Eine christliche Antwort auf Slavoj Žižek


Kann sich der Mensch ermächtigen, in das Erbgut der Lebewesen einzugreifen? Kann er die Schöpfung vollenden wollen? Blick in eine Lagerhalle mit gentechnisch verändertem Saatgut. (Bild: Christian Beutler / Keystone)
Jüngst hat Slavoj Žižek an dieser Stelle den kühnen Korrumpierer dem bewahrenden Normalisierer gegenübergestellt. Der Theologe Jan-Heiner Tück verwirft die Alternative und bringt stattdessen christliche Orientierung ins Spiel.

Von Jan-Heiner Tück | Neue Zürcher Zeitung

«Nur ein Gott kann uns retten», diese orakelhafte Aussage des späten Heidegger hat ein polyfones Echo erzeugt. Heidegger, der dem katholischen Milieu Messkirchs entstammte, hat sich auf seinem Denkweg weit von dieser Herkunft entfernt, um am Ende – die Ambivalenz von Wissenschaft und Technik im Blick – auf eine Instanz zu verweisen, die den Menschen übersteigt.

Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek hat nun in einem Beitrag für die NZZ Heideggers Wort umgemünzt und gemeint, nur ein Sokrates könne uns retten. Das Motiv der Rettung hat er dabei mit dem der Korruption kühn kombiniert.

 Žižek, der sonst gerne binäre Codes unterläuft, hat die Geschichte des abendländischen Denkens in Korrumpierer und Normalisierer eingeteilt. Sokrates schreibt er die Rolle des Ur-Korrumpierers zu, Aristoteles die des Normalisierers. Diese Zuschreibung erfolgt um den Preis einer Sinnverschiebung des Begriffs. Korrupt ist in der Alltagssprache jemand, der bestechlich ist, der seine Überzeugungen zur Disposition stellt, wenn dies Vorteile bringt. Sokrates aber steht für das Gegenteil.