Die katalanische Krise kann Europa den Rest geben


Mariano Rajoy (r.) und Carles Puigdemont zeigen sich unversöhnlich Quelle: REUTERS
Die EU hält sich aus Kataloniens Separatismus heraus – es handele sich um ein „innerspanisches Problem“. Das könnte Abspaltungsbewegungen animieren, die im Baskenland, Norditalien oder Schottland Winterschlaf halten

Von Sascha Lehnartz | DIE WELT

Wenn es die Schlafwandler waren, die Europa 1914 in den Ersten Weltkrieg haben taumeln lassen, sind es gerade die Sprachlosen, die Europa in die nächste Krise schieben. Niemand findet die Worte, das katalanische Desaster zu verhindern, das sich in Zeitlupe entfaltet. Mariano Rajoy und sein katalanischer Gegenspieler Carles Puigdemont liefern sich seit Jahren einen „diálogo de sordos“ – eine Debatte unter schwer Hörgeschädigten.

Am vergangenen Sonntag gipfelte das Versagen der Politik darin, dass katalanische Rentnerinnen von spanischen Polizisten mit Gummiknüppeln vermöbelt wurden. Wenn die Unabhängigkeitsbewegung noch Bilder von Märtyrern benötigte, um Fahrt aufzunehmen, hat Rajoy sie geliefert. Der galizische Verwaltungsjurist Rajoy, Sohn eines Richters und Enkel eines Jura-Professors, befördert die Anarchie, indem er auf dem Recht insistiert. „Er ist fassungslos, weil die Anwendung der Gesetze nicht mehr funktioniert. Er weiß aber nicht, was er sonst machen soll“, sagt ein führendes Mitglied der konservativen „Partido Popular“.

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