Als die Bibel auf der Liste der verbotenen Bücher stand


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Die Auseinandersetzung zwischen reformierter und katholischer Kirche ist auch ein Streit um den Bibeltext.

Von Thomas Prügl | Neue Zürcher Zeitung

Keines von Luthers Werken war so einflussreich wie die Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche, die er ab 1522 in mehreren Tranchen vorlegte. Die Lutherbibel wurde nicht nur konfessionsbildend, sie veränderte die gesamte religiöse Landschaft Europas und die Theologie. Luther profitierte bei seinen Übersetzungen von den Errungenschaften der humanistischen Philologie, besonders von den Bibelstudien von Erasmus von Rotterdam und Lorenzo Valla. Aber er verfolgte mit seiner Übersetzung kein humanistisches Bildungsziel, sondern einen theologischen Zweck: Der «einfache Mann» sollte darin das Evangelium vom gnädigen Gott selbst auffinden können.

Der Erfolg der Bibelübersetzung war überwältigend. Zwar gab es bereits vor Luther verschiedene Übersetzungen der Schrift ins Deutsche, doch das waren meist Wort-für-Wort-Übersetzungen, wodurch es schwierig war, den Sinn der Texte zu erfassen. Luthers Übersetzung war die erste, die den Bibeltext in die tatsächliche Sprach- und Vorstellungswelt seiner Leser brachte. Damit wurde sie sprachprägend. Die Verteidiger des alten Glaubens versuchten, dem Einfluss der Lutherbibel mit eigenen Bibelausgaben beizukommen und Luthers theologisch-exegetische Schwerpunkte zu entschärfen. Da sie sich aber sonst weithin an die Übersetzungen Luthers anlehnten, trugen diese sogenannten Korrekturbibeln ebenfalls zum Erfolg und zur weiteren Verbreitung des Luther-Textes bei.

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