Warum sich Science-Fiction-Autoren das Internet nicht vorstellen konnten


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Immer dann, wenn ich bei einer öffentlichen Veranstaltung oder im Radio auftrete, wird mir zwangsläufig folgende Frage gestellt: „Was wird die nächste große Entdeckung sein?“ Meine Antwort ist immer dieselbe: „Wenn ich das wüsste, würde ich daran forschen.“

Von Lawrence M. Krauss | Richard-Dawkins-Foundation

Es gibt einen Grund dafür und genau aus diesem Grund habe ich mein neues Buch über moderne Physik auf der grundlegenden Ebene „The Greatest Story Ever Told – So Far“ (Die größte Geschichte aller Zeiten – Bis jetzt ) genannt. Das „Bis jetzt“ ist der wichtigste Teil des Titels. An fast jedem Tag lernen wir mehr und die Natur überrascht uns mit etwas Bemerkenswertem und Unerwartetem. Tatsächlich beinhaltet das Wort Entdeckung, dass etwas unerwartet ist.

Als Kind dachte ich, dass wir mittlerweile fliegende Autos hätten oder Urlaub auf dem Mond machen würden.

Was ich wirklich bemerkenswert finde, ist, dass unser Bild von der Natur die menschliche Vorstellungskraft weit übersteigt. Hätte man vor 50 Jahren eine Gruppe theoretischer Physiker in einen Raum eingesperrt und sie gebeten vorherzusagen, was wir heute über das Universum wissen, hätten sie bei fast allen wichtigen Entdeckungen danebengelegen, die wir seitdem gemacht haben: von der Entdeckung der Dunklen Materie und der Dunklen Energie, bis hin zur Fähigkeit Gravitationswellen festzustellen. Das liegt daran, dass wir Orientierungshilfe durch Experimente brauchen um uns in der Wissenschaft voranzubewegen. Was wir meinen, wie sich die Natur verhält oder was wir denken, wie sie sich zu verhalten haben sollte, ist irrelevant. Experimente bestimmen, worauf wir unsere Theorien aufbauen, nicht eine a priori Annahme über Eleganz oder Schönheit und auch nicht der gesunde Menschenverstand. Quantenmechanik widerspricht dem gesunden Menschenverstand – und zwar so sehr, dass Einstein sie niemals wirklich anerkannte. Aber heutige Experimente über Verschränkung bis hin zu Quantenteleportation zeigen deutlich, dass die Quantenmechanik das Universum auf der grundlegenden Ebene beschreibt.

Deswegen ist Science-Fiction – obwohl sie die menschliche Vorstellungskraft inspirieren kann, wie Stephen Hawking im Vorwort zu meinem Buch „Die Physik von Star Trek“ sagte – fundamental beschränkt. Sie basiert auf menschlichen Vorstellungen und früheren Erfahrungen. Das ist eine großartige Sache. Aber das bedeutet nicht, dass die Science-Fiction-Zukunft unserer tatsächlichen Zukunft entspricht.

Eine meiner liebsten musikalischen Veranschaulichungen dieses Faktes findet sich in im Lied „Living in the Future“ von John Pine aus dem Jahr 1980:

Wir leben in der Zukunft
Ich sag dir, warum ich mir sicher bin
Ich las vor 15 Jahren in der Zeitung,
Dass wir Raketen fliegen werden
Und Gedanken lesen können

Als Kind dachte ich, dass wir heute fliegende Autos hätten und im erdnahen Orbit oder auf dem Mond Urlaub machen würden.

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