie Gesteinsanalysen nun nahelegen. Ein Teil des Magmas ist dabei kristallisiert und bildet ein Netz aus Poren, in denen flüssiges Magma lagert. Diese Zwitternatur könnte die lange Lebensdauer und die seltenen Ausbrüche solcher Vulkane erklären.

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Supervulkane sind verborgene Riesen: Sie ähneln meist kaum den normalen Feuerbergen, sondern verbergen ihre feurige Natur unter einer oft eher unauffälligen Landschaft. Häufig zeugen nur Geysire, Gasaustritte und unterirdische Hitzezonen von ihrer Aktivität, wie beispielsweise beim Yellowstone oder den Campi Flegrei in Italien.

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DIDIER FASSINS ANTHROPOLOGIE : Für eine Welt, in der wir gut und gerne leben

Wenn Leben gegen Leben steht: Protest gegen Polizeigewalt in Chicago, nachdem der 17 Jahre alte Laquan McDonald erschossen wurde. © JON LOWENSTEIN / NOOR / LAIF
Leben gegen Leben darf man nicht abwägen, sagt das Menschenrecht. Und doch geschieht es ständig. Der französische Anthropologe Didier Fassin zeigt in Fallstudien, was das konkret bedeutet.

Von Patrick Bahners | Frankfurter Allgemeine

Einer der Slogans der Neonazis, die durch Charlottesville marschierten, lautete „White Lives Matter“. Folgt man dem politischen Philosophen Mark Lilla, dessen polemische Kritik der Identitätspolitik auch im deutschen Justemilieu auf große Resonanz stößt, so hatten es sich die Erfinder des Namens der jüngsten schwarzen Bürgerrechtsbewegung selbst zuzuschreiben, dass ihnen ihre Feinde die Losung entwendeten, um sie in rassistischer Absicht umzupolen. Für Lilla ist „Black Lives Matter“ ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man Solidarität nicht organisiert. Die Aktivisten, die aus dem Tod von Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson im Umland von St. Louis ein Fanal machten, hätten den Fehler begangen, an ihre Mitbürger nicht als Mitbürger zu appellieren, sondern ihre Zugehörigkeit zur Gruppe der Schwarzen zu betonen.

Lilla hat seine Reputation mit Auslegungen philosophischer Autoren des Dichtheitsgrades von Leo Strauss erworben. Die Mangelhaftigkeit seiner Interpretation des Drei-Wörter-Satzes „Black Lives Matter“ zeigt schon der Blick auf den Wortlaut. Der Satz appelliert unüberlesbar an etwas, was Schwarze und Weiße gemeinsam haben: die Eigenschaft, menschliche Lebewesen zu sein.

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Lautloses Sterben der Falter und Wildbienen

Foto: Seb.v. Roos
Übernutzte und überdüngte Böden, Monokulturen ohne Blühpflanzen, intensive Forstbewirtschaftung engen Lebensräume für Insekten ein. Ein Ausweg aus dem ökologischen Desaster wäre eine naturnahe Landbewirtschaftung

Von Susanne Aigner | TELEPOLIS

Früher einmal schwirrten von Mai bis Oktober zahlreiche Falter der Goldenen Acht von Blüte zu Blüte. Auf naturnahen blütenreichen Wiesen fanden die Raupen ausreichend Nahrung: Luzerne und Klee – Pflanzen, die es auf heutigen Äckern kaum noch gibt. Mit der intensivierten Landwirtschaft schwindet ihr Lebensraum, weshalb der Falter in Nordrhein-Westfalen und einigen anderen Bundesländer bereits auf der Roten Liste steht.

Nicht nur die Goldene Acht, Insekten verschwinden quer durch alle Arten mit weit reichenden Folgen für Böden, Bestäubung sowie die gesamten Ökosysteme. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen zu Insekten in Deutschland vom Juli 2017 hervor.

Der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) zu Folge sind weltweit rund 18.000 wirbellose Arten vom Aussterben bedroht. Von 7.802 der bearbeiteten Insektentaxa gelten 946 Arten als gefährdet, 792 als stark gefährdet, 552 sind vom Aussterben bedroht und 311 sind in unbekanntem Ausmaß gefährdet. Unterm Strich sind 358 Arten ausgestorben oder verschollen. Fast 38 Prozent der in den aktuellen Roten Listen betrachteten Insektenarten gelten als ausgestorben oder bestandsgefährdet.

Das Ergebnis von Langzeitstudien, die von 1982 bis 2017 an ausgewählten Versuchsstandorten durchgeführt wurden, lautet ganz ähnlich: Hier war die Insektenbiomasse um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Als Ursachen benennen Experten die Intensivierung der Landwirtschaft mit all ihren Monokulturen sowie die Veränderung der Lebensräume.

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Polens Politik verschreckt die Investoren

foto: reuters / kacper pempel Einmal gegen die Justizreform, dann für ein liberales Abtreibungsgesetz: Zigtausende Polen protestieren regelmäßig gegen die Regierung auf den Straßen Warschaus. Doch die PiS mobilisert auch ihre Befürworter. Das Land ist gespalten, die Investoren schrecken zurück.
Anstatt Polens wirtschaftlichen Erfolgskurs fortzusetzen, schüren die polnischen Nationalpopulisten Ängste vor der EU und ausländischen Investoren

Von Gabriele Lesser | derStandard.at

Polens Wirtschaftsdaten sind außerordentlich positiv. Dabei behauptet die nationalpopulistische Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Ende 2015 ein „Land in Ruinen“ übernommen zu haben – allerdings „Ruinen“ mit Vollbeschäftigung, steigendem Lebensstandard, niedriger Inflation und hervorragenden Handelsbeziehungen mit Ländern der EU, allen voran mit Deutschland. Kaum ein anderes Land des ehemaligen Ostblocks hat sich seit der politischen Wende in den 1990er-Jahren so dynamisch entwickelt wie Polen.

Natürlich muss erwähnt sein, dass das Land seit seinem Beitritt zur EU im Jahre 2004 die höchsten Subventionen aus Brüssel bekommt. Doch sie allein sind nicht der Grund für die bewundernswerte Transformation von einer Staatsverwaltungswirtschaft zu Demokratie und Marktwirtschaft.

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Kriegskirchenbauherr Dutzmann redet Blödsinn zur Bundestagswahl

EKD-Bevollmächtigter führt Ausgang der Bundestagswahl auf menschliche Zweifel zurück.

evangelisch.de

Der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik und der Europäischen Union, Martin Dutzmann, hat den Ausgang der Bundestagswahl vom 24. September auf ein Gefühl von Angst und Hilflosigkeit in Teilen der Gesellschaft zurückgeführt. In einem Gottesdienst in der Nagelkreuzkapelle am ehemaligen Standort der Potsdamer Garnisonkirche sagte Dutzmann am Samstag, viele fühlten sich von den Politikern nicht wahrgenommen und sähen ihre Belange nicht vertreten.

Als Ausdruck von Hilflosigkeit hätten deshalb viele Wähler statt eines politischen Programms den Protest gewählt, sagte Prälat Dutzmann weiter. Andere seien auf die Straße gegangen, weil sie Angst hätten, ihren Lebensstandard nicht halten zu können, fügte der Kirchendiplomat hinzu. Die Angst habe sich in Wut gegen Fremde und vermeintliche Eliten verwandelt. Gegen Angst und menschliche Zweifel lasse sich der Glauben stellen.

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Millionen Stimmzettel für katalanisches Referendum in Frankreich gedruckt

Katalanische Polizisten gehen am 3. Oktober in Barcelona über eine Straße auf der Wahlzettel des Unabhängigkeitsreferendums liegen. ©dpa
Katalonien hat auch einen französischen Teil. Und der spielte bei der Vorbereitung des umstrittenen Referendums eine wichtige Rolle. Ein französischer Katalane nennt erstmals Details.

Von Morten Freidel | Frankfurter Allgemeine

Mindestens sieben Millionen Stimmzettel für das Unabhängigkeitsreferendum am vergangenen Sonntag wurden in Frankreich gedruckt und von dort über die Grenze gebracht. Das sagte der Koordinator der französischen Bewegung „Ja zu einem Land namens Katalonien“, Jordi Vera, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung  (F.A.S.). Die spanische Polizei habe etwa zwei Millionen der Stimmzettel beschlagnahmt. Die Aktion habe rund 10.000 Euro gekostet.

Die Bewegung „Ja zu einem Land namens Katalonien“ gründete sich 2016 und fordert mehr Autonomie für den französischen Teil Kataloniens – allerdings keinen eigenen Staat wie die Regionalregierung in Barcelona.

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Ursula von der Leyen: Dodo des Monats September 2017

Dodo des Monats September 2017 ©HFR

In keinem Bereich wird die Janusköpfigkeit des Christentums so deutlich wie in der Militärseelsorge. Auf der einen Seite propagiert man den Frieden und die Liebe Gottes, auf der anderen wie man feindliche Kinder Gottes am besten ins Jeseits befördert, ohne dabei in Sünde zu verfallen. Gläubige Soldaten sind gute Soldaten. So erklärte Hitler, am 26.04.1933 auf einer Diözesankonferenz den katholischen Bischöfen:

„Es droht eine schwarze Wolke mit Polen. Wir haben Soldaten notwendig, gläubige Soldaten. Gläubige Soldaten sind die wertvollsten. Die setzen alles ein. Darum werden wir die konfessionelle Schule erhalten, um gläubige Menschen durch die Schule zu erziehen.“A.Hitler

Die Bundesministerin meinte, dass die Bindung an eine sittliche Ordnung und das eigene Gewissen mache das Soldat-Sein in der Bundeswehr,„Um dies kritisch zu entwickeln brauchen wir Partner wie die Militärseelsorge.“
Die Zeiten ändern sich, gewisse Inhalte überhaupt nicht.

Artikel 141 der Weimarer Reichsverfassung in den Artikel 140 des Grundgesetzes übernommen:
„Soweit das Bedürfnis nach Gottesdienst und Seelsorge im Heer, in Krankenhäusern, Strafanstalten oder sonstigen öffentlichen Anstalten besteht, sind die Religionsgemeinschaften zur Vornahme religiöser Handlungen zuzulassen, wobei jeder Zwang fernzuhalten ist.“ Damit ist Militärseelsorge Anstaltsseelsorge.

Nichts davon steht in der Weimarer Reichsverfassung institutionelle Verbindungen von Staat und Kirche herzustellen, schon gar nichts davon Militärgeistliche als Staatsbeamte auf Zeit einzusetzen oder die ganze christliche Geisterbeschwörung staatlich zu finanzieren. Genau das ist der Fall.

Militärpfarrer werden von ihrer Heimatkirche für circa 6 Jahre freigestellt. Sie werden vom Militärischen Abschirmdienst überprüft, sie werden Bundesbeamte auf Zeit, sie leisten einen Beamten-Eid, sie haben ihr Büro in der Kaserne, sie fahren Dienstwagen der Bundeswehr, sie werden direkt vom Bundesministerium für Verteidigung bezahlt, sie tragen im Auslandseinsatz und auf Kriegsschiffen militärische Kleidung, und sie haben eine Bundeswehr-Mail-Adresse. Jedes Militärpfarramt ist eine Dienststelle des Bundesministeriums für Verteidigung. Offiziell sind die Militärpfarrer exemt, das ist lateinisch und heißt enthoben. Es bedeutet: Militärpfarrer haben keinen militärischen Dienstgrad. Aber in der Praxis wird ein Militärpfarrer von den Soldaten entsprechend seiner Bezahlung (A14/15) wie ein Oberstleutnant angesehen und angesprochen.

Das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr ist keine Einrichtung der Kirche, es ist eine Behörde des  Bundesministeriums für Verteidigung. Wenn also die Evangelische Militärseelsorge der Bundeswehr ein Festkonzert im Berliner Dom gibt handelt es sich um eine Party des Bundesverteidigungsministeriums, die Kosten der Sause werden vom Steuerzahler bezahlt.

Von der Leyen ist für das großzügige Interpretieren von politischen Sachverhalten bekannt. Gläubige Soldaten sind sittlich und ordentlich. Ungläubige und Andersgläubige sind es nicht. Ohne das Gott-sei-bei-uns geht es nicht, wie wir oben gesehen haben, gläubige Soldaten setzen alles ein.

Kommen Militärpfarrer in etwas rauhere Gegenden, wo Andersgläubige andere Auffassungen haben, entfernen sie ganz einfach das Christenkreuz vom Schulterstück. Wer will schon so schnell und abrupt seinem Schöpfer gegenübertreten. Man will sittlich weiterleben.  Die Christen im römischen Kolosseum starben fest im Glauben an ihren Gott. Den Pfarrer-Weicheiern heutzutage liegt das nicht, ihre großen Meister verstecken ihre Kreuze ja schon in der Zivilisation des Tempelberges.

In dem Sinne: „Helm ab zum Gebet.“

Die Regressive Linke und die Vogel-Strauß-Taktik

Wie die Regressive Linke Realitätsverweigerung betreibt und inhaltlichen Diskussionen ausweicht, besonders im Hinblick auf den Islam und die Gefahren des Terrorismus.

Von Gad Saad | Richard-Dawkins-Foundation

 

Gad Saad stammt ursprünglich aus dem Libanon und flüchtete 1975 mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg nach Kanada. Er ist ein kanadischer Wissenschaftler, der sich mit evolutionärer Verhaltens- und Konsumforschung beschäftigt. Er arbeitet an der Concordia University in Montreal und ist Inhaber des Lehrstuhls für „Evolutionary Behavioral Sciences and Darwinian Consumption“.

Das RDF Interview mit ihm hier.