Der Einflüsterer der Rechtsnationalisten


Der 29-jährige Vincent Harris ist ein mit allen Wassern gewaschener Online-Wahlkämpfer. (Bild: Drew Anthony Smith)
Ukip, Front National, AfD – der Kundenstamm von Vincent Harris liest sich wie das Who’s who der Nationalisten weltweit. Sein Handwerk im Online-Wahlkampf hat er bei der Tea-Party-Bewegung gelernt.

Von Marie-Astrid Langer | Neue Zürcher Zeitung

«Ich bin Vince, und ich komme aus Texas», schreit er die Zuhörer an. Was eine Begrüssung sein sollte, klingt wie eine Kampfansage. Vincent Harris – Dreitagebart, Sommersprossen – provoziert gerne, das merkt man im ersten Satz. Der 29-Jährige zählt zu den radikalkonservativen Republikanern, ist Trump-Wähler, Fox-News-Zuschauer – genug also, um die eher progressive Zuhörerschaft an diesem Vormittag zu schockieren. Eine ältere Zuhörerin hält sich beide Ohren zu.

Harris gilt international als gewiefter Online-Wahlkämpfer, das bringt ihn zu der Konferenz über politische Kommunikation der Konrad-Adenauer-Stiftung in Singapur, wo er seine Methoden und Ansichten vor einem internationalen Publikum darlegt. In Deutschland sorgte Harris jüngst für Schlagzeilen, weil seine Mitarbeiter die AfD beraten. Deren Ideen sind teilweise sogar der rechtsnationalistischen Partei zu extrem: Den Slogan «Germany for Germans» hat die Partei abgelehnt, wie der «Spiegel» berichtete. Eine andere Kampagne der AfD ging hingegen dank Harris‘ Beratern viral: Bilder von blutverschmierten Reifenspuren, dazu die Unterzeile «Die Spur der Welt-Kanzlerin durch Europa». Wie man solche Fotos möglichst effizient in den sozialen Netzwerken verbreitet, ist Harris Kerngeschäft. Laut dem «Spiegel» ist er bestens vernetzt in die Firmenzentralen der Internetriesen und stellt sicher, dass die AfD ihre Werbeanzeigen buchen kann.

weiterlesen