Gegen Nackte, Schwarze und Schwule


Brasiliens Evangelikale – hier bei einer Demo 2014 – gewinnen seit Jahren an Einfluss Foto: Reuter
Brasiliens evangelikale Rechte wird in ihrem Kulturkampf immer dreister – und immer mächtiger. Auch im Parlament.

Von Andreas Behn | taz.de

„Nein, die Mehrheit der Menschen in Rio de Janeiro will diese Ausstellung hier nicht haben!“ Bürgermeister Marcelo Crivella scheint genau zu wissen, was die rund 6 Millionen Bewohner seiner Stadt denken. Zensur sei es nicht, behauptet Crivella, der vor seiner Wahl ins Rathaus als Bischof der evangelikalen Universal-Kirche predigte.

Anfang Oktober legte er einen Werbespot auf, in dem er sein Veto gegen eine Kunstausstellung, die demnächst am Rande des Olympia-Boulevards in Hafenviertel gezeigt werden sollte, begründete: „Pädophilie, Zoophilie, als das wollen wir hier nicht haben . . .“

Die über 270 Bilder und Plastiken von 90 brasilianischen Künstlern werden – vorerst – in Rio nicht zu sehen sein. 40 von 70 Stadtverordneten unterschrieben einen Aufruf, in dem die Verwendung öffentlicher Gelder für einen „Angriff auf Moral, die guten Sitten und Familienwerte“ verurteilt wird.

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