„Der Islam ist nicht nur friedlich“

Foto: René Garzke

Der Potsdamer Religionsforscher Hans-Michael Haußig spricht im PNN-Interview über das Verhältnis von Islam und Demokratie. Und erklärt, weshalb es in der Debatte oft zu Missverständnissen kommt.

Von René Garzke | Potsdamer Neueste Nachrichten

Herr Haußig, am heutigen Montag endet in der Wissenschaftsetage eine Tagung zum Thema „Islam und Demokratie“. Ist der Islam eine kriegerische Religion?

Für viele mag es im Moment so aussehen. Grundsätzlich würde ich aber sagen, dass der Islam nicht kriegerischer ist als andere Religionen. Das Christentum war etwa zu Zeiten der Kreuzzüge kriegerischer als der Islam. Und selbst „friedfertige“ Religionen wie der Buddhismus führen Krieg – etwa in Birma gegen die muslimischen Rohingya.

Ist es dann Zufall, dass sich in der ganzen Welt Terroristen auf den Koran berufen?

Es ist falsch, zu sagen, dass der Islam mit Gewalt gar nichts zu tun hat und nur eine friedliche Religion ist. Genauso ist der Islam aber auch nicht nur gewalttätig. Entscheidend ist, wie Muslime den Islam auslegen. „Den“ Islam gibt es nicht, sondern nur verschiedene Interpretationen des Islams. Aber natürlich sucht sich der Islamische Staat Verse aus dem Koran raus, die Gewalt zu legitimieren scheinen.

weiterlesen

Advertisements

Südpol: War Sabotage schuld an Scotts Tod?

Robert Scott und seine Begleiter auf dem Weg zum Südpol. Sie hätten ihre Expedition möglicherweise überleben können. © University of New South Wales
Egoismus oder absichtliche Sabotage? Robert Scott und seine Begleiter hätten ihre fatale Südpol-Expedition überleben können – wenn Scotts Stellvertreter nicht so unfähig oder sogar böswillig gehandelt hätte. Denn neu aufgespürte Dokumente enthüllen, dass Lieutenant Edward Evans heimlich Rationen aus den Nahrungsdepots stahl und Befehle von Scott nicht weitergab. Dies könnte Scotts tragisches Schicksal besiegelt haben, wie ein australischer Forscher erklärt.

scinexx

Die fatale Südpol-Expedition von Robert Falcon Scott und seinen Männern gehört zu den tragischsten Ereignissen der Polarforschung. Behindert durch streikende Motorschlitten und sterbende Ponys verlor die britische Expedition bereits beim Aufstieg zum Polplateau wertvolle Zeit und Ressourcen. Als Scott mit seinen vier Begleitern dann am 16. Januar 1912 den Südpol erreichte, sah er schon von weitem die norwegische Flagge wehen – Roald Amundsen und sein Team waren ihnen zuvorgekommen.

weiterlesen

Didier Eribon und die Kraft der Scham

Es herrscht Klassenkampf, damals wie heute, und wir sollten aufhören, das zu leugnen, findet Didier Eribon. Im Bild: Präsident Macron in einer Fabrik im nordfranzösischen Amiens. (Foto: dpa)
Der französische Bestsellerautor analysiert in seinem neuen Buch, wie die Klassengesellschaft sich mitsamt ihrer Diskriminierungen selbst reproduziert. Doch er zeigt auch einen Ausweg auf.

Von Oliver Nachtwey | Süddeutsche.de

Nur wenige Sachbücher haben in den letzten Jahren eine ähnlich große Resonanz erfahren, erst recht keine, die die Lage der arbeitenden Klassen thematisierten. In den Feuilletons wie in linksradikalen Politgruppen, bei Bürgerlichen ebenso wie Gewerkschaftern war Didier Eribons „Rückkehr nach Reims“ das Buch der Stunde. Nun erscheint „Gesellschaft als Urteil“, das Nachfolgebuch. Es ist eine Art Kommentarband, ein Metabuch, das erneut Elemente soziologischer Reflexion mit autobiografischer und literarischer Erzählung verknüpft. Eribon nimmt zentrale Fäden wieder auf: die Herkunft aus dem französischen Arbeitermilieu und die damit verbundene Scham, seine Homosexualität sowie der Aufstieg in das linksliberale akademische Milieu.

weiterlesen

Trump und die religiösen Rechten

Picture: Tiffany Trump/Facebook
Dear Lord, I pray in the Mighty name of Jesus, that you would give Donald J Trump wisdom and that you would protect him and fill him with Your Spirit and help him to withstand the fiery darts of the enemy
Der amerikanische Präsident Donald Trump ist ein rotes Tuch für Liberale und Progressive. Umso mehr kann er sich auf rechtskonservative Kräfte verlassen, dazu gehören in den USA viele evangelikale Gemeinden. Daran scheint auch das Massaker von Las Vegas wenig zu ändern.

Von Max Böhnel | evangelisch.de

Eineinhalb Wochen nach dem Massaker von Las Vegas, bei dem ein Scharfschütze von einem Hotelfenster aus 58 Konzertbesucher ermordete und Hunderte verletzte, tappen die  Ermittlungsbehörden an einem entscheidenden Punkt weiterhin im Dunkeln. Sie rätseln über das Tatmotiv für den tot aufgefundenen Täter Stephen Paddock.

Für das Urgestein der christlichen Rechten in den USA, den TV-Prediger Pat Robertson, lag der Grund dagegen schon tags darauf auf der Hand. Solcherlei „Gewalt auf den Straßen“, sagte der 87-jährige Televangelist in seinem Fernsehsender „Christian Broadcasting Network“, breche deshalb aus, „weil wir Autorität missachten. Unser Präsident wird respektlos behandelt, in der gesamten Nation. Man sagt schreckliche Dinge über ihn. In den Nachrichten und anderswo auch.“

weiterlesen

Warum Frauen großzügiger sind

Frauengehirne belohnen Großzügigkeit, Männergehirne egoistisches Verhalten. © Jake Olimb/ thinkstock
Großzügigkeit wird belohnt: Frauen verhalten sich tendenziell prosozialer als Männer. Warum das so ist, haben Forscher nun herausgefunden. Ihre Experimente zeigen: Weibliche und männliche Gehirne verarbeiten soziales und egoistisches Verhalten völlig unterschiedlich. Während bei Frauen Großzügigkeit eine vergleichsweise starke Reaktion des Belohnungssystems hervorruft, belohnt das Männergehirn offenbar eher egoistisches Verhalten.

scinexx

Typisch Mann, typisch Frau: Klischees über die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es viele – und in manchen steckt tatsächlich ein wahrer Kern. Zwar ist „das“ männliche oder weibliche Gehirn ein Mythos. Dennoch finden Wissenschaftler immer wieder Indizien für geschlechtsspezifische Besonderheiten in Verhalten und Biologie. So scheinen Männer und Frauen beispielsweise unterschiedlich auf Stress und negative Gefühle zu reagieren.

weiterlesen

La Mafia in Germania

Bild: Thomas Wolf/CC BY-SA-3.0
Kriminelle Schattenwirtschaft: Hochburgen im Rheinland und im Ruhrgebiet, Flüchtlinge werden als „Rohstoff“ ausgebeutet

Von Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Eines ist hier wieder einmal klar geworden: Köln ist nicht nur Römerstadt, Rheinmetropole und beliebtes Touristenziel, sondern auch Tummelplatz für Gauner mit ganz besonderen Verbindungen. Die Rede ist vom „Rinzivillo“-Clan der berühmt-berüchtigten sizilianischen Cosa Nostra. Nach jetzt in Köln gefassten mutmaßlichen Mafiosi hatten die italienischen Behörden mit europäischen Haftbefehlen gefahndet, so eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft.

Zwei Verdächtige wurden vergangene Woche in der Domstadt festgenommen, 35 weitere etwa zeitgleich in mehreren Regionen Italiens.

Bei der Razzia in Kölner Stadtteilen und in Leverkusen gelang der Polizei damit ein koordinierter Schlag gegen die Mafia. Unter den Festgenommenen sollen sich auch ein Anwalt und zwei Polizisten befinden. An den Aktionen „Druso“ und „Extra Fines“ waren 600 Beamte der Finanzpolizei und der Carabineri in Rom, des sizilianischen Caltanissetta sowie der Kölner Kriminalpolizei beteiligt. Güter und Immobilien im Wert von mehr als elf Millionen Euro konnten sichergestellt werden.

Die Angelegenheit wirft zugleich ein Licht auf die mafiöse Schattenwirtschaft, die sich längst hierzulande und in spezieller Weise im Bundesland NRW eingenistet hat: Der Arm der sizilianischen Cosa Nostra reicht seit Jahrzehnten in die Metropolen an Rhein und Ruhr. Sie hält ihre Hochburgen in Köln, in Leverkusen, Solingen und Dortmund. Operiert wird auf den klassischen Geschäftsfeldern Drogen- und Waffenhandel, im großen Stil im Baugewerbe. Für die Geldwäsche fetter Summen bietet Deutschland beste gesetzliche Voraussetzungen, Germania gilt hier als besonders einladend.

Der eingangs erwähnte „Rinzivillo-Clan“ arbeitet eng mit der Mafia von Corleone zusammen und setzt mit Erpressungen Millionen um. Die Professionalität macht den Beamten der Abteilung „Organisierte Kriminalität“ der Kölner Kripo zu schaffen: Die Mafiosi operieren clever landesweit mittels Gebietsaufteilungen. Bevorzugt das Rheinland dient jedoch als Aktionsraum und Rückzugsort für Statthalter und Fußvolk, dabei sind die Aktivitäten streng hierarchisch gegliedert.

weiterlesen

Zentrales Rätsel der Frauen bleibt ungelöst

APA/dpa/Julian Stratenschulte
Keine Hypothese kann die Menopause erklären.

Von Jürgen Langenbach | Die Presse.com

Das Leben von Menschen läuft anders als das der meisten anderen Säugetiere: Zum Ersten werden sie allesamt älter, und zum Zweiten ist bei den anderen die Spanne des Lebens bei beiden Geschlechtern identisch mit der der Reproduktion. Die halbe Menschheit hingegen stellt im Alter zwischen 45 und 55 Jahren die Reproduktion ein, dann gehen Frauen in die Menopause, dann können sie auf direktem Weg nichts mehr beitragen zu dem, worüber Theologen und Biologen sich einig sind: „Seid fruchtbar und mehret euch!“

Direkt können Frauen nach der Menopause dazu nichts beitragen, sie müssen es indirekt tun, 1957 hatte George Williams (Michigan State University) eine Idee: Wenn Frauen die Fähigkeit zur eigenen Reproduktion einstellen, können sie ihre Töchter – und deren Reproduktion – unterstützen, indem sie sie partiell von der Hege ihrer Kinder freistellen, bei der Versorgung der Enkel helfen, materiell und mit Zuwendung.

weiterlesen

Trittin: Flüchtlingsdeal der Union „ist Verleugnung urchristlicher Werte“

Grünen-Politiker Jürgen Trittin kritisiert den Obergrenze-Kompromiss von CDU/CSU. Die Parteien hebelten „menschenrechtliche Standards“ aus. Für die Grünen soll Trittin Gemeinsamkeiten mit Union und FDP sondieren.

SpON

Der frühere Grünen-Vorsitzende Jürgen Trittin hat den Formelkompromiss von CDU und CSU zum Flüchtlingszuzug scharf kritisiert.

Trittin sagte, den Familiennachzug von Flüchtlingen dauerhaft zu unterbinden, sei „eine Verleugnung urchristlicher Werte“ und laufe „allen Integrationsbemühungen entgegen“, sagteTrittin zur „Rheinischen Post“.

Der Grünen-Politiker ist Unterhändler seiner Partei in Sondierungsgesprächen für eine möglichen Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen. Die Gespräche sollen am Mittwoch nächster Woche starten.

weiterlesen

Neue multinationale Nato-Brigade in Rumänien gegen Russland

Nato-Generalsekreatär Jens Stoltenberg mit dem rumänischen Präsidenten Klaus Iohannis. Bild: Nato
Propaganda und Märchen: Nato-Generalsekretär Stoltenberg in Bukarest

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Die Nato rüstet an der Grenze zu Russland weiter auf. In den baltischen Staaten und in Polen sind seit Beginn des Jahres unter deutschem, britischem, kanadischem und amerikanischen Kommando vier multinationale Kampftruppen mit jeweils 1000 Soldaten stationiert. Nach Nato-Darstellung alleine zur Abschreckung und zum Schutz. Seit gestern ist eine neue multinationale Brigade in Rumänien, in Craiova, im Einsatz. Sie steht unter der Führung Rumäniens. Zudem soll die Nato-Präsenz im Schwarzen Meer verstärkt werden: mehr Schiffe, mehr Militärübungen, dazu kommen mehr Kampfflugzeuge aus Kanada und Italien.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg war zu diesem Anlass nach Rumänien gereist, um sich bei der Regierung zu bedanken, die sich auch sonst bei der Nato durch bereitwillige Mitarbeit glänzt und vorbildlich sei, weil das Land die Rüstungsausgaben auf 2 Prozent vom VIP erhöhen will. In Rumänien ist neben Polen auch das Raketenabwehrsystem Aegis mit Abfangraketen in Deveselu angesiedelt, der Stützpunkt ist seit 2016 einsatzfähig.

Die Krise mit Russland begann mit dem Ausstieg der USA aus dem ABM-Vertrag 2001 als Voraussetzung für die Einrichtung des Raketenabwehrsystems. Stoltenberg betontedenn auch, dass das Raketenabwehrsystem in Rumänien und Polen für die Nato eine hohe Priorität habe. Angeblich ist das Raketenabwehrsystem nicht gegen Russland, sondern gegen Nordkorea und Iran gerichtet.

Stoltenberg erklärte, die neue Brigade sei eine Antwort auf Russland, das seine Militärpräsenz erhöht habe, auch im Schwarzen Meer und auf der Krim. Die multinationale Brigade sende ein „klares Signal“ für die Entschlossenheit der Nato und dass ein Angriff auf ein Mitgliedsland ein Angriff auf die gesamte Allianz darstelle. Die Brigade besteht vorwiegend aus rumänischen und polnischen Soldaten, beteiligt aber sind auch Italien, Portugal oder Deutschland.

Der rumänische Präsident Klaus Iohannis sagte, der Zweck der Aufrüstung sei Frieden und nicht Krieg: „Wir sind keine Bedrohung für Russland. Aber wir brauchen einen Dialog von einer starken Position der Verteidigung und der Abschreckung.“ Das sieht man in Russland anders. Hier werden die verstärkte Truppenpräsenz und die Expansion der Nato im Osten, wo auch die Ukraine und Georgien der Nato beitreten sollen, als Destabilisierung Osteuropas und als Wiederkehr des Kalten Kriegs gesehen. Ein Dialog werde verweigert.

weiterlesen

Todesstrafe: 90 Prozent aller Hinrichtungen in vier Ländern

Archivbild. In der Türkei gibt es auch Demonstrationen für die Wiedereinführung der Todesstrafe nach dem Putschversuch gegen Präsident Erdogan. – APA/AFP/OZAN KOSE
Amnesty International bilanziert am „Tag gegen die Todesstrafe“: Die meisten US-Staaten halten trotz Protesten an Hinrichtungen fest. Aus einigen Ländern gibt es aber keine gesicherten Zahlen.

Die Presse.com

Das „Recht auf Leben“ ist weltweit umstritten: Während in Europa – mit Ausnahme von Weißrussland – die Todesstrafe verboten ist, sind Hinrichtungen etwa in China, einigen arabischen Staaten sowie im Großteil der US-Staaten auf gerichtliche Anordnung erlaubt. Angesichts des Tages gegen die Todesstrafeam Dienstag kritisiert Amnesty International den südostasiatischen Stadtstaat Singapur.

„Wir können sie töten, und in manchen Fällen müssen und sollten wir“, sagte der US-Rechtsprofessor und Todesstrafen-Befürworter Robert Blecker einst. Als einziges westliches Land hält die USA trotz internationaler und nationaler Proteste an der Todesstrafe fest. In 31 US-Staaten sind derzeit Hinrichtungen erlaubt. Im vergangenen Jahr wurden dem aktuellen Amnesty Jahresbericht zufolge 20 Menschen exekutiert – ein Rückgang von 30 Prozent im Vorjahresvergleich.

weiterlesen

Stehende Welle aus Licht sichtbar gemacht

Ein neuartiger Wellenleiter aus Metamaterial erzeugt Licht konstanter Phase und unendlicher Wellenlänge. © Second Bay Studios/ Harvard SEAS
Faszinierendes Phänomen: US-Physiker haben erstmals eine stehende Welle aus Licht direkt beobachtet – ohne Mikroskop oder andere Vergrößerungen. Dies gelang in einem Metamaterial mit Brechungsindex Null. Dieses Material manipuliert das Licht so, dass seine Phase konstant und seine Wellenlänge unendlich dehnbar wird. Für die Quanten-Kommunikation und optische Chips hätte der Wellenleiter aus diesem Metamaterial vielversprechende Vorteile, wie die Forscher erklären.

scinexx

Metamaterialien sind Stoffe, die besonders Brechungseigenschaften haben. Sie können beispielsweise das Licht wie eine Tarnkappe umlenken, es aber auch kurzzeitig stoppen oder seine Phasengeschwindigkeit unendlich schnell machen. Letzteres ist Forschern der Harvard Universität im Jahr 2015 gelungen.

weiterlesen

Was Gallier und Katalanen gemein haben

Das Cover des neuen Asterix-Bandes zeigt ein wildes Wagenrennen. © HANDOUT/EPA-EFE/REX/SHUTTERSTOCK
Eine fiese Zentralmacht und ein Volk, das mehr Unabhängigkeit will: Die Autoren des neuen Asterix-Bandes sehen erstaunliche Parallelen zwischen Comic und Wirklichkeit.

Frankfurter Allgemeine

Die Macher des neuen „Asterix“ sehen in ihrem Comic überraschende Parallelen zur aktuellen Lage in Katalonien. Autor Jean-Yves Ferri und Zeichner Didier Conrad sagten der Nachrichtenagentur AFP, ihr neues Buch „Asterix in Italien“ sei ungewollt „ein Gleichnis über die europäische Einigung“ geworden sowie über die aktuellen Zerfallserscheinungen in Europa. In dem Band geht es um ein Pferderennen zwischen verschiedenen Völkern der antiken Welt, das Julius Cäsar ausrichten lässt.

„Die Frage, ob man sich in diesem Wettbewerb solidarisch verhält oder nicht, ob man Gewalt gegen die Gegner ausübt oder das ablehnt, das erinnert mich an die Situation in den verschiedenen Regionen, die nach Autonomie streben, insbesondere in Katalonien“, sagt Ferri. Das sei allerdings nicht seine Absicht gewesen, als er vor zwei Jahren mit den Planungen für die neue Geschichte begann, sagt der Autor.

weiterlesen

Antibiotika-Alternative: Forscher fordern klare Regeln für Einsatz von Bakteriophagen

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Bakteriophagen, die sich an eine Bakterienzelle geheftet haben. Diese Viren haben die Größe und Form des Coliphagen T1. Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 – Dr. Graham Beards

Multiresistente Keime, Lebensmittelskandale, Tierseuchen: Eine Lösung für diese und andere Probleme könnten Bakteriophagen darstellen. Dabei handelt es sich um Viren, die sich in Bakterien einnisten und diese abtöten.

medizin aspekte

Für Zellen des Menschen, von Tieren oder Pflanzen sind sie dagegen völlig harmlos In vielen osteuropäischen Ländern sind sie seit Jahrzehnten im Alltag in Gebrauch, in Deutschland erschweren fehlende Regelungen medizinische und hygienische Anwendungen. Zum Auftakt des 1. Deutschen Bakteriophagen-Symposiums an der Universität Hohenheim in Stuttgart fordern Wissenschaftler mehr Forschung und eine schnelle und klare Regulierung, um die potentielle Anwendung zu beschleunigen. Das Symposium läuft noch bis 11. Oktober, Tagungsort ist das Steinbeis-Haus für Management und Technologie (SHMT), Filderhauptstraße 142 70599 Stuttgart. Mehr Infos zum Symposium unter https://1st-german-phage-symposium.uni-hohenheim.de

„Vom Schnupfen über Durchfall bis zur Lungenentzündung: Bereits jetzt lassen sich bakterielle Infekte bei Mensch und Tier mithilfe von dafür geprüften Bakteriophagen bekämpfen“, erklärt PD Dr. Wolfgang Beyer. Ein Ansatz, der auch in Deutschland und Westeuropa endlich Anwendung finden muss, so die Überzeugung von PD Dr. Beyer, Scientific Director des 1. Deutschen Bakteriophagen-Symposiums.

Noch bis 11. Oktober 2017 treffen sich über 150 internationale Vertreter der Bakteriophagen-Forscher mit Vertretern von Politik, Wirtschaft und Regulierungsbehörden. Das erste deutsche Bakteriophagen-Symposium an der Universität Hohenheim in Stuttgart soll den internationalen Forschungsstand zusammenfassen und künftigen Forschungs- und Regelungsbedarf ausleuchten.

Organisiert wird das Symposium durch das Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften der Universität Hohenheim. Zu den Höhepunkten des Symposiums gehört die deutschsprachige Abschluss-Diskussion „Quo vadis, deutsche Bakteriophagenforschung?“ am 3. Konferenztag, den 11. Oktober 2017 ab 10:30 Uhr. Auf der Agenda steht außerdem die Gründung eines nationalen Phagen-Forums. Die allgemeine Konferenzsprache dagegen ist Englisch.

Spezielle Viren als Verbündete in der Krankheitsbekämpfung

Das Prinzip der Bakteriophagen sei simpel, erklärt PD Dr. Beyer: Die Viren dringen in die Bakterien ein und töten diese ab. „Für jedes krank machende Bakterium gibt es einen passenden Phagen, der es zerstört. Man muss nur den richtigen finden. Dann lassen sich viele Infektionen bekämpfen – ganz ohne oder auch in Kombination mit Antibiotika.“

Gegen viele Infekte könne dabei schon ein standardisierter Phagen-Mix helfen. In schwierigeren Fällen könne ein Mikrobiologe den Erreger beim Patienten genau bestimmen und dann den dazu passenden Phagen suchen – eine ganz auf den individuellen Patienten zugeschnittene Behandlung.

Aus Reisen in Osteuropa wisse PD Dr. Beyer, dass es dort Phagen-Mischungen rezeptfrei in Apotheken zu kaufen gibt. In Deutschland hingegen nicht: „Es ist zwar nicht verboten, Phagen in Deutschland zu vertreiben. Um sie als zugelassenes Arzneimittel auf den Markt zu bringen, sind allerdings teure und langwierige Tests nötig. Dieses Zulassungsverfahren gilt es zu beschleunigen, denn die tradierten Antibiotika versagen zunehmend im Kampf gegen multiresistente Keime. Wir brauchen die Bakteriophagen als Alternative, und zwar jetzt.“

Im Kalten Krieg vergessen, von der Forschung aus dem Blick verloren

Dass Bakteriophagen von der medizinischen Forschung in Deutschland und der westlichen Welt so lange nicht beachtet wurden, habe historische Gründe, so PD Dr. Beyer. Entdeckt wurden sie bereits Anfang des 20. Jahrhunderts; am berühmten Pariser Institut Pasteur forschte man dazu in den 1930er-Jahren ebenso wie im georgischen Tiflis.

Doch mit der Spaltung Europas in Ost und West und dem Siegeszug des Penizillin gerieten Bakteriophagen in den westlichen Ländern nach 1945 zunehmend in Vergessenheit. „Dank des erfolgreichen Einsatzes der Antibiotika hatte man im Westen schlicht keinen Bedarf an Bakteriophagen“, so PD Dr. Beyer. „Heute, im Kampf gegen multiresistente Keime, sieht das anders aus.“

In den Sowjetstaaten blieben die Bakteriophagen jedoch im Einsatz und sind es bis heute, sicherlich auch, weil in diesen Ländern Antibiotika deutlich teurer oder gar nicht zu bekommen waren. „Bakteriophagen erfüllen jedoch die gleiche Funktion und werden dort bis heute als wirksames, aber noch unzureichend erforschtes Medikament eingesetzt“, erklärt PD Dr. Beyer.

Dass Bakteriophagen in der EU nicht generell zur medizinischen Behandlung zugelassen sind, erschwere auch die Forschung: „Medizinische Studien sind schwierig durchzuführen, da Ärzte die Bakteriophagen als alternative Methode nur dann verabreichen dürfen, wenn alle anerkannten Therapien nachweislich versagt haben. Dann ist es für die Patienten jedoch oft schon zu spät.“

weiterlesen

Amerikanische Kirche verlost Sturmgewehre

AR-15-Gewehre werden am 6. Oktober auf einer Waffenmesse in Pennsylvania ausgestellt. ©REUTERS
Mitglieder einer christliche Freikirche in Mississippi haben vor einem Supermarkt Lose verkauft. Die Hauptgewinne: zwei halbautomatische AR-15-Sturmgewehre, wie sie auch der Vegas-Todesschütze in seinem Arsenal hatte.

Frankfurter Allgemeine

Wegen einer Verlosung von Sturmgewehren steht eine christliche Freikirche im amerikanischen Bundesstaat Mississippi in der Kritik. Gemeindemitglieder der Oasis Church of All Nations hatten laut einem Bericht der „Washington Post“ (Sonntag Ortszeit) Zehn-Dollar-Lose vor einem Supermarkt der Kleinstadt Oxford verkauft. Die Hauptgewinne: zwei halbautomatische AR-15-Sturmgewehre.

Das AR-15 zählt in den Vereinigten Staaten zu den populärsten Gewehren. Allerdings erlangte es immer wieder traurige Berühmtheit, weil Amokläufer die Waffe bei Massakern einsetzten. Auch der Todesschütze von Las Vegas, Stephen Paddock, hatte mehrere solcher Gewehre in seinem Arsenal.

weiterlesen

 

Käßmann kritisiert „verbale Aufrüstung“ in Deutschland – bei Luther liebt sie das

Margot Käßmann kritisiert die Stimmung im Land: Der AfD-Politiker Alexander Gauland wolle Merkel „jagen“, während Menschen anderer Herkunft tatsächlich gejagt würden. „Das ist beschämend“, sagte die Theologin. Der Ticker nach der Wahl.

DIE WELT

Die evangelische Theologin Margot Käßmann hat eine „verbale Aufrüstung“ in Deutschland beklagt. Menschen würden bedroht oder niedergebrüllt, weil sie anderer Meinung seien, sagte die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Leipziger Nikolaikirche. Während der AfD-Politiker Alexander Gauland es als Ziel von Politik angebe, andere „jagen“ zu wollen – er hatte den Satz in Bezug auf Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt – würden Menschen anderer Herkunft verachtet und tatsächlich gejagt. „Das ist beschämend für unser Land“, sagte Käßmann. Die Menschen in Deutschland müssten zu friedlichen Formen der Auseinandersetzung zurückfinden. Jeder könne etwas dazu beitragen, sich gegen die Hetze zu stellen.

weiterlesen

Chef der US-Umweltbehörde beendet Klimaschutz-Programm

Scott Pruitt ist 49 Jahre alt und seit Februar Chef der US-Umweltbehörde EPA. (Foto: AP)
  • Die US-Umweltschutzbehörde EPA will ein Programm zur Begrenzung klimaschädlicher Emissionen beenden.
  • EPA-Chef Scott Pruitt sagte am Montag, er werde am Dienstag eine Verordnung unterzeichnen, um den Plan für saubere Energie aus der Zeit von Barack Obamas Präsidentschaft abzuschaffen.
  • Mit dem Programm sollte der Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen von Kohlekraftwerken begrenzt werden.

Süddeutsche.de

Die US-Regierung will den Klimaplan von Ex-US-Präsident Barack Obama beenden. Der Leiter der Umweltbehörde EPA, Scott Pruitt, sagte am Montag im US-Bundesstaat Kentucky, er werde am Dienstag in Washington einen Gesetzentwurf zur Abschaffung des Clean Power Plan der Vorgängerregierung unterzeichnen. „Der Krieg gegen die Kohle ist vorbei“, sagte Pruitt bei einer Rede in Kentucky.

Der Clean Power Plan ist ein Klimaschutzdekret aus der Zeit Barack Obamas. Es zwingt die Betreiber von Kohlekraftwerken, ihre CO₂-Emissionen drastisch zu senken. Der Clean Power Plan von Obama sah vor, den Kohlendioxidausstoß von Kraftwerken bis 2030 um 32 Prozent unter das Niveau des Jahres 2005 zu senken.

weiterlesen

IS-Terroristen ergeben sich massenhaft Kurden

Gelbgrün: Peschmerga. Pflaumenfarben: Irakische Armee und schiitische Milizen. Karte: BlueHypercane761. Lizenz: CC BY-SA 4.0
Britische Studie untersucht Anziehungswirkung der Dschihadisten auf Triebtäter

Von Peter Mühlbauer | TELEPOLIS

Der New York Times zufolge haben sich letzte Woche mehr als tausend IS-Terroristen aus der knapp 60 Kilometer von Kirkuk entfernten Stadt Hawidscha den kurdischen Peschmerga ergeben. Im Vergleich zur Kapitulantenrate bei der Befreiung anderer Städte ist die Zahl bemerkenswert hoch: Als man neun Monate lang Mosul belagerte, ergab sich kaum ein IS-Kämpfer. Nachdem kurz darauf Tal Afar fiel, streckten etwa 500 Salafisten die Waffen. In Hawidscha gaben die über 1000 Terroristen nun bereits nach 12 Tagen Belagerung und weiteren drei Tagen schwerer Kämpfe auf.

Zahlreiche von ihnen geben an, ihre Vorgesetzten beim IS hätten ihnen gesagt, sie sollten sich nach Osten zu den Kurden flüchten. Die würden sie – anders als die mit der irakischen Armee verbündeten schiitischen al-Haschd asch-Schaʿbī-Milizen – nicht töten. Auf die Frage, warum er das glaube, antwortete einer der IS-Überläufer Reportern: „Sie sind zivilisierter als wir“. Der nordirakisch-kurdische Geheimdienst Asayish will nun in seinem Verhörzentrum Dibis herausfinden, ob es sich bei den angeblichen oder tatsächlichen IS-Abtrünnigen um Deserteure handelt, die nicht mehr an einen Sieg des IS glauben – oder um Schläfer, die das Kurdengebiet durch Selbstmordanschläge destabilisieren sollen.

weiterlesen

Autoritäre Staaten: Deutschland erteilt Exportlizenzen für Späh- und Kryptosoftware in Millionenhöhe

Die Bundesregierung hat von 2014 bis 2016 die Ausfuhr von Überwachungs- und Störtechnik an Länder wie Ägypten, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate im Wert von über 3,3 Millionen Euro genehmigt.

Von Stefan Krempl | heise.de

Das Bundeskabinett bemühte sich zwar im Sommer 2015, Lücken in der Exportkontrolle von Spähsoftware zu schließen und unter anderem auch Systeme zur Vorratsdatenspeicherung zu erfassen. Eine aktuelle Statistik wirft aber Zweifel auf, ob ihr dies in jedem Fall in der Praxis gelingt. So hat die Bundesregierung für die Jahre 2014 bis 2016 Exportgenehmigungen für Überwachungs-, Sicherheits- und Störtechnik in den Bereichen Internet, Festnetz und Mobilfunk in autoritäre Staaten im Nahen und Mittleren Osten in Höhe Warenwert von über 3,3 Millionen Euro erteilt, wie sie in einer jetzt veröffentlichten Antwort auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen bekannt gab.

weiterlesen

VERDACHT DES BETRUGS : Razzia bei AfD-Landeschef Hampel

Armin Paul Hampel während der Mittagspause der ersten Fraktionssitzung der Bundestagsfraktion der AfD im Deutschen Bundestag in Berlin. ©DPA
In Niedersachsen hat die AfD einen schweren Stand. Der Landesverband gilt als chaotisch. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft auch noch die Wohnung des Landesparteichefs durchsucht – und die Geschäftsstelle in Lüneburg.

Frankfurter Allgemeine

Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat am Montag die Privatwohnung des niedersächsischen Landesvorsitzenden der AfD, Armin Paul Hampel, im Landkreis Uelzen durchsucht. Die Ermittlungen gegen den Politiker wurden seit April dieses Jahres zunächst wegen Untreue und dann wegen Verdachts des Betrugs geführt. Die Einsatzkräfte seien auch in der Landesgeschäftsstelle der AfD in Lüneburg gewesen, teilte die Behörde mit.

Der 60 Jahre alte Hampel sei bei der Aktion nicht selbst angetroffen worden. Nähere Angaben zu den Tatvorwürfen und den Durchsuchungsergebnissen wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen.

weiterlesen

New Method Evaluates Antibiotics Based on the Tiny Vibrations of Dying Microbes

Image: Shutterstock
The NIST-developed technique could greatly speed up the process of diagnosing infections.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

Researchers have devised a way of classifying bacteria based on how it vibrates, according to a paper published in Scientific Reports. The technique, which relies on ultrasensitive piezoelectric sensors, makes it possible to determine the appropriate antibiotics to treat an infection in less than one hour.

Understand that when it comes to infections, timing is a big problem. The symptoms of an infection might look the same for a whole lot of different varieties of bacteria, many of which respond differently to different antibiotics. Classifying the bacterial culprit behind an infection is usually a matter of taking a sampling of bacterial cells, tossing them in a dish, and then waiting for them to multiply to the point that it’s possible to start testing out different antibiotics on the accumulated cells (or culture). This is called antimicrobial susceptibility testing (AST).

The problem is that this takes time. Usually, patients are treated with antibiotics immediately rather than waiting around for a culture to complete. This is a process of guesswork and the result is often antibiotic overtreatment. Patients are often given broad-spectrum antibiotics to treat infections caused by bacteria that might be knocked easily with a more limited antibiotic. Overuse of broad-spectrum antibiotics have several negative consequences, including increasing rates of antibiotic resistance.

read more