Marx hat nie vom Paradies geträumt


Ikonen des Kommunismus. © PICTURE-ALLIANCE
Wo beginnt die Geschichte des Kommunismus und wann hört sie auf? Gerd Koenen beschreibt umsichtig die Geschichte egalitärer Theorien – und stößt dabei auf ihr fundamentales Paradox.

Von Herfried Münkler | Frankfurter Allgemeine

Eine Geschichte des Kommunismus zu schreiben, ist ein heikles Unterfangen, schon wegen der Frage, wo man beginnen und wann man enden solle. Üblicherweise haben sich die Verfasser solcher Bücher entweder für einen großen Essay oder aber ein mehrbändiges Werk entschieden, das dann über den Zeitraum von vielen Jahren erscheint. Soll es sich um eine Ideengeschichte des Kommunismus handeln oder eine Darstellung der zu seiner Verwirklichung unternommenen Projekte? Und wie ist der Kommunismus gegen den Sozialismus abzugrenzen? Vermutlich nur durch den Rekurs auf die sich entsprechend benennenden Parteien. Läuft eine Geschichte des Kommunismus also auf eine Geschichte der kommunistischen Parteien hinaus? Viele Fragen – und kaum eindeutige Antworten.

Gerd Koenen hat die Sowjetunion ins Zentrum seiner Darstellung gerückt und von hier aus deren Vorgeschichte und Vorläuferschaften untersucht: Die Sowjetunion wäre nicht möglich gewesen ohne die Theorie von Marx und Engels, die deshalb einen weiteren Schwerpunkt seiner Darstellung bilden. Das Werk von Marx und Engels hätte freilich nicht entstehen können ohne die Vorläuferschaft einer Reihe von nationalökonomischen Autoren wie auch Verfassern von Utopien, und die wiederum haben sich fast immer auf Entwicklungen und Ereignisse bezogen, ohne deren Darstellung man ihre Überlegungen nicht verstehen kann.

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