Bedingungsloses Grundeinkommen: Das Grundeinkommen ist nicht egalitär, sondern elitär

Das Grundeinkommen wurde nach dem Lebensentwurf eines Lottogewinners oder reichen Müßiggängers konstruiert, findet Christoph Butterwegge. (Foto: Robert Haas)
Seine Einführung würde das Ende des Sozialstaats bedeuten. Denn konstruiert ist es nicht für einen Minimalverdiener – sondern für einen Lottogewinner.

Von Christoph Butterwegge | Süddeutsche.de

Ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE), wie es in weiten Bevölkerungskreisen auf große Sympathien stößt, hat auf den ersten Blick etwas Faszinierendes: Statt wie im bestehenden Wohlfahrtsstaat nur jene Menschen durch eine spezielle Transferleistung wie das Arbeitslosengeld II aufzufangen, die weder über ein ausreichendes Erwerbseinkommen noch über Leistungsansprüche aus dem Versicherungssystem verfügen, sollen alle (Wohn-)Bürger ohne Ansehen der Person, ohne Arbeitspflicht und ohne besonderen Nachweis in den Genuss einer Zuwendung gelangen, die zur Sicherung ihrer materiellen Existenz ausreicht.

Nach jahrzehntelanger Flickschusterei am Sozialstaat, die immer neue Probleme und Streitigkeiten in der Öffentlichkeit mit sich brachte, erscheint der angestrebte Systemwechsel vielen Menschen geradezu als Erlösung: Hartz-IV-Bezieher hoffen, vom Druck ihres Jobcenters befreit zu werden, Steuerzahler glauben, nichts mehr von Reformen hören zu müssen, die – wie Hartz IV – keine Verbesserungen bringen. An die Stelle eines gleichermaßen komplexen wie komplizierten Wohlfahrtsstaates, individuell geltend zu machender Ansprüche und behördlicher Kontrollen soll ein Universaltransfer treten, der keiner großen staatlichen Bürokratie mit Sanktionsdrohungen mehr bedarf.

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Homosexualität: Heillose Forschung

Bild: bpb.de
Die Suche nach den epigenetischen Ursachen für Homosexualität stößt auf Kritik

Von Martin Koch | ND

Die Mehrung des Wissens genießt in unserer Kultur höchste Wertschätzung, gilt sozusagen als Wert an sich. Dabei hatte schon der englische Philosoph Francis Bacon darauf verwiesen, dass Wissen immer auch Macht ist. Macht, die dem Wohle von Menschen dienen, aber auch zu ihrer Diskriminierung und Ausgrenzung genutzt werden kann. Wer dies bedenkt, mag verstehen, warum namentlich Homo- und Transsexuelle wenig davon halten, dass Biologen und Mediziner nach den Ursachen ihrer sexuellen Orientierung forschen.

»Die Ursachen haben in der Geschichte der Lesben und Schwulen immer eine große Rolle gespielt«, sagt Markus Ulrich vom Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Denn homo- und transsexuelle Menschen mussten sich oft den Vorwurf gefallen lassen, dass ihr Sexualverhalten nicht natürlich sei. »Interessanterweise wurde nie nach den Ursachen von Heterosexualität gefragt.«

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Tierschutz: Gegen das Schweinesystem

Schweine stehen am Futtertrog im Stall eines Mastbetriebes. (Foto: dpa)
  • Zwei Männer verschaffen sich im Sommer 2013 nachts Zugang zu einer Schweinemastanlage in Sachsen-Anhalt.
  • Vor Gericht werden sie dafür vom Vorsitzenden Richter belobigt.
  • Es ist das erste Mal, dass Tierschützer in dieser Konstellation von einem Landgericht freigesprochen werden.

Von Cornelius Pollmer | Süddeutsche.de

Zwei Männer und eine Frau begehen Hausfriedensbruch und werden dafür von der Justiz belobigt – so ist es geschehen an diesem Mittwoch in Magdeburg, wo das Landgericht als Berufungsinstanz einen Freispruch des Amtsgerichts Haldensleben bestätigte. Das Handeln der Angeklagten sei nicht nur zu rechtfertigen, es sei ausdrücklich zu begrüßen, sagte der Vorsitzende Richter Ulf Majstrak in seiner Urteilsbegründung.

Weitgehend unstrittig war in beiden Verfahren der Hergang der zu verhandelnden Strafsache. Zwei Männer verschafften sich demnach im Sommer 2013 nachts Zugang zu einer Schweinemastanlage in Sandbeiendorf im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Sie kamen in Einwegkleidung und mit desinfizierten Kameras, um die Anlage nicht zu verunreinigen und auch keine Keime einzutragen. Ziel der Tierschützer war es, jene Zustände zu filmen, von denen eine Informantin ihnen vorher berichtet hatte.

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Verlagerung von Biodiversitätsforschung

Foto: pixabay.com
Wird die Biodiversitätsforschung zunehmend in Zweit- und Drittweltländer verlagert und verliert dort durch Massenpublikationen mäßig vorgebildeter Forscher an Wert?

Von Stefan Wirth | Richard-Dawkins-Foundation

Es erscheint zunächst plausibel: Ein sinnvoller Naturschutz muss zwingend an genaue Kenntnisse unserer Natur anknüpfen. Da unsere natürliche Umwelt zu erheblichen Teilen biologisch belebt ist, ist die Artenkenntnis eine wichtige Grundlage, um unsere irdischen Ökosysteme und damit auch uns selbst zu erhalten. Forscher gehen von insgesamt über acht Millionen Arten weltweit aus. Hierbei zeigen vor allem die Tiere eine hohe Artenvielfalt auf. Ein erheblicher Prozentsatz der Biodiversität, so der Fachterminus für Artenvielfalt, ist jedoch noch immer unbekannt.

Jeder vernünftige Mensch würde doch an dieser Stelle schlussfolgern, dass Biologen und insbesondere Zoologen händeringend benötigt würden, um zu dem Mammutprojekt „Biodiversitätsforschung“ Beiträge leisten zu können. Doch weit gefehlt! Deutsche Stellenangebote suchen in der Regel nach Pharma-Mitarbeitern oder versuchen stellenlose Wissenschaftler unter ihrem Leistungsniveau in Großlaboratorien der medizinischen Forschung unterzubringen. Der Rest bleibt ohne Anstellung und muss mitunter als Hatz-IV-Bezieher ein klägliches Dasein fristen.

Und die Biodiversitätsforschung? Die ist längst nicht mehr in Deutschland zuhause. Nur wenige Grüppchen sind bundesweit verteilt übrig geblieben, und die investieren mehr Zeit damit, ihre Ellbogen zu stärken, um ihre Fördermittel gegen Konkurrenten zu verteidigen, als in gute Forschung. Machtregierungen denken an nichts anderes als an ihren Machterhalt, kurzsichtiges Agieren, denn was nach ihnen passiert, ist ihnen völlig gleichgültig. Steuergelder wandern in die Geldbörsen gieriger Politiker, und das in rauen Mengen, und nicht dahin, wo sie hingehören: in die langfristige Sicherung der Zukunft. In der Zwischenzeit sterben Arten zu Hunderten aus, noch bevor sie überhaupt entdeckt und beschrieben werden können, und mit ihnen vergehen mitunter ganze Ökosysteme.

Dabei verfügte Deutschland über eine seit Jahrhunderten gewachsene Tradition in qualitativ hochwertiger Forschung in den Naturwissenschaften. Gerade in der Biologie waren deutsche Wissenschaftler weltweit bekannt für präzise Gedanken und sorgfältige Terminologien sowie gründlich durchdachte Hypothesen. Inzwischen sind deutsche Spezialisten im Umfeld der Biologie entweder auf Dauer arbeitslos oder zu Überlebenskünstlern geworden. Die USA haben das Feld übernommen, sie investieren immense Forschungsgelder in die Grundlagenforschung. Und das doch mit für das Land typischen Einschränkungen. Wer sich einen US-Wahlkampf anschaut, wer Hollywood-Action-Filme konsumiert, der weiß, dass subtiles Gedankengut oft nicht Sache der US-Amerikaner ist. So auch allzu häufig nicht in den Naturwissenschaften.

USA sequenziert vorwiegend

Terminologien, die wir sorgsam voneinander abgrenzen, werden gerne lax pauschalisiert verwendet. Feinheiten des Artbegriffes? Für manche Systematiker völlig uninteressant! Die USA sequenziert vorwiegend, das ist zeitgemäß und erfasst die Artenvielfalt objektiv und genau, so jedenfalls glaubt man. Einwände werden nicht selten als unmodern verworfen. Aber welches Gen kodiert denn nun für die Artgrenze? Blöde Frage, kein bekanntes natürlich, die Grenzen, die legen wir einfach willkürlich fest. Aber wer um alles in der Welt wählt denn dann das Material nach sinnvollen Kriterien aus, das überhaupt zur Sequenzierung gelangt? Gute Frage, so die Antwort, hier werden nach wie vor Spezialisten benötigt, aber bitte, günstig müssen sie sein und produktiv im Akkord. Ich berichte hier aus meinen eigenen Erfahrungen im Bereich der systematischen Milbenforschung.

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Angst vor Infiltration durch islamistische Extremisten

Immer mehr Tunesier gelangen derzeit nach Sizilien. In Rom befürchtet man, dass sich im westlichen Mittelmeer eine neue Schleuse für schwarzafrikanische Migranten auftut.

Von Andrea Spalinger | Neue Zürcher Zeitung

Sie brechen in der Dunkelheit der Nacht auf Fischkuttern von der tunesischen Küste aus Richtung Italien auf. In kleinen Gruppen von ein paar Dutzend Personen. Ohne Radar und Satellitentelefone, um nicht aufgespürt zu werden. Die Fluchtroute ist allerdings nicht neu. Seit Jahrzehnten versuchen Tunesier über das westliche Mittelmeer nach Italien zu gelangen. Zuletzt waren 2011 nach dem Ausbruch des Arabischen Frühlings Zehntausende in Lampedusa angekommen. Mit einem Rückführungsabkommen zwischen Rom und Tunis konnten die Überfahrten danach allerdings deutlich reduziert werden.

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Nordsee: Diese Riesenflut vernichtete eine ganze Insel

Nur Pellworm und Nordstrand blieben von der großen Insel Strand übrig Quelle: Infografik Die Welt
Im Oktober 1634 kam Gottes Zorn über die nordfriesische Insel Strand. Ein Orkan zerstörte die Deiche, rund zwei Drittel der Einwohner ertranken. Die größte Insel des Wattenmeeres versank.

Von Florian Stark | DIE WELT

Peter Sax, ein wohlhabender Bauer von der Insel Strand, erinnerte sich genau: „Um sechs Uhr am Abend fing Gott der Herr aus dem Osten mit Wind und Regen zu wettern, um sieben wendete er den Wind in den Südwesten und ließ ihn so stark wehen, dass fast kein Menschen gehen oder stehen konnte, um acht und neun waren alle Deiche schon zerschlagen … um zehn Uhr war alles geschehen.“ Strand, die größte Insel des Wattenmeeres, war ein Opfer der Nordsee geworden und mit ihr bis zu 15.000 Menschen. Als „Grote Mandränke“ ist die Burchardiflut am 11./12. Oktober 1634 in die Geschichte eingegangen.

Die Insel Strand war schon in den Jahrhunderten zuvor von starken Sturmfluten getroffen worden. Das sagenumwobende Rungholt wurde im Januar 1362 von der Zweiten Marcellusflut zerstört; erst in den 20er-Jahren fanden Ausgräber Spuren der Stadt etwa 40 Kilometer westlich von Husum. Mit ihren 1500 Einwohnern war sie im Mittelalter etwa so groß wie Kiel gewesen.

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Geheimoperation Artemis: Es war die größte Kinderporno-Site der Welt – und die Polizei steckte dahinter

Im Kampf gegen Kinderpornografie führte die australische Polizei eine verdeckte Operation durch. In ihrem verlauf wurden Benjamin Faulkner (l.) und Patrick Falte (r.) festgenommen und zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. © picture alliance
Fast ein ganzes Jahr lang betrieb die Task Force Argos eine Kinderporno-Website. Die australische Sondereinheit sah zu, wie Kinder vergewaltigt werden. Mehr noch: Sie verbreitete selbst pornografisches Material. Enttarnte damit allerdings mehrere Produzenten und Konsumenten. Die Geschichte einer Operation im Darknet.

Von Ellen Ivits | stern.de

Am 15. April 2016 erblickte im Darknet eine neue Seite das Licht der Welt: „Childs Play“. Was sich unter dem perfiden Titel verbarg, war eine Kinderpornografie-Seite. Mit einem einzigen Ziel: Kinderpornografie zu verbreiten und zu konsumieren. Schnell stieg der Newcomer zu einer der größten Plattformen seiner Art auf. Mehr als 1.000.000 Profile wurden angelegt.

Der Betreiber der Website operierte unter dem ominösen Pseudonym WarHead. In der Anonymität des Darknets wähnte er seine Identität sicher verborgen. Doch wie so vieles in den Tiefen der digitalen Unterwelt war auch diese Annahme trügerisch. Im Herbst 2016 machte sich nämlich Einar Otto Stangvik auf die Suche nach der Person hinter dem Nickname. Nach vielen gescheiterten Versuchen fand der Computerexperte der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“ schließlich das, wonach er suchte: eine Schwachstelle in der Software hinter der Website. Man brauchte lediglich die richtige Frage zu stellen und schon spuckte das System die entsprechende IP-Adresse heraus.

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Predictive Policing: Polizei-Datenanalyse arbeitet nicht wie gewünscht

Polizeifahrzeug in Hamburg. (Bild: OlliFoolish / Wikipedia / cc-by-sa-3.0)
Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Vorhersage von Straftaten mittels Big Data geringere Effekte hat als erwartet.

Von Ben Schwan | heise.de

In mehreren Städten in Deutschland werden mittlerweile Analyseprogramme verwendet, um kriminelle Hotspots aufzudecken. Der Computer, gefüttert mit Daten von Einbrüchen, errechnet, wo die Täter wahrscheinlich als Nächstes zuschlagen werden. Die Polizei kann reagieren, noch bevor die Kriminellen zuschlagen. So weit die Vision. Doch niemand hatte unabhängig geprüft, ob das Ziel wirklich erreicht wird. DIe Ergebnisse einer ersten derartigen Studie sind ernüchternd, berichtet Technology Review in seiner November-Ausgabe („Entzauberte Vorhersage„), die ab Donnerstag am Kiosk erhältlich sowie online bestellbarist.

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Türkisches Gericht verurteilt Journalistin des «Wall Street Journal» zu zwei Jahren Gefängnis

Ein türkisches Gericht hat eine Reporterin des «Wall Street Journal» (WSJ) wegen Terrorpropaganda zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und einem Monat verurteilt.

Von Marco Kauffmann Bossart | Neue Zürcher Zeitung

Ayla Albayrak wurde laut der amerikanischen Zeitung wegen eines Artikels vom Juli 2015 angeklagt, in dem sie über den Einsatz der türkischen Sicherheitskräfte im kurdischen Südosten des Landes berichtete. In der Reportage zu Wort kam auch ein Mitglied einer Jugendorganisation, die der extremistischen Arbeiterpartei Kurdistans nahesteht. Albayrak, eine türkisch-finnische Doppelbürgerin, hält sich gemäss dem WSJ derzeit in New York auf. Der Medienkonzern Dow Jones, Herausgeber des WSJ, bezeichnete die Vorwürfe als haltlos und das erstinstanzliche Urteil als inakzeptabel. Das Verdikt ist eine weitere Belastung für die strapazierten Beziehungen zwischen Amerika und der Türkei. Zu Wochenbeginn verhängten beide Länder gegenseitig eine Visasperre.

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Atomkraftwerke: Schwere Mängel in Frankreich und Belgien

Der französische Uralt-Reaktor Fessenheim liegt nur einen Kilometer von der deutschen Grenze entfernt und ist als Pannenmeiler berüchtigt. © Florival fr/ CC-by-sa 3.0
Brisante Informationen: Französische und belgische Atomkraftwerke weisen offenbar gravierende Sicherheitsmängel auf. Das ergab eine aktuelle Studie im Auftrag von Greenpeace Frankeich. Demnach sind vor allem die Abklingbecken mit den hochradioaktiven abgebrannten Brennstäben meist nur unzureichend geschützt. Die Ergebnisse sind dabei laut Angaben von Greenpeace so brisant, dass sie zunächst nur französischen Behörden die Details erfahren haben.

scinexx

Welche Gefahr von Atomkraftwerken ausgehen kann, hat sich spätestens bei den Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima gezeigt. Eigentlich wäre zu erwarten, dass die europäischen Kraftwerksbetreiber daraus ihre Lehren gezogen haben – offenbar ein Fehlschluss.

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Erzapostel Marx – Asylrecht kann man nicht begrenzen

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Kardinal Reinhard Marx ermahnt nicht nur die Union zu einer humaneren Flüchtlingspolitik. Er hat auch eine Botschaft an die Anhänger der AfD.

Von Markus Decker | Frankfurter Rundschau

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchener Kardinal Reinhard Marx, hat den Unions-Kompromiss zur Flüchtlingspolitik kritisiert. „Der Begriff der Obergrenze ist nicht hilfreich“, sagte er am Dienstag vor Journalisten in Berlin. „Das Asylrecht kann man nicht begrenzen.“ Zwar taucht der von der CSU geforderte Begriff in dem Papier letztlich nicht auf; auch soll das Asylrecht weiter gelten. Allerdings wird die Zahl 200.000 als faktische Flüchtlingsobergrenze genannt. Marx fügte deshalb hinzu: „Die Zahl ist irgendwie fiktiv; ich kann sie nicht genau verstehen.“

Insbesondere mahnte er in Abgrenzung zu dem Unionspapier die Möglichkeit zum Familiennachzug an. „Wer auf Dauer hier ist, muss seine engsten Familienangehörigen zu sich holen können. Man kann nur in äußerster Not sagen: Wir trennen eine Familie.“ Dies sei für die katholische Kirche ein entscheidender Punkt. Überhaupt stehe das C im Namen von CDU und CSU „nicht für konservativ“.

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Biss eines Polizisten kann Sicherungshaft begründen

Polizei bei einer Festnahme © Keith Allison @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Leistet jemand Widerstand gegen eine drohende Abschiebung, kann sein Verhalten die Annahme von Fluchtgefahr begründen. Das entschied der Bundesgerichtshof im Fall eines Marrokaners.

MiGAZIN

Beißt jemand wegen einer drohenden Abschiebung einen Polizisten, kann dies eine Sicherungshaft begründen. Denn mit dieser Widerstandshandlung könne der Betreffende ausdrücken, sich der Abschiebung entziehen zu wollen, stellte der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss klar. (AZ: V ZB 5/17) Die Haft könne wegen der anzunehmenden Fluchtgefahr dann gerechtfertigt sein.

Im konkreten Fall sollte ein Marokkaner, der im Jahr 2000 mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren nach Deutschland eingereist war, wegen langjähriger Jugendstrafen in sein Heimatland abgeschoben werden. Zu einem Abschiebungstermin erschien er nicht.

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„BEN AND JERRY’S“: Glyphosat in Speiseeis gefunden

„Unsere Produkte sind sicher und können bedenkenlos verzehrt werden“, erklärte Unilever. ©DPA
Experten finden Spuren eines umstrittenen Unkrautvernichtungsmittels in Speiseeis. Hersteller Unilever erklärt daraufhin, die Produkte könnten bedenkenlos verzehrt werden. Glyphosat sei in nahezu allen Lebensmitteln zu finden.

Frankfurter Allgemeine

Spuren des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat haben Wissenschaftler in Speiseeis-Proben aus Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern gefunden. „Untersuchungen aus Frankreich und Großbritannien weisen darauf hin, dass der Glyphosatgehalt aus den meisten Proben von ,Ben and Jerry’s‘ Eiscreme wahrscheinlich ein Gesundheitsrisiko darstellt“, sagte der Forscher Gilles-Eric Séralini am Dienstag in Brüssel. Er stellte seine Forschungsergebnisse dort auf einer Pressekonferenz der Grünen im Europäischen Parlament vor.

Der amerikanische Wissenschaftler John Fagan sagte, in 13 von 14 untersuchten Eisproben habe man Glyphosat in einer Konzentration von bis zu 1,23 Nanogramm pro Milliliter gefunden. Fagan untersuchte „Ben and Jerry’s“ Eis aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden. Parallel getestete Bio-Eiscreme habe kein Glyphosat enthalten, sagte er. Der Hersteller Unilever betonte, die nachgewiesenen Glyphosatspuren lägen deutlich unter allen Grenzwerten, die in den Vereinigten Staaten und Europa gälten.

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Erstmals Streik an einem katholischen Krankenhaus

Bild: tilly
Krankenschwestern arbeiten oft unter extrem belastenden Bedingungen – und wenn ihr Krankenhaus der katholischen Kirche gehört, dürfen sie nicht mal streiken. Eine kleine Klinik im Saarland wagt den Tabubruch.

Von Matthias Kaufmann | SpON

Das kleine Krankenhaus von Ottweiler ist etwas Besonderes. Nicht, weil die Pflegekräfte überarbeitet sind – so ist es ja in ganz vielen Kliniken, überall im Land. Dass die Schwestern oft alleine auf der Station Dienst schieben, kaum wissen, wie sie mit dem Arbeitsdruck fertigwerden sollen, oder wie sie bei dem Stress den Kranken Nähe und Geborgenheit vermitteln: Das ist gang und gäbe.

Was die Marienhausklinik in der saarländischen Kleinstadt Ottweiler wirklich besonders macht, ist etwas anderes: An diesem Mittwoch wird dort gestreikt – das erste Mal an einem Krankenhaus, das sich in katholischer Trägerschaft befindet.

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Evangelische Kirche erhöht Mitarbeitern die Miete deutlich

Bild: tilly
  • Die evangelische Landeskirche stellt einem Teil ihrer Mitarbeiter in München vergünstigten Wohnraum zur Verfügung.
  • Nach 18 Jahren sollen die Mieten für die Wohnungen steigen – derzeit sind sie zum Spottpreis von 4,04 bis 5,85 Euro pro Quadratmeter zu haben.
  • Die Erhöhung auf bis zu 13 Euro pro Quadratmeter sehen viele Kritiker allerdings als unverhältnismäßig.

Von Jakob Wetzel | Süddeutsche.de

Die Überschrift wirkt freundlich. „Solidarisches Wohnen“ hat Erich Barzen, Finanzchef der evangelischen Landeskirche (ELKB), seinen Brief an die Mitarbeiter der Kirchenverwaltung überschrieben. Solidarität, das erinnert an Mitgefühl, an Kollekten und an die christliche Soziallehre – wer kann da schon dagegen sein? Doch in den Augen vieler Adressaten bedeutet „Solidarisches Wohnen“ etwas anderes.

Denn in dem Brief steht: Die Kirche erhöht ihren Mitarbeitern die Mieten, langfristig sollen sie sich mehr als verdoppeln. Die erste Erhöhung ist am 1. November fällig. Und jetzt ist die Unruhe im Landeskirchenamt groß. Angestellte klagen, die Kirche beteilige sich an einer „moralisch fragwürdigen Mietmarktpolitik“. Die Mitarbeitervertreter reichten sogar Klage gegen die Amtsleitung ein – ihnen zufolge ist das ein einzigartiger Vorgang in der Geschichte des Amtes.

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Silicon Valley Is Inserting its Biases into Nearly Every Technology We Use

Image: Shutterstock
A new book argues that algorithmic bias is a result of the insular, mostly white tech industry.

By Stephanie Russell-Kraft | MOTHERBOARD

In 2015, a Google Photo algorithm auto-tagged two black friends as „gorillas,“ a result of the program having been under-trained to recognize dark-skinned faces. That same year, a British pediatrician was denied access to the women’s locker room at her gym because the software it used to manage its membership system automatically coded her title—“doctor“—as male. Around the same time, a young father weighing his two-and-a-half-year-old toddler on a smart scale was told by the accompanying app not to be discouraged by the weight gain—he could still shed those pounds!

These examples are just a glimpse of the embedded biases encoded in our technology, catalogued in Sara Wachter-Boettcher’s new book, Technically Wrong: Sexist Apps, Biased Algorithms, and Other Threats of Toxic Tech. Watcher-Boettcher also chronicles more alarming instances of biased tech, like crime prediction software programs that mistakenly code black defendants as having a higher risk of committing another offense than white defendants, and design flaws in social media platforms that leave women and people of color wide open to online harassment.

Nearly all of these examples, she writes, are the result of an insular, mostly-white, tech industry that has built its own biases into the foundations of the technology we use and depend on. „For a really long time, tech companies thrived off of an audience that wasn’t asking the tough questions,“ Wachter-Boettcher told me during a recent phone interview. „I want people to feel less flummoxed by technology and more prepared to talk about it.“

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Mütter leiden unter Doppelbelastung

Tausende Mütter und Väter verausgaben sich jeden Tag für Familie, Arbeit und Angehörige. Bis sie sich Hilfe holen ist ihre Belastungsgrenze oft überschritten. Das Müttergenesungswerk spricht sich für mehr Beratungsstellen aus.

evangelisch.de

Sie hetzen vom Job, zur Kita, in die Schule und dann nach Haus, am Abend wartet der Haushalt, die Kinder wollen versorgt werden. Der Spagat zwischen Familie und Arbeit setzt vor allem Mütter unter Druck. Wie das Müttergenesungswerk am Dienstag in Berlin mitteilte, nahmen im vergangenen Jahr rund 49.000 Mütter und etwa 71.000 Kinder eine Kur in Anspruch. Zudem nahmen 1.600 Väter an spezifischen Maßnahmen teil. Allerdings geht das Werk von deutlich mehr kurbedürftigen Eltern aus.

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Bannon zeigt Trump, wer eigentlich die Macht besitzt

Steve Bannon wettert häufig gegen das Republikaner-Establishement Quelle: AP/Brynn Anderson
Kaum aus dem Weißen Hauses verbannt, treibt der ehemalige Chefstratege den Präsidenten von außen vor sich her. Steve Bannon kämpft für seine radikale Agenda – und kennt auch mit seinem Ex-Chef kein Pardon.

Von Ansgar Graw | DIE WELT

Er ist wieder da und dominiert stärker als je zuvor das Weiße Haus. Sein Name: Steve Bannon. Der Nationalrevolutionär kämpft für die Agenda des Donald Trump. Wohlgemerkt: für die Agenda – und allenfalls noch am Rande für den Präsidenten selbst.

Der republikanische Senator Bob Corker solle „unverzüglich zurücktreten“, fordert Bannon, der im August als Trumps Chefstratege entlassen wurde und jetzt wieder Breitbart.com leitet, das Internetportal der alternativen Rechten. Corker, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat, hatte Trumps Befähigung für das Präsidentenamt in Abrede gestellt und das Weiße Haus als „Betreuungszentrum für Erwachsene“ bezeichnet – in Adult Daycare Centers werden demente Amerikaner versorgt.

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Osmanen-Comedy: Erdoğan verweigert US-Botschafter Abschiedsbesuch

Bild: Magazin „The Economist“
  • Der türkische Präsident Erdoğan greift den US-Botschafter in der Türkei, John Bass, persönlich an.
  • Bass hatte zuvor in einem Video-Statement Stellung bezogen zu den von Washington verhängten Visa-Beschränkungen in US-Vertretungen in der Türkei.
  • Ursprung des Zwists der beiden Nato-Staaten ist die Festnahme eines türkischen Mitarbeiters des US-Konsulats in Istanbul in der vergangenen Woche.

Süddeutsche.de

Im Visa-Streit mit den USA greift der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğannun den scheidenden US-Botschafter in der Türkei scharf an. Er erkenne John Bass nicht mehr als offiziellen Vertreter Washingtons an, sagte Erdoğan bei einem Besuch in Serbien.

Der Botschafter, der demnächst nach Afghanistan entsandt wird, mache derzeit seine Abschiedsbesuche, sagte Erdoğan der türkischen Hürriyet zufolge. „Aber weder unsere Minister noch der Sprecher des Parlaments noch ich selbst haben diese Abschiedsbesuche akzeptiert, da wir ihn nicht als den Repräsentanten der USA in der Türkei sehen.“

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The case for impeachment: New report meticulously details evidence that Trump obstructed justice

Image: NBCNews/YouTube
While special counsel Robert Mueller is still investigating President Donald Trump’s decision to fire former FBI Director James Comey, three legal experts think they already have enough evidence to charge the president with obstruction of justice, which was a key charge in the impeachment case against former President Richard Nixon.

By Brad Reed | RawStory

In a new paper published by the Brookings Institute, authors Norm Eisen, Barry Berke and Noah Bookbinder make a detailed case that Trump did indeed fire Comey with the intention of thwarting the investigation into Russia’s interference with the 2016 presidential election.

Specifically, they note that Trump’s own public statements might give prosecutors all the ammunition they need to prove the president had a corrupt intention in his decision to fire Comey, whose bureau was taking a lead role in the Russia investigation.

“President Trump’s behavior is certainly suggestive of corrupt intent with respect to the Russia and Flynn investigations,” they write. “For example, President Trump has articulated multiple, shifting rationales for Comey’s firing. The first explanation for terminating Comey, as articulated by the president in a May 10 tweet and in the Rosenstein memo, was that Comey had mishandled the investigation into Hillary Clinton’s email, and had lost the confidence of his subordinates. Soon thereafter, President Trump reversed course and said… that the Russia investigation was on his mind when he made the decision to fire Comey.”

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