Wie wissenschaftlich ist die Gender-Forschung?


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Ob gerechte Sprache oder Frauenquote – viele Themen und Forderungen des Feminismus berufen sich auf Ergebnisse der Gender-Forschung. Doch die steht in der Kritik. Zu Recht?

Von Jan-Martin Wiarda | Spektrum.de

Es war ein Vorwurf mit Aufmerksamkeitsgarantie. Die Genderstudies seien „der akademische Sargnagel der Frauenemanzipation“, schrieb ein ehemaliger Gender-Student in der „Emma“. Die meisten Lehrveranstaltungen der Geschlechterforschung hätten kein Interesse mehr an feministischem Gedankengut, sie trügen Titel wie „Muslim Queer Subjectivities and Islamic Ethics“, diskutiert werde über „Critical Whiteness“, „Intersektionalität“ oder „Femonationalismus“.

Soweit eine normale Auseinandersetzung unter Fachvertretern, könnte man denken, mit spitzer Feder, aber so entstehen halt akademische Debatten. Doch dann holte Vojin Saša Vukadinović, inzwischen Koordinator eines Graduiertenkollegs an der Universität Zürich, die ganz große Keule raus: Der queerfeministische Nachwuchs, befand er, „pöbelt auf dem Campus“, die Sprache des Fachs sei unverständlich, das methodische Vorgehen stehe in merklichem Kontrast zur Arbeit anderer Disziplinen. Die Studierenden lernten nicht, globale Probleme objektiv zu erfassen, sondern sie durch eine hochgradig antiimperialistische Agenda zu filtern. „Das Studium der Genderstudies macht Studierende oft nicht schlauer, sondern in vielen Fragen dümmer.“

Zu wenig feministisch?

Da war er wieder, der Vorwurf, mit dem sich die Genderstudies regelmäßig auseinandersetzen müssen, eigentlich seit ihrem Bestehen: Das ist doch keine richtige Wissenschaft oder, wie der Konstanzer Evolutionsbiologe Axel Meyer es formuliert: „Wer Beiträge der bekanntesten Gender-Forscherin Judith Butler liest, merkt sofort, dass ihre Äußerungen größtenteils auf Ideologie und Aktivismus gründen und weniger auf empirischer und wissenschaftlicher Fundierung.“

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