ZISTERZIENSER & CO.: „Diese Mönchsorden lassen sich mit dem IS vergleichen“


König Ludwig VII. von Frankreich wird 1146 für den Kreuzzug gesegnet, angestachelt durch die Predigt des Zisterziensers Bernhard (in Weiß, links neben dem Mönch in Schwarz) Quelle: Corbis Historical / Getty Images
Sie haben den Hass gepredigt und am Krieg gut verdient: Eine Bonner Ausstellung präsentiert „Die Zisterzienser“ als mittelalterlichen Konzern. Ein Fachmann vermisst ihren Hang zum Fundamentalismus.

Von Andreas Fasel | DIE WELT

Als „Konzern der weißen Mönche“ porträtiert derzeit eine große Ausstellung in Bonn die Zisterzienser. Das LVR-Landesmuseum hat 200 kostbare Objekte aus ganz Europa zusammengetragen, um, wie es heißt, die Erfolgsgeschichte dieses außergewöhnlichen Ordens und seine Entwicklung zu einem der mächtigsten Verbände der Christenheit vorzustellen. Ob diese Schau gelungen ist? Das ist eine Frage für den in Bonn lebenden Theologen und pensionierten Gymnasiallehrer Hermann J. Roth, der selbst Zisterzienser war und sich mit der Geschichte der Mönchsorden bestens auskennt.

DIE WELT: Im Rheinischen Landesmuseum Bonn werden derzeit die Zisterzienser mit einer Ausstellung gefeiert – als ein Orden, der seit seiner Gründung im 12. Jahrhundert unsere Gesellschaft maßgeblich geprägt hat.

Hermann J. Roth: Der Untertitel der Ausstellung lautet sogar: „Das Europa der Klöster“. Doch wenn man sich die Karte mit den Zisterzienser-Klöstern in Europa und auch hier im Deutschland genauer anschaut, merkt man schnell, dass da sehr viele wichtige Klostergründungen aus derselben Zeit fehlen.

DIE WELT: Wie kommt das?

Roth: Die Zisterzienser waren nur ein Wellenkamm in einer großen Woge einer Jugendbewegung. Es gab neben den Zisterziensern noch viele andere, die im 11. und 12. Jahrhundert back to the roots strebten, wie wir heute sagen würden. Allesamt waren sie junge Leute, die sich wieder ganz auf den Wortlaut der Bibel beziehen wollten. Und auf die Mönchsregel des heiligen Benedikt. Diese Bewegung begann zunächst in Italien, später griff sie auf Frankreich über. Dort bildeten sich dann mehrere Kristallisationspunkte, wo Jugendliche zusammenfanden und miteinander diskutierten. Und nachdem sie sich heißgeredet hatten, schwärmten sie aus. Und jeder von ihnen versuchte, seine Vorstellungen zu realisieren. Denn sie waren sich zwar in ihrem Grundanliegen einig, doch die Wege, die sie einschlugen, unterschieden sich gewaltig voneinander.