Wie ein Jugendlicher radikalen Predigern in die Arme läuft – und sich wieder befreit


Mit 18 Jahren beginnt Hakan, plötzlich den Koran zu lesen und Suren bei Facebook zu posten. (Foto: Danish Ismail/Reuters)
Hakan ist ein deutsch-türkischer Jugendlicher aus München. Er fühlt sich ausgeschlossen und abschätzig behandelt – bis er den Islam für sich entdeckt.

Von Jonathan Fischer | Süddeutsche.de

Hakan ist glücklich. So glücklich wie lange nicht mehr. Wenn er von seinem ersten Besuch beim Islamunterricht eines Münchner Moscheevereins erzählt, liegt ein Glanz in seinen großen Jungen-Augen. Auch jetzt noch, einen Tag später in einem schlichten Café in Obergiesing: „Alle waren sich einig“, sagt er, „es kann kein Zufall sein, dass ich ausgerechnet an diesem Tag zu ihnen komme, diesem besonderen Abend, an dem ein saudischer Prediger zu Gast ist.“

Hakan (Name geändert), kräftige Figur, Kinnbart, Bürstenfrisur, ist sonst nicht leicht aus der Fassung zu bringen. Im Gegenteil. Er wirkt oft viel ernster, erwachsener, als er das mit seinen 18 Jahren nötig hätte. Jetzt aber strahlt er wie ein Fußballstürmer, der seine Mannschaft gerade in Führung geschossen hat. „Sie haben gesagt, dass ich ein Auserwählter bin. Und dass der Prediger – ein direkter Nachfahre unseres Propheten – am jüngsten Tag ein Wort für mich einlegen wird.“ Der Elektrikerlehrling zieht ein buntes, kleines Fläschchen aus seiner Jackentasche. Ein teures orientalisches Parfum. „Das haben sie mir geschenkt. Als Zeichen dafür, dass ich als Bruder zu ihnen gehöre.“

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