JUGENDKRIMINALITÄT: Sie hören nicht, weil sie nicht fühlen


Erschreckende Studie: Kriminalität selbst lehrt, dass Kriminalität eher folgenlos bleibt. ©dpa
Sollte man junge Menschen, die zum ersten Mal straffällig geworden sind, gleich mal die volle Härte einer längeren Haft spüren lassen, oder sollte man eher auf eine Bewährungsstrafe setzen? Eine neue Studie zum Umgang mit jugendlichen Straftätern schreckt vor den eigenen Befunden zurück.

Von Gerald Wagner | Frankfurter Allgemeine

Was hält die Gesellschaftsmitglieder eigentlich davon ab, Gesetze zu brechen? Religion, Philosophie, Soziologie und die Rechtswissenschaft haben diese Frage seit jeher unterschiedlich beantwortet. Wenn man eine ganz grobe Zweiteilung dieser Antworten wagt, könnte man von der Differenz von Wissen und Gewissen sprechen, oder auch von äußeren und inneren Schranken der Gesetzesverletzung. Die inneren Schranken – das wäre das Gewissen, die Überzeugung von Recht und Gesetz und deren Gültigkeit.

Am besten ist es, wenn meine inneren Handlungsnormen mit den Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens so zusammenfallen, dass erst gar kein Konflikt entsteht. Schön wär’s, sagen jene, die sich für realistischer halten und Gewissen, Moral und Anstand nicht trauen. Sie betonen die abschreckende Wirkung der Sanktionsgewissheit: Nur die Androhung der raschen und konsequenten Bestrafung halte davon ab, sich über die Regeln hinwegzusetzen. Die Soziologie hat in diesem langen Streit den Vorteil, solche Fragen zumindest in Teilen empirisch überprüfen zu können.

weiterlesen