Reformation quergedacht: „Da scheitert die PR der Kirche“


Festumzug zum Elbhangfest 2017: anliegende Orts-Gemeinden weisen auf die nächste Strukturreform der Sächsischen Evangelischen Landeskirche hin am 24.6.17 (Deutschlandradio / Rainer Oettel / Grafik / Deutschlandradio)
Die Kirche habe sich von dem Reformationsjahr sehr viel erhofft, sagte Hannes Leitlein im Dlf. Doch die Bedeutung der Reformation und des Glaubens seien zu kurz gekommen, so der Redakteur von „Christ und Welt“.

Hannes Leitlein im Gespräch mit Stefan Fries | Deutschlandfunk

Stefan Fries: Wer in Ostdeutschland lebt oder da diesen Sommer unterwegs war so wie ich, der ist an einem kaum vorbeigekommen: am Reformator Martin Luther. Kaum eine Stadt, in der Luther vor 500 Jahren war und die das nicht dieses Jahr feiert. Mit großer PR der Kirche, mit großer Begleitung in den Medien, aber weniger Anteilnahme von Zuschauern als erwartet. Hannes Leitlein hat das mitverfolgt, er ist Redakteur bei „Christ und Welt“, das der Wochenzeitung „Die Zeit“ beiliegt. Ihn habe ich heute Mittag gefragt, was sich die Kirche vom Reformationsjubiläum eigentlich versprochen hat.

Hannes Leitlein: Die haben sich sehr viel versprochen, vielleicht sogar zu viel, könnte man sagen. Man hat in manchen Reihen und in manchen Äußerungen sogar so was wie ein zweites Sommermärchen erwartet. So wie die Fußball-Weltmeisterschaft Deutschland bewegt hat, das hat sich die Kirche auch von diesem Reformationsjubiläum erhofft, und da, muss man sagen, hat sie sich teilweise ganz schön überschätzt.

Fries: Woran lag das?

Leitlein: Das hat ganz, ganz viele Gründe, die jetzt auch in der Kirche erörtert werden, ganz intensiv. Bald steht die Synode an, da wird das intensiv hinterfragt, auch in der Kirche, dafür ist die evangelische Kirche ja bekannt. Man hat die Erwartungen so hochgeschraubt, dass es am Ende schwer glaubwürdig war und auch nicht mehr zu erreichen, also diese Idee von einem Sommermärchen. Luther hat sehr gut funktioniert. Das Emblem kennen alle, diese Figur, man hat sich irgendwie das zurechtgerückt, man weiß, der hat da die Thesen an die Tür geschlagen, und das wollten die Leute sehen. Deswegen sind die Leute auch nach Wittenberg gefahren. Aber alles, was damit zu tun hat, was die Kirche heute mit Reformation vorhat und im Sinn hat, also Kirche, wie sie heute da ist, das war nicht so interessant, und das ließ sich auch schwer bewerben.

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