Der ostdeutsche Patient und seine Gesundbeter

Wahlplakat der CDU 1998. Bild: CDU/CC BY-SA-3.0
Nach dem AfD-Erfolg wächst die Schar der Ossi-Versteher

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Die Wahlerfolge der AfD haben vielerlei Diskussionen ausgelöst. In der Jungle World wird diskutiert, ob das Mehrheits- oder das Verhältniswahlrecht die Rechten kleinhält. Andere bekennen sich umso inniger zur bürgerlichen Demokratie als der besten aller Welten. Und auch eine Ossi-Debatte haben uns die Rechten eingebrockt.

Ist die AfD in der ehemaligen DDR deshalb besonders erfolgreich, weil die Ossis späte Rache an der westlichen Arroganz nehmen wollen. Das zumindest behauptete die Inlandredakteurin der Taz Simone Schmollack.

Sie hatten auch gehofft, irgendwann bekommen sie ihr Land wieder – nachdem die Treuhand die sogenannte dritte Garde aus Westmanagern nach Delitzsch, Wittenberge und Chemnitz geschickt hatte, um Betriebe abzuwickeln. Irgendwann brummen ostdeutsche Wirtschaft und Wissenschaft schon wieder – hatten sie geglaubt. Und die Politik in Neubrandenburg, Zwickau und Erfurt werde von Ostdeutschen gemacht. So wie auch Zeitungen, Radio und Fernsehen. Irgendwann haben wir unser Land wieder. Dafür nehmen wir auch mal diese westdeutsche Arroganz in Kauf. Im Verdrängen sind wir ja gut.

Heute, fast 30 Jahre nach dem Ende der DDR, haben die Ostdeutschen ihr Land aber nicht wieder. Es ist nach wie vor in Wessihand. Nicht in den verödeten ostdeutschen Dörfern in der Prignitz, im Muldentallandkreis, im Ueckerrandowkreis. Dort herrscht ostdeutsche Lethargie vom Feinsten: Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Alter.

Simone Schmollack

Schmollack beschreibt recht präzise den Elitenwechsel nach 1989, vergisst aber das Wesentliche. Es geschah eine kapitalistische Landnahme, gegen die sich die Mehrheit der DDR-Bevölkerung nicht gewehrt hat. Sie hat vielmehr genau der Allianz für Deutschland um Helmut Kohl die Mehrheiten gegeben, die die besonders schnelle Durchsetzung des westdeutschen Kapitalismus versprochen hat.

Hätte die DDR-Bevölkerung im politischen Unterricht besser aufgepasst, hätte ihnen schon auffallen müssen, dass der Mehrheit der Bevölkerung im Kapitalismus nicht das Land, nicht die Fabriken und nicht die Häuser gehören. Vor 1989 gehörte es im Wesentlichen einer aus Kernen der alten Arbeiterbewegung entsprungenen Nomenklatura. Dagegen hat die Mehrheit der DDR-Bevölkerung auf den ganz normalen Kapitalismus gesetzt und den hat sie bekommen.

Auch Katharina Rohnstock ist Ossi-Versteherin. Sie hat das sogar zu ihrem Beruf gemacht. Ihre Firma hat sich auf das Schreiben von vor allem ostdeutschen Biographien spezialisiert. In der Wochenzeitung Freitag hat sie zumindest anerkannt, dass der Kapitalismus nicht einfach über die DDR-Bevölkerung übergestülpt wurde.

Nach der Wende haben viele Menschen zwischen Rostock und Zwickau mit großem Enthusiasmus die CDU gewählt und wurden enttäuscht: Blühende Landschaften fanden sie vorzugsweise dort, wo Unkraut in abgewrackten Fabriken spross. Dann wandten sich viele der SPD zu, in der Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit – und wieder hatten sie sich getäuscht.

Und die Linken, organisiert in der PDS? Sie hätte am ehesten die Stimme des Ostens sein können, kämpfte aber jahrelang um ihre Existenz, gegen Rote-Socken-Kampagnen und Stasi-Vorwürfe. Die Linken versäumten es, gemeinsam mit den Menschen in den neuen Ländern an einer Geschichte zu schreiben, die Lebensleistungen reflektierte und ein selbstbestimmter Gegenentwurf zum herrschenden Geschichtsbild war.

Katharina Rohnstock

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Politisch Verfolgte genießen Asylrecht – aber nicht in Europa

Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Ingelheim. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass die EU die Voraussetzungen für Asyl so erschwert, dass es schier unmöglich ist, dieses Recht überhaupt zu beantragen. (Foto: dpa)
In Berlin streiten sich die Parteien über die Asylpolitik. Doch das sind nur Schaukämpfe, während Brüssel gerade ein neues Koordinatensystem für Flüchtlinge baut – und zwar eins, das ihnen den Zugang zum Asylrecht versperrt.

Von Heribert Prantl | Süddeutsche.de

Die entscheidenden Gespräche zur Zukunft der Flüchtlingspolitik finden womöglich nicht in Berlin, sondern in Brüssel statt. In Berlin wird es Schaukämpfe geben, die allen Beteiligten Gesichtswahrung erlauben sollen. In Brüssel wird derweil die Flüchtlingspolitik neu geordnet – und zwar so, dass Flüchtlingen der Zugang zum Asylrecht versperrt wird; diesmal nicht mit Stacheldraht, sondern mit Paragrafen.

Dem Asylverfahren in Europa soll ein sogenanntes Zulässigkeitsverfahren vorgeschaltet werden, in dem festgestellt wird, ob der Asylsuchende in der EU überhaupt einen Asylantrag stellen darf. Wenn nicht, also bei Unzulässigkeit der Antragstellung, folgt Zurückschiebung in Staaten wie Türkei, Libyen, Niger oder Mali. Der Kreis solcher Herkunfts- und Drittstaaten, die als sicher erklärt werden, soll angeblich erheblich vergrößert werden. Es muss nicht sein, dass der ganze Staat sicher ist, es soll genügen, dass Regionen in diesen Staaten als sicher gelten.

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Künstliche Intelligenz: „Wir sind in Gegenwart einer gewaltigen Kreatur“

Die Euphorie der Aufbruchsstimmung zu den neuen Ufern des Internets trifft „Surfen“ viel besser als etwa Graben, Wühlen oder Navigieren. (Foto: Getty Images)
Künstliche Intelligenz verändert Wissenschaft und Technik. Klar. Aber was macht sie mit der Gesellschaft? Ingenieure, Künstler und Wissenschaftler kommen zu einer unausweichlichen Erkenntnis.

Von Adrian Kreye | Süddeutsche.de

Es ist gar nicht so verkehrt, in den „Märchen aus 1001 Nacht“ nach Erkenntnissen über die künstliche Intelligenz zu suchen. Der Schriftsteller Adam Thirlwell und die Literaturwissenschaftlerin Marina Warner, derzeit Präsidentin der Royal Society of Literature, taten das vergangene Woche im großen Saal des Londoner Rathauses. In der mächtigen Spiralkuppel mit Blick auf Themse und Tower Bridge trafen sich ein paar Dutzend Wissenschaftler, Ingenieure, Künstler und Schriftsteller, um nach schlüssigen Bildern für die künstliche Intelligenz zu suchen.

Da saßen die beiden also im architektonisch hochwertig gleißenden Herbstlicht und machten sich öffentlich Gedanken darüber, ob der morgenländische Märchengeist Dschinn, dieser dienstbare Wunscherfüller aus rauchlosem Feuer, nicht das perfekte Sinnbild für jene digitalen Kräfte sei, die derzeit überall entfesselt werden. Nicht nur könnte man das digitale Lodern als zeitgenössisches Bild für das rauchfreie Feuer sehen, es stellt sich auch die Frage nach der Beherrschbarkeit dieses eigentlich aufmüpfigen Flaschengeistes. Wer ihn aus seiner gottgewollten Gefangenschaft befreit, ahnt erst einmal nicht, was Dschinns Zauberkräfte alles anrichten könnten.

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Gegen Nackte, Schwarze und Schwule

Brasiliens Evangelikale – hier bei einer Demo 2014 – gewinnen seit Jahren an Einfluss Foto: Reuter
Brasiliens evangelikale Rechte wird in ihrem Kulturkampf immer dreister – und immer mächtiger. Auch im Parlament.

Von Andreas Behn | taz.de

„Nein, die Mehrheit der Menschen in Rio de Janeiro will diese Ausstellung hier nicht haben!“ Bürgermeister Marcelo Crivella scheint genau zu wissen, was die rund 6 Millionen Bewohner seiner Stadt denken. Zensur sei es nicht, behauptet Crivella, der vor seiner Wahl ins Rathaus als Bischof der evangelikalen Universal-Kirche predigte.

Anfang Oktober legte er einen Werbespot auf, in dem er sein Veto gegen eine Kunstausstellung, die demnächst am Rande des Olympia-Boulevards in Hafenviertel gezeigt werden sollte, begründete: „Pädophilie, Zoophilie, als das wollen wir hier nicht haben . . .“

Die über 270 Bilder und Plastiken von 90 brasilianischen Künstlern werden – vorerst – in Rio nicht zu sehen sein. 40 von 70 Stadtverordneten unterschrieben einen Aufruf, in dem die Verwendung öffentlicher Gelder für einen „Angriff auf Moral, die guten Sitten und Familienwerte“ verurteilt wird.

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Die Böhnhardt-Peggy-Spur

Grafik: TP
Die Behörden können nicht erklären, wie die DNA des mutmaßlichen Terroristen an den Fundort des ermordeten Kindes kam, schließen aber eine Manipulation aus

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Ende einer Spur – oder Fortsetzung eines Verdachtes? Im Schatten von Sommerferien und Bundestagswahlkampf ist eine Nachricht fast untergegangen, die ein Jahr zuvor bundesweit Wellen geschlagen hat. Am 8. September 2017 erklärte die Staatsanwaltschaft Bayreuth, zwischen dem mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt und dem Tod der neunjährigen Peggy K. gebe es keinen Zusammenhang.

Nicht erklären kann die Behörde aber, wie die DNA des NSU-Mitgliedes Böhnhardt auf einem Stofffetzen an den Fundort der sterblichen Überreste des Mädchens gelangte. Denn dass das Asservat inklusive der Genspur dort gesichert wurde, bleibt unstrittig.

Es ist eine der bizarrsten und abenteuerlichsten Geschichte der an Bizarrheiten reichen Mordserie, deren Hintergründe auch nach sechs Jahren nicht aufgeklärt sind. Das Besondere hier: Die Handelnden sind fast ausschließlich Sicherheitsbehörden. Sie sind es, die einen Zusammenhang zwischen Böhnhardt und dem ermordeten Kind hergestellt haben – insgesamt dreimal, wenn auch zweimal in der Negation.

Mit der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Bayreuth vom 8. September sollte die Affäre beendet werden. Tatsächlich gelingt das aber nicht. Zunächst bestätigt die Behörde noch einmal, dass am Fundort von Peggy eine „DNA-Spur Böhnhardts festgestellt“ wurde, an einem Textilteilchen. Und weiter: Dieses Textilteilchen, immerhin so groß wie ein halber Fingernagel, habe einem Kopfhörer Böhnhardts zugeordnet werden können und „muss bei der Spurensicherung am Fundort übertragen“ worden sein.

Der „konkrete Übertragungsweg der DNA“ habe allerdings „nicht mehr geklärt“ werden können. Dann heißt es noch – was im Verlauf der Geschichte eine Rolle gespielt hat, – dass an den untersuchten Gerätschaften der Tatortgruppe des LKA Thüringen, „darunter ein Winkelmaßstab“, keine DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt oder von Peggy Knobloch festgestellt werden konnten.

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WÄHRUNGSFONDS WARNT : Reiche immer reicher

„Eclipse“ heißt die Luxusjacht des Milliardärs Roman Abramovich. © DPA
Zu viel Ungleichheit schadet dem Wirtschaftswachstum – der Internationale Währungsfonds präsentiert eine hochbrisante These, die mit seiner Tradition kollidiert. Besonders ein wichtiges Land haben seine Fachleute im Visier.

Von Winand von Petersdorff | Frankfurter Allgemeine

Der Internationale Währungsfonds hat bei seiner Jahrestagung in Washington eine neue Debatte über die wachsende Ungleichheit in vielen Ländern angezettelt. Die brisante These, die der Fonds der globalen Finanzwelt präsentiert, lautet: Zu viel Ungleichheit schadet dem Wirtschaftswachstum.

Die Aussage ist keine Selbstverständlichkeit für die globalen Währungshüter mit ihrer neoliberalen Tradition. Denn lange galt, dass gerade die Ungleichheit den Wohlstand nährt. Die Aussicht der Leute, durch mehr Anstrengung mehr verdienen und in höhere Einkommensklassen hineinwachsen zu können, galt als Triebfeder für Aufschwung und Wohlstand.

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„Ein Drittel der Friedhöfe wird so nicht weitergeführt werden können“

Sterben manche Friedhöfe selbst aus? Quelle: dpa/Heiko Lossie
Bundesweit gibt es derzeit rund 32.000 traditionelle Friedhöfe. Doch Kommunen und Kirchen haben Probleme, die Ruheorte weiterzuführen. Finanziell und organisatorisch. Das liegt auch an einem Bestattungstrend.

Von Jens Albes | DIE WELT

Sterben immer mehr Friedhöfe? Judith Könsgen von der Deutschen Friedhofsgesellschaft schätzt, „dass etwa ein Drittel der heutigen Friedhöfe in den nächsten fünf bis zehn Jahren in der jetzigen Form so nicht weitergeführt werden können“. Ein Grund ist der Trend zu Urnengräbern, die viel geringere Flächen benötigen. Weil Urnenbestattungen deutlich günstiger sind, sinken die Einnahmen.

Bundesweit gibt es derzeit rund 32.000 traditionelle Friedhöfe, so Michael Albrecht vom Verband der Friedhofsverwalter Deutschlands in Hannover. Früher pflegten Angehörige Gräber an ihrem Wohnort. „Geschah das nicht, wurde im Dorf getuschelt, denn bis vor etwa 15 Jahren war ein Grab immer auch eine Art Statussymbol“, sagt Judith Könsgen von der Deutschen Friedhofsgesellschaft, einem Unternehmen, das in Deutschland 15 Friedhöfe betreibt. Heute sind Familienmitglieder oft mobiler und weniger aneinander gebunden.

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„Missing Link“: Manipulation, Meinungsfreiheit und Propaganda bei Facebook & Co.

(Bild: ariapsa)
Große Medienhäuser haben sich neben Facebook, Twitter & Co. und Sonderermittlern daran gemacht, Vorwürfe im US-Wahlkampf 2016 aufzuarbeiten. Es geht nicht nur um russische Trollarmeen, sondern auch um Macht und Verantwortung der sozialen Netze.

Von Stefan Krempl | heise.de

Im November soll die Wahrheit ans Licht kommen. Vertreter von Facebook, Google, Twitter & Co. müssen dann in Anhörungen im US-Kongress Farbe bekennen über mögliche russische Informationsoperationen auf ihren Plattformen im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016. Schon vor dem Termin hat sich der neue „Kalte Krieg“ im Internet mit den Untersuchungen des Ex-FBI-Chefs Robert Mueller und mehrerer Kongressausschüsse zu möglichen Verbindungen zwischen Donald Trumps Wahlkampfteam und russischen Stellen deutlich verschärft.

So vergeht kaum ein Tag mehr, an dem US-Medien nicht vermeintliche Enthüllungsberichte bringen und dabei vor allem die sozialen Medien im Blick haben. Auch die Financial Timesspricht von schweren Bedenken, dass Russland vor allem Facebook in eine „Waffe“ verwandelt habe und das „Produkt Mark Zuckerbergs“ außer Kontrolle zu geraten drohe.

Prinzipiell sehen sich die Betreiber sozialer Netzwerke selbst eigentlich als neutrale Vermittler von nutzergenerierten Inhalten, die sich aus der Meinungsmache herauszuhalten versuchen. Doch Politiker in immer mehr Ländern betonen, dass mit wachsender Reichweite der übertragenen Botschaften auch eine größere Verantwortung einhergeht. Die bislang propagierte Selbstregulierung reiche da nicht mehr aus. Das Geschäftsmodell der Plattformen, das auf der algorithmischen Einstufung von Inhalten und größtmöglicher Automatisierung beruht, könnte damit ins Wanken geraten.

Zwei Tage nach der US-Wahl, aus der für viele überraschend der Immobilienmogul und Reality-TV-Star Trump als Sieger hervorging, tat Facebook-Gründer Zuckerberg im vorigen November auf einer Konferenz noch seine persönliche Meinung kund, er halte es für eine „verrückte Idee“, dass „Fake News“ auf der Plattform in irgendeiner Form den Ausgang des Urnengangs beeinflusst haben könnten. Auch weil Falschmeldungen generell nur einen „sehr kleinen Anteil“ der dortigen Inhalte ausmachten.

Sein Kommentar zur Bundestagswahl ein knappes Jahr später hört sich ganz anders an. „Wir haben daran gearbeitet, die Integrität der deutschen Wahl sicherzustellen“, konstatierte der Konzernchef im September. Das klingt in seiner Allgemein- und Vagheit beruhigend und erinnert an die Sprache von Politikern oder Parteien. Hinter der neuen Diktion steckt offenbar eine Kehrtwende um schier 180 Grad.

Erstmals räumte Facebook Ende April öffentlich ein, dass es staatlich unterstützte Versuche gebe, das weltgrößte Online-Netzwerk als Instrument zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu missbrauchen. Die Sicherheitsabteilung des Konzerns erklärte, dass vor allem mit Hilfe gefälschter Profile bestimmte Meinungen und teils auch falsche Informationen in den Vordergrund gerückt werden sollen. Ziel sei es, konzertiert gewisse Ansichten unters Volk zu bringen, die sonst kaum eine entsprechende Verbreitung fänden. Automatisierte „Social Bots“ oder kompromittierte Konten kämen dafür weniger zum Einsatz.

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Mit Linken oder Rechtsnationalen Reden

Bild: Bernd Höcke
Die eigentlich Multi-Kulti orientierte Buchmesse demonstriert das Ende der Gemütlichkeit und die sich vertiefende Polarisierung zwischen Welt- und Nationalbürgern – Thema des Telepolis-Salons

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wie schon fast vorauszusehen, haben sich auf der Buchmesse linke und rechtsnationale Gruppierungen Scharmützel geliefert. Die globale Multi-Kulti-Veranstaltung der kulturellen Weltbürger wurde damit zur Bühne von ideologischen Auseinandersetzungen, die auch in Gewalt umschlugen. Fast schon provoziert wurde dies dadurch, dass der Antaios-Verlag, das intellektuelle Schlachtschiff der Identitären, gegenüber dem Stand der in rechten Kreisen verhassten Amadeu-Antonio-Stiftung positioniert wurde, die gegen Rassismus und Rechtsextremismus agiert.

Ein vom Antaios-Verlag veröffentlichtes Buch des Historikers Rolf Peter Sieferl, der 2016 Suizid beging, hatte schon im Vorfeld für Unruhe und Werbung gesorgt. Ein Spiegelredakteur hatte „Finis Germania“ auf die Sachbuchbestenliste von NDR und SZ gebracht, die auch Telepolis veröffentlichte, was diese zur Auflösung brachte. Daraufhin kam das Werk des ins Rechtsnationale abgedrifteten Historikers in die Bestsellerliste des Spiegel. Für den Antaios-Verleger Kubitschek ein gefundenes Fressen, um herauszustellen, dass in der Bundesrepublik zensiert wird. Mit dem Bestseller und dem damit eingespielten Geld wollte man dann auch den Durchbruch auf der Buchmesse schaffen – erfolgreich offensichtlich, weil Linke mitspielten.

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Auch ausländische IS-Kämpfer sollen aus Raqqa gebracht werden

REUTERS
Entgegen vorangegangenen Meldungen der USA geführten Anti-IS-Kalition sollen die ausländischen IS-Kämpfer nicht Raqqa bleiben müssen.

Die Presse.com

Auch die ausländischen Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sollen nach Angaben eines Rebellen-Vertreters aus der syrischen Stadt Raqqa (Rakka) gebracht werden. Die ausländischen Kämpfer seien Teil einer zwischen Stammesführern ausgehandelten Vereinbarung über die Evakuierung von IS-Kämpfern aus der Stadt.

Die von den USA angeführte internationale Anti-IS-Koalition hatte zuvor mitgeteilt, dass ein Konvoi mit ausschließlich syrischen IS-Kämpfern aus Raqqa abgefahren sei, während die ausländischen Kämpfer in der Stadt bleiben müssten.

Tausende Rechtsextreme und Nationalisten gehen in Kiew auf die Straße

Demo von Rechtsextremen in Kiew. (Foto: dpa)
  • In Kiew sind Tausende Rechtsextreme und Nationalisten durch die Straßen gezogen.
  • Sie erinnerten an die Gründung der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) vor 75 Jahren.
  • 5000 Polizisten sicherten die Demonstration.

Süddeutsche.de

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind Tausende Rechtsextreme und Nationalisten auf die Straße gegangen. Sie gedachten dabei der Gründung der umstrittenen Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) vor 75 Jahren. Die UPA hatte für eine Unabhängigkeit der Ukraine von der Sowjetunion gekämpft und im Zweiten Weltkrieg zeitweise mit Hitler-Deutschland kollaboriert, bevor sie gegen deutsche Truppen kämpfte. Sie ist verantwortlich für ethnische Säuberungen und den Tod zehntausender Polen.

Die Organisatoren des Marsches gehen von bis zu 20 000 Teilnehmern aus, die auch Feuerwerkskörper zündeten. Vereinzelt wurde der Hitlergruß gezeigt. Etwa 5000 Polizisten sicherten den Marsch. Die rechtsradikalen Parteien Swoboda (Freiheit), Prawy Sektor (Rechter Sektor) und Nazionalny Korpus (Nationalkorps) hatten zu landesweiten Märschen aufgerufen.

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Türkei: Offen antisemitische Karikatur

Bild: Ismail Küpeli. Twitter: @ismail_kupeli

Eine regierungsnahe „Satire“-Zeitschrift aus der Türkei bringt die jüdische Weltverschwörung als Karikatur. Blut trinkender Jude, der die Weltpolitik steuert. Die US-Flagge wird mit David-Sternen dargestellt und Prediger Gülen serviert das Blut. Die NATO ein Fußabtreter und Caligula Donald Trump erscheint als Bittsteller.

Übelster Antisemitismus.

Auftritt von Björn Höcke auf Buchmesse eskaliert

Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke auf dem Weg zu einer Lesung mit Podiumsdiskussion auf der Buchmesse in Frankfurt Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst
Auf der Frankfurter Buchmesse hat ein Auftritt von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zu tumultartigen Szenen geführt.
Höcke war bei der Präsentation des Buches „Mit Linken leben“ des rechtsgerichteten Antaios Verlags dabei. Bei einem Rundgang kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Höcke-Anhängern und -Gegnern.

DIE WELT

Auf der Frankfurter Buchmesse hat am späten Samstagnachmittag ein Auftritt von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke zu tumultartigen Szenen geführt. Höcke war bei der Präsentation des Buches „Mit Linken leben“ des rechtsgerichteten Antaios Verlags dabei.

Demonstranten protestierten mit Transparenten und Rufen wie „Nazis raus“ gegen die Veranstaltung. Höckes Anhänger skandierten „Jeder hasst die Antifa“. Die Polizei musste schlichtend eingreifen.

Eine Lesung von zwei Autoren der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ musste wegen lautstarker Proteste abgebrochen werden. Sie war ursprünglich für 18 Uhr angesetzt gewesen. Zuerst hatte die „Frankfurter Rundschau“ darüber berichtet.

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Maischbergers Elend in der Klimadebatte

Themenbild.

Ist die Klimawissenschaft nur eine Religion? Muss man zum Gott der Physik beten? Das ganze Elend der Klimadebatte in der Talkshow „Maischberger“.

Von Bernhard Pöttertaz.de

Der Spiegel hat den öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern ja mal wieder alles um die Ohren gehauen: Geldverschwendung, Staatsfunk, Zuschauerschwund. Unsinn, dachte ich als ARD/ZDF-Fan, auf meine Öffis lasse ich nichts kommen. Bis ich dann am Mittwochabend „Maischberger“ sah.

Schon der Titel verursachte mir Ohrensausen. „Xavier und die Wetterextreme. Kippt unser Klima?“ Wetterclown Jörg Kachelmann kann Stürme erklären, den Klimawandel nicht. Ob der vom Menschen gemacht wird, da wollte sich auch Dorothee Bär nicht festlegen. Das ist die Frau, die als CSU-Staatssekretärin im Verkehrsministerium völlig zu Recht die letzten vier Jahre nicht in Erscheinung getreten ist.

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Ich, Neuron

Grafik: TP
Die Sichtweise, dass Nervenzellen nichts als passive Träger von Verknüpfungen sind, wird zunehmend aufgegeben

Von Konrad Lehmann | TELEPOLIS

Lernen in neuronalen Netzen wird gemeinhin gleichgesetzt mit Änderungen an den Verbindungen zwischen den Nervenzellen, den Synapsen. Diese Idee war ursprünglich ein Postulat von Donald Hebb (und, im Westen weniger bekannt, zeitgleich von Jerzy Konorski).

Viel später erst wurde es möglich, unmittelbar zu beobachten, wie sich Synapsenstärken während eines Lernvorgangs ändern, wie neue Rezeptormoleküle eingelagert werden, und wie sich die winzigen Dornfortsätze auf den Eingangsstrukturen der Nervenzellen dabei vermehren und in ihrer Form verändern. Dass man diese Veränderungen seit ungefähr 15 Jahren in der lebenden Großhirnrinde über Wochen hinweg verfolgen kann, gehört für mich immer noch zu den großen Wundern der Mikroskopie und Neurobiologe, Daran, dass synaptische Veränderungen beim Lernen vor sich gehen, besteht kein Zweifel. Aber bewahren sie auch die Erinnerung?

Die Frage mag überraschen. Umso mehr, als hinreichend gründlich bewiesen ist, dass Gedächtnisspeicherung in Synapsen funktioniert. Man denke etwa an die immer leistungsfähiger werdenden künstlichen neuronalen Netze. Eine klassische und sehr einfache Form solcher Netze – die McCulloch-Pitts-Netze – wird sogar gemeinhin nur als Matrix der Verbindungsstärken dargestellt. Die Neuronen sind darin nichts als Nummern für Zeilen und Spalten.

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Österreich: Wo die Rechtsnationalisten immer stärker waren

Einigkeit unter Rechten: Frauke Petry und Hans-Christian Strache auf der Zugspitze Quelle: dpa
Ein Muster, das sich auflöst: Rechtsnationalisten waren in Österreich stets stärker als in Deutschland. Heute strotzt die AfD vor Kraft – während die FPÖ in Turbulenzen gerät. Dafür gibt es strukturelle Gründe.

Von Klaus Geiger | DIE WELT

Die Sonne strahlt auf die Zugspitze, Traumwetter für das Gipfeltreffen der Rechtsnationalen. Frauke Petry im knallgrünen Anorak, Heinz-Christian Strache mit verspiegelter Fliegersonnenbrille. Die damalige AfD-Chefin und der Chef der österreichischen FPÖ trafen sich im Juni 2016 auf dem höchsten deutschen Berg. Die Anführer zweier Parteien, die damals – getragen von den Debatten der Flüchtlingskrise – die höchsten Umfragewerte ihrer Geschichte erzielten.

Die AfD schaffte es, ohne Petry, bei der Wahl in etwa auf diesem Rekordniveau in den Bundestag einzuziehen. Straches FPÖ aber hat inzwischen einen heftigen Dämpfer erhalten – und wird laut Umfragen bei der Wahl am Sonntag deutlich schlechter abschneiden als in den sonnigen Zugspitztagen des Jahres 2016. Damit scheint sich ein altes deutsch-österreichisches Muster aufzulösen.

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Neue Studie: Leben auf der Erde entstand viel früher als gedacht

Wie entstand das Leben auf der Erde? Getty Images/Magnilion
Es ist eines der noch ungeklärten Rätsel: Wie entstand unsere Erde und das Leben darauf? Forscher werteten interdisziplinäre Daten aus und kamen zu neuen Ergebnissen. Diese stützen nicht nur Darwins Theorie, sondern liefern auch Anhaltspunkte dafür, weshalb auf dem blauen Planeten Leben möglich ist.

Von Michael Odenwald | FOCUS ONLINE

Wie entstand auf der Erde vor rund vier Milliarden Jahren das Leben? Dies ist eine der großen Fragen der Wissenschaft. Hypothesen dazu gibt es viele, doch jede davon hat Schwächen, deshalb fehlt bis heute ein stimmiges Bild.

Neues Szenario

Jetzt entwickelten Forscher der kanadischen McMaster University und des Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) in Heidelberg anhand von astronomischen, geologischen, chemischen und biologischen Daten jedoch ein Szenario, das den bislang wahrscheinlichsten Ablauf der Lebensentstehung skizziert. Ihre Ergebnisse legten sie in den „Proceedings der US National Academy of Sciences“ vor.

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Die Atomsekunde wird 50

Diese vier Atomuhren der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt sind in Deutschland für die Realisierung und Verbreitung der gesetzlichen Zeit zuständig. © PTB
Internationale Taktgeber: Vor 50 Jahren wurde neu definiert, wie lange eine Sekunde dauert. Seitdem beruht die Basiseinheit der Zeit auf den Schwingungen von Cäsiumatomen. Für die Zeitmessung bedeutete die Einführung der Atomsekunde eine Revolution. Denn dank der Atomuhren wurde Zeit so genau und präzise messbar wie niemals zuvor. Bis heute lässt sich keine andere Einheit genauer realisieren.

scinexx

Seit dem 13. Oktober 1967 ist Cäsium das Maß aller Dinge – zumindest was die Zeitmessung betrifft. Denn seitdem takten Atomuhren die Welt. Die auf den Schwingungen von ultrakalten Cäsiumatomen beruhenden Uhren sind die Referenz für die Weltzeit und sorgen beispielsweise dafür, dass GPS-Satelliten genaue Ortungsdaten liefern.

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Vatikan: Ein Jahr Haft für Ex-Leiter von vatikanischer Stiftung

Headquarter des Konzerns.

Der frühere Präsident der vatikanischen Kinderklinik Giuseppe Profiti wurde zu einem Jahr Haft aufgrund von Amtsmissbrauch verurteilt. Der zweite Angeklagte wurde freigesprochen.

Die Presse.com

Der frühere Präsident der Stiftung der vatikanischen Kinderklinik „Bambin Gesu“, Giuseppe Profiti, ist am Samstag wegen Amtsmissbrauchs zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Vorwurf der Geldunterschlagung wurde fallen gelassen. Die vatikanische Staatsanwaltschaft hatte auf drei Jahre Haft plädiert.

Der ehemalige Schatzmeister Massimo Spina wurde freigesprochen. Profiti und Spina standen wegen Zweckentfremdung von Mitteln vor Gericht, die für das Krankenhaus bestimmt waren. Die beiden Angeklagten sollen Spendengelder der Stiftung auf illegale Weise verwendet haben, lautete der Verdacht. Damit soll unter anderem die Renovierung der Wohnung des ehemaligen vatikanischen Staatssekretärs, Kardinal Tarcisio Bertone, finanziert worden sein.

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SPD offen für muslimischen Feiertag

Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz ©DPA
Soll es in Deutschland einen muslimischen Feiertag geben? Die Sozialdemokraten wollten darüber „nachdenken“, sagt ihr Vorsitzender Martin Schulz – und gibt der Union noch eins mit.

Frankfurter Allgemeine

Die Anregung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), in Gegenden mit vielen Muslimen womöglich auch einen muslimischen Feiertag einzuführen, stößt bei den Sozialdemokraten auf offene Ohren. „Man muss über den Vorschlag nachdenken“, sagte der SPD-Vorsitzende Martin Schulz am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hab vor allen Dingen zur Kenntnis genommen, in welcher Art und Weise sofort gegen den Herrn de Maizière aus seinen eigenen Reihen losgekoffert wird.“ Es müsse jedoch möglich sein, über einen solchen Vorschlag in Ruhe und seriös zu diskutieren.

Die Aussage des Innenministers habe ihn überrascht, sagte Schulz am Rande einer Wahlkampfveranstaltung in Hildesheim. „Herr de Maizière ist ja sonst in dieser Hinsicht nicht der Fantasievollste.“

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