Leben wir in Zeiten des Hypermoralismus?

Ein Politiker schwingt bei einer Rede den Zeigefinger (imago stock&people)
Moralisch soll man handeln, das wird uns von klein auf beigebracht. Aber was ist, wenn daraus eine „Hypermoral“ wird? Der Publizist und Philosoph Alexander Grau nennt diese Hypermoral die „Leitideologie unserer Zeit“, die die gesellschaftliche Spaltung befördere.

Moderation: Joachim Scholl | Deutschlandfunk Kultur

Nach dem Niedergang der traditionellen Religionen und Weltanschauungen werde heute die Moral selbst zur „Leitideologie“ und dominiere den gesellschaftlichen Diskurs. Diese These entwickelt der Münchner Publizist und Philosoph Alexander Grau in seinem Essay „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“.

Selbstreferentielle Moral

Immer mehr Lebensbereiche, die früher nicht ins Gebiet der Moral gefallen seien, würden heute von moralischen Erwägungen bestimmt. Ein augenfälliges Beispiel sei die Moralisierung des Konsums.

Aber auch die Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten auf der Frankfurter Buchmesse sind für Grau ein Symptom der „Hypermoral“, insofern die Veranstalter selbst dazu aufgerufen hätten, ein „Zeichen gegen rechts“ zu setzen und sich so als „empörter Bürger“ geriert hätten. Dabei bestehe die Gefahr, dass im Namen von Pluralismus und Meinungsfreiheit ebendiese eingeschränkt würden.

Auf die Frage, ob „Hypermoralismus“ eher im linken oder rechten Spektrum zu finden sei, gibt Grau keine eindeutige Antwort: „Hypermoral“ sei mehr als bloß eine „starke Moral“ zu haben. Es gehe vielmehr darum, dass die Moral selbst eine andere Bedeutung im gesellschaftlichen Diskurs erhalte. Während klassischerweise die Moral aus traditionellen Systemen abgeleitet worden sei – etwa der Religion –, habe sich heute eine sich selbstbegründende Moral durchgesetzt, die sich ideologiefrei gebe und einen „objektivistischen Anspruch“ vertrete. Moral könne aber niemals ideologiefrei sein.

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Leukämie: Bald alle Eltern als Spender geeignet?

Künftig könnten fast alle Eltern zu geeigneten Spendern für ihre leukämiekranken Kinder werden © Frantab/ thinkstock
Neue Hoffnung für Leukämie-Patienten: Künftig könnte es viel einfacher werden, Knochenmarksspender für an Leukämie erkrankte Kinder zu finden. Denn Forscher haben eine Methode entwickelt, durch die nahezu alle Eltern zu Spendern werden können – auch wenn ihre Blutzellmerkmale nur zur Hälfte übereinstimmen. In einer Studie mit 80 Kindern war dieses neue Verfahren ähnlich erfolgreich wie die gängige Transplantation komplett passender Blutstammzellen.

scinexx

Leukämie ist eine der häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern. Einige Formen dieser Entartung von blutbildenden Zellen im Knochenmark sind inzwischen mit Chemotherapie relativ gut behandelbar, andere jedoch erweisen sich als hartnäckig und reagieren kaum auf die Behandlung. Hier hilft bisher nur eine völlige Zerstörung des erkrankten kindlichen Knochenmarks und die Transplantation von neuem, gesunden Knochenmark durch einen passenden Spender.

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Urzeitlicher „Vampirhirsch“ in Süddeutschland entdeckt

So könnte der im Steinheimer Becken entdeckte Moschushirsch vor 15 Millionen Jahren ausgesehen haben. © Staatliches Museum für Naturkunde
Kleiner Hirsch mit langen Hauern: Im Meteoritenkrater von Steinheim haben Paläontologen ein besonderes Fossil entdeckt. Denn es stammt von einer bisher unbekannten Art von Moschushirschen – kleinen Huftieren, deren Männchen lange, spitze Eckzähne tragen. Das 15 Millionen Jahre alte Fossil belegt erstmals, dass damals in Mitteleuropa mindestens zwei Arten dieser auch als „Vampirhirsche“ bezeichneten Tierart gemeinsam lebten.

scinexx

Die heute nur noch in den Bergregionen Asiens vorkommenden Moschushirsche (Moschidae) ähneln auf den ersten Blick kleinen, geduckt laufenden Rehen. Doch schaut man näher hin, erkennt man bei den Männchen eine sonst nur von Fleischfressern wie den Säbelzahnkatzen bekannte Besonderheit: Ihre oberen Eckzähne sind stark verlängert und ragen weit aus dem Mund heraus. Sie dienen dem Imponieren von Rivalen und Weibchen und werden auch bei Konkurrenzkämpfen der Männchen eingesetzt.

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Weltweit gibt es immer mehr Katholiken – nur nicht in Europa

Zahl der Katholiken in Europa schrumpft

kath.net

Die Zahl der Katholiken weltweit nimmt zu: es gibt in aller Welt fast 1,3 Milliarden Gläubige, rund 17,7% der Weltbevölkerung. Wie aus den Daten des Statistischen Jahrbuchs (zum Jahr 2015) hervorgeht, die von Fides bearbeitet wurden, sind dies 12 Millionen Katholiken mehr als im Vorjahr (2014). Zum Sonntag der Weltmission am kommenden Sonntag, der dieses Jahr am 22. Oktober 2017 zum 91. Mal gefeiert wird, veröffentlicht der Fidesdienst traditionsgemäß ausgewählte Statistiken zur Übersicht über die missionarische Tätigkeit der Kirche in aller Welt.

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CIA schickt mehr Agenten für Taliban-Jagd nach Afghanistan

Die CIA konzentrierte sich in Afghanistan bisher auf die Verfolgung von Al-Kaida-Kämpfern. – REUTERS/Caren Firouz
Der Anstieg der verdeckten Operationen bedeutet eine Strategiewechsel für die CIA. Sie soll Soldaten bei ihren Einsätzen in Afghanistan unterstützen.

Die Presse.com

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA schickt laut einem Bericht der „New York Times“ mehr Agenten nach Afghanistan, um radikalislamische Taliban zu jagen und zu töten. In dem in der Nacht zum Montag veröffentlichten Artikel heißt es, die hoch erfahrenen Männer würden zusammen mit afghanischen Kräften ins Feld geschickt.

Der Anstieg der verdeckten Operationen bedeute einen Strategiewechsel für die CIA, die sich in Afghanistan bisher vor allem auf die Verfolgung von Al-Kaida-Kämpfern und auf die Unterstützung für den afghanischen Geheimdienst konzentriert habe.

Die Teams bestünden aus kleinen Einheiten, geleitet von paramilitärischen Offizieren der „Abteilung für Spezialaktivitäten“. Die Einheiten seien schon im ganzen Land aktiv gewesen. „Ihnen wurde vorgeworfen, bei Razzien und Luftangriffen rücksichtslos afghanische Zivilisten zu töten“, schreiben die Autoren des Artikels.

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„Reichsbürger“ muss wegen Polizistenmords lebenslänglich in Haft

„Reichsbürger“ Wolfgang P. im Landgericht Nürnberg-Fürth Quelle: dpa/Daniel Karmann
Im Oktober 2016 schoss „Reichsbürger“ Wolfgang P. in seinem Haus auf Polizisten, die ihm seine Waffen abnehmen wollten. Einer starb, zwei wurden verletzt. Jetzt wurde er zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt.

DIE WELT

Wegen tödlicher Schüsse auf einen Polizisten ist ein sogenannter „Reichsbürger“ zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Nürnberg-Fürth wertete am Montag die Tat des 50-Jährigen im mittelfränkischen Georgensgmünd als Mord und zweifachen versuchten Mord. Die Verteidiger hatten auf fahrlässige Tötung plädiert, was eine deutlich mildere Strafe bedeutet hätte.

Wolfgang P. hatte bei einem Polizeieinsatz Mitte Oktober 2016 auf Beamte eines Spezialeinsatzkommandos geschossen. Dabei starb ein Polizist, zwei weitere wurden verletzt. Die Spezialeinheit sollte helfen, die rund 30 Waffen im Haus von P. zu beschlagnahmen. Denn bei den Behörden galt der Jäger als nicht mehr zuverlässig.

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Was ist Bewusstsein?

Graphic courtesy of Vimeo, Human Brain Project
Und was wissen wir, wenn wir diese Frage beantworten? Ansätze aus Kognitionswissenschaften und Philosophie

Von Stephan Schleim | TELEPOLIS

Es ist eine Frage, mit der man so manchen Prüfling in den Kognitionswissenschaften oder der Philosophie in Angst und Bange versetzen könnte: Was ist Bewusstsein? Und es ist die Frage, mit der die Moderation in die Diskussion einsteigen wird. Als ob jemand das so genau wüsste …

Klar, man kann es philosophisch aufziehen und erst einmal fragen, worauf sich der Begriff bezieht: Auf ein Wesen als Ganzes, auf die Eigenschaften eines psychischen Vorgangs („bewusst“) oder gar auf eine eigene Entität Bewusstsein, auf ein eigenständiges Ding?

In einem Artikel über den „Geist“ erklärte ich vor Kurzem, warum ein verdinglichendes Denken mehr Probleme aufwirft, als es löst (Körper ist Geist). Ebenso, wie ich dort vorschlug, „Geist“ bloß als Sammelbegriff für die psychischen Vorgänge zu verwenden, möchte ich es auch für „Bewusstsein“ tun: Es ist keine eigenständige Entität, sondern ein Sammelbegriff für die bewussten psychischen Prozesse. Lebewesen mit Bewusstsein sind dann solche, die bewusste Prozesse haben; erstes Problem gelöst.

Was aber sind bewusste Prozesse? Auch hier hilft uns die Philosophie wieder weiter, jedenfalls als erste Orientierung. Kennzeichnende Merkmale sind demnach vor allem der subjektive Charakter und die qualitativen Eigenschaften: Der bewusste Prozess ist erst einmal nur demjenigen zugänglich, der ihn hat, und er hat eine bestimmte Erlebnisqualität. Ersteres wird manchmal als Erste-Person-Perspektive ausgedrückt, Letzteres als „wie es sich anfühlt“. Damit sind nicht nur Gefühle gemeint, sondern ein Erlebniseindruck überhaupt, etwa der Druck der Tasten gegen meine Finger oder die Wärme der Teetasse neben mir, wenn ich gleich einen Schluck trinke.

„Wie fühlt sich ein Sonnenuntergang an? Oder der Klang einer Trompete?“ Bei diesen Fragen geht es um die Erlebnisqualität beim Ansehen eines Sonnenuntergangs (das kann auch auf einem Gemälde sein oder Ähnlichem) oder beim Hören einer Trompete. Sie lassen sich beantworten, wenn auch nicht einheitlich. Vielleicht verbinde ich mit Ersterem einen romantischen Kuss mit einer Jugendliebe, doch wäre jemand anders fast in der in rot getauchten See ertrunken. Es ist daher gut möglich, dass sich diese Erlebnisse für uns anders anfühlen.

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Der Kampf um die Köpfe und Herzen von Kirkuk

Kinder jubeln den in Kirkuk einrückenden irakischen Truppen zu, die die Kontrolle über die Stadt übernehmen. (Bild: Murtaja Lateef / EPA)
Die kurdischen Parteien haben eine historische Niederlage einstecken müssen. Ihre Medien liefern sich eine Schlammschlacht. Die Politiker gehen derweil auf Tauchstation.

Von Inga Rogg | Neue Zürcher Zeitung

Auf einem grossen Tablett hat Yahya Mohammed frisches Hackfleisch unter einer Folie aufgetürmt. Auf einem Holzbrett schneidet er Lammfleisch in kleine Stücke. Das Geschäft gehe seinen gewohnten Gang, sagt der Metzger. Nur einen Tag seien die Kunden ausgeblieben. Das war am Montag vergangener Woche, als irakische Truppen den Kurden die Kontrolle über die Stadt entrangen. Fünf Tage später geht das Leben in Kirkuk scheinbar seinen normalen Gang.

Auf dem Markt in Stadtteil Domiz im Süden der Stadt, wo der Metzger seinen Laden hat, haben Händler auf dem Trottoir ihre Waren aufgetürmt. Der Geruch von frisch grillierten Fleischspiessen, Tomaten und Zwiebeln erfüllt die Luft. Gemächlich schlendern Männer und Frauen mit Kindern über den Markt, schauen sich die Qualität und Preise an. Am Stand von Ibrahim Juma leuchten rot Granatäpfel. Vereinzelt habe es Schiessereien und Plünderungen gegeben, die jedoch nicht auf Konto von Soldaten oder schiitischen Milizionären gegangen seien, sagen Verkäufer und Kunden übereinstimmend. «Ich bin Sunnit und Araber», sagt Juma. «Sie haben uns kein einziges Mal belästigt. Sie schützen uns.» So hat es Regierungschef Haider al-Abadi versprochen.

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Sonne setzt Marsmond unter Strom

Die Nachtseite des Marsmonds Phobos wird durch den Sonnenwind elektrisdch aufgeladen. © NASA/GSFC, CI Lab
Achtung Stromschlag: Der Marsmond Phobos könnte buchstäblich elektrisierend sein, wie Forscher herausgefunden haben. Denn die Oberfläche des Mondes lädt sich durch den Sonnenwind und Sonnenstürme elektrisch auf. Auf der Nachtseite des Mondes kommt es dabei zu einer Ladungstrennung, die die sensible Elektronik zukünftiger Landesonden, aber auch die Schuhe und Anzüge von Astronauten unter Strom setzen könnte.

scinexx

Der Marsmond Phobos ist auf den ersten Blick eher unscheinbar: Er ist nur knapp 25 Kilometer groß, unregelmäßig geformt und ziemlich kahl. Auch eine Atmosphäre fehlt ihm. Dafür verblüfft er mit ungewöhnlicher Leichtigkeit, rätselhaften Gräben und Anzeichen für eine hohe Instabilität.

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18,6 Millionen mit Migrationshintergrund in Deutschland

Quelle: Infografik Die Welt
Der Zuwanderungstrend hat dazu geführt, dass inzwischen rund 18,6 Millionen Einwohner einen Migrationshintergrund haben.

Von Daniel Eckert | DIE WELT

  • Zu dieser Gruppe gehört, wer nicht von Geburt an Deutscher war oder einen Elternteil haben, auf den das zutrifft.
  • Dieser Zustrom bringt jedoch auch Unruhe in die Bevölkerung.

Kaum vorstellbar, dass Deutschland vor ein paar Jahren noch in ein neues Biedermeier hineinzudämmern schien. Rückzug ins Private und ruhige Innerlichkeiten seien angesagt, hieß es noch zu Beginn der letzten Legislaturperiode. Im Jahr 2017 kann von biedermeierlicher Ruhe nämlich keine Rede mehr sein. Deutschland ist eine Nation in Bewegung, teilweise sogar eine Nation in Aufruhr. Bewegung kann dabei sogar wörtlich verstanden werden. Noch nie in Friedenszeiten waren im Herzen Europas so viele Menschen auf Wanderschaft.

Viele Aspekte der großen Migration sind bereits bekannt. Doch jetzt lässt sich die Realität der Völkerwanderung auch schwarz auf weiß nachlesen, im Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes. Das Jahrbuch ist ein 700 Seiten starkes Nachschlagewerk, das vom Statistischen Bundesamt herausgegeben wird. Die Zahlensammler durchleuchten die Republik darin gleichsam statistisch. Und wenn es eine Erkenntnis der Ausgabe 2017 gibt, dann die: Deutschland ist längst ein Einwanderungsland.

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Charta 2017 – Nach rechts weit offen

Bild: TP
Die Unterschriftenaktion zugunsten rechter Verlage auf der Frankfurter Buchmesse benennt sich nicht zu Unrecht nach einer Aktion osteuropäischer Dissidenten. Für die war die Rechte schon immer zumindest ein Bündnispartner

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Man muss den hilflosen Antifaschismus nun wahrlich nicht verteidigen, der sich auf der Frankfurter Buchmesse zeigte und den Gegenstand der Kritik, Götz Kubitschek und Ellen Kositza sowie eine kleinen Gruppe rechter Verlage, erst so richtig ins Rampenlicht setzte. Daher können ihre rechten Gesinnungsfreunde auch gar nicht genug Videos über die Protestkundgebungen posten.

Nun können sie noch einen Erfolg feiern. Eine Reihe rechter und konservativer Publizisten wollen mit einer Petition unter dem Titel Charta 2017 gegen eine angebliche Gesinnungsdiktatur in Deutschland protestieren. Dort heißt es: „Wehret den Anfängen – für gelebte Meinungsfreiheit, für ein demokratisches Miteinander, für respektvolle Auseinandersetzungen!“

Die gesampelten Worthülsen sind verschiedenen linken Kontexten entnommen. „Wehret den Anfängen“ war die Parole der Nazigegner, als sich in den 1950 Jahren wieder Rechte versammelten, und die anderen Worthülsen werden auch von der nichtrechten Zivilgesellschaft immer wieder benutzt. So haben Kositza und Friends, nachdem sie schon eine rechte APO ausgerufen haben, auch das Mittel der Unterschriftensteller von den Linken übernommen. Denn bisher kursierten zu unterschiedlichen Anlässen Unterschriftenlisten, die von mehr oder weniger bekannten Liberalen diesen oder jenen Sachverhalt anprangerten und skandalisierten.

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EU-Regierungen wollen Einigung über Dublin-Regeln bis Mitte 2018

Europäische Union © Eoghan OLionnain @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Die EU-Staats- und Regierungschefs ringen weiter erfolglos um eine Dublin-Reform. Jetzt haben sie zumindest eine Frist bestimmt. Bis Mitte 2018 soll der Streit über die Verteilung von Flüchtlingen gelöst sein. Das Europaparlament ist bereits weiter. Es will den Grundsatz des Ersteinreiselandes kippen.

MiGAZIN

Der Streit der EU-Mitgliedsländer über die künftige Verteilung von Flüchtlingen soll bis Mitte nächsten Jahres gelöst sein. Die Staats- und Regierungschefs vereinbarten bei ihrem Gipfel am Donnerstag in Brüssel, eine Einigung über die Reform der sogenannten Dublin-Regeln in der ersten Jahreshälfte 2018 anzustreben, wie EU-Ratspräsident Donald Tusk am Abend mitteilte. Die Regeln bestimmen, welches Land für einen in der EU angekommenen Asylbewerber verantwortlich ist.

Die EU-Kommission hatte die Dublin-Reform im Mai 2016 vorgeschlagen. Eine Einigung scheiterte bislang laut Diplomaten daran, dass sich mehrere Länder generell gegen neue Verpflichtungen zur Aufnahme von Flüchtlingen sperren. Mit der Frist soll der Druck zur Einigung erhöht werden. Beim EU-Gipfel im Dezember 2016 hatten die Staats- und Regierungschefs eine Einigung im ersten Halbjahr 2017 als Ziel genannt. In den vergangenen Tagen war in Brüssel diskutiert worden, das Jahresende 2017 als Frist zu setzen.

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Ditib-Spitzelaffäre: Gericht lehnt Erlass von Haftbefehlen gegen Imame ab

Die Vorwürfe tragen nicht zum besseren Ruf des Islamverbands bei, hier die Ditib-Zentralmoschee in Köln. (Foto: Rainer Jensen/dpa)
  • Der Ermittlungsrichter hat es erneut abgelehnt, Haftbefehle gegen sechs Imame des größten deutschen Islamverbands Ditib zu erlassen.
  • Beantragt hatte die Haftbefehle die Bundesanwaltschaft, nachdem neue Erkenntnisse aus ihrer Sicht einen dringenden Tatverdacht für Spionage ergeben hatten.
  • Die Imame sollen in deutschen Moscheen im Auftrag der Religionsbehörde Diyanet Informationen über angebliche Anhänger der Gülen-Bewegung gesammelt haben.

Von Lena Kampf, Georg Mascolo | Süddeutsche.de

In der Spionageaffäre des größten deutschen Islamverbands Ditib hat es der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erneut abgelehnt, Haftbefehle zu erlassen. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR hatte der Generalbundesanwalt beantragt, sechs Imame und einen hochrangigen Funktionär der türkischen Religionsbehörde Diyanet in Ankara verhaften zu lassen. Dabei handelt es sich um Halife Keskin, den Leiter der Abteilung für Auslandsangelegenheiten von Diyanet, der Ditib untersteht. Dies lehnte der Bundesgerichtshof Ende September ab.

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Der Irak und Saudiarabien wollen mit neu gegründetem Rat Iran schwächen

Saudiarabien und der Irak haben nach vielen Jahren der Spannungen am Sonntag einen weiteren Schritt für eine Stärkung der gemeinsamen Beziehungen gemacht.

Neue Zürcher Zeitung

Im Beisein des amerikanischen Aussenministers Rex Tillerson gründeten der saudiarabische König Salman und der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi einen Koordinierungsrat. Dieser soll eine engere Zusammenarbeit der beiden Länder fördern.

Die USA erhoffen sich durch diese Annäherung eine Verminderung des iranischen Einflusses in der Region. «Wir sind dankbar für diesen Fortschritt und bitten Sie, diese für die Stabilität der Region wichtige Beziehung aufrechtzuerhalten», sagte Tillerson.

Das furchtbare Schicksal der IS-Kindersklaven

Sie wurden entführt, verkauft und als menschliche Schutzschilde benutzt: Nach der Befreiung der IS-Hochburg Rakka sind einige Kindersklaven der Terrormiliz endlich in Freiheit. So auch der elfjährige Marwan.

DIE WELT

Der Islamische Staat mag im Irak und in Syrien an Territorium und Einfluss verlieren – doch der von der Terrormiliz betriebene Menschenhandel floriert. Schätzungsweise 3000 Menschen sind noch in der Gewalt der Islamisten, wie der US-Fernsehsender CNN berichtet. Darunter vor allem Frauen, die als Sexsklavinnen benutzt werden, und Kinder, die als menschliche Schutzschilde an der Front herhalten müssen.

Bei der Befreiung der IS-Hochburg Rakka konnten nun einige hauptsächlich jesidische Kinder befreit werden, die jetzt zu ihren Familien zurückkehren.

Unter ihnen auch der elfjährige Marwan. Er war acht, als IS-Terroristen ihn im Zuge eines Massakers an Jesidenfamilien in seinem Dorf mitnahmen. Der jesidische Junge wurde von Ort zu Ort geschleppt und insgesamt elfmal weiterverkauft.

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Lieber Hetzer, frag nicht nach der Herkunft

Hier wurde der Verdächtige gefasst. Garantiert ein Flüchtling! Oder? Foto: dpa
Auf Twitter wird die Frage nach dem Herkunftsland des Tatverdächtigen gestellt. Mit der Antwort der Polizei können die rechtschaffenen Wutbürger so gar nicht umgehen. Unser Kommentar.

Von Patrick Schlereth | Frankfurter Rundschau

Während die Polizei noch die Hintergründe des Messerangriffs in München mit acht Verletzten ermittelte, boten die gewieften und hilfsbereiten Twitter-Detektive schnell ihre Mitarbeit an. Schnell drängte sich die Frage nach dem Herkunftsland des Tatverdächtigen auf, wo doch jedes Kind weiß, dass der gemeine Südländer seine Klinge im Gegensatz zum harmlosen Deutschen immer griffbereit hat. Und ein primitiver Angriff eines Ausländers (Gastrecht verwirkt!) wäre doch allemal strenger zu bewerten als der seltene Ausrutscher eines Deutschen, oder etwa nicht?

Also, raus mit der Sprache: Was war denn da nun los in München? Islamistischer Anschlag oder was? Die Twitter-Nutzer jedenfalls nahmen kein Blatt vor den Mund auf ihrer rechtschaffenen Suche nach der Wahrheit. Ein Nutzer fragte: „Wissen wir schon was, wo der Aasgeier herkommt? Oder wird das wieder verschwiegen?“ Ein anderer sprach von „Merkels Goldstücken“ und meinte damit wohl die Flüchtlinge, die bekanntermaßen nur nach Deutschland kommen, um uns alle auszurauben, zu töten und unsere strohblonden Frauen zu vergewaltigen (Tichys Einblick berichtete).

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„Peer-Review in der Philosophie ist die Vortäuschung von Qualitätskontrolle“

Für den Hut, den es auch an deutschen Universitäten wieder gibt, kann man sich heute meist wenig kaufen, wissenschaftlich wie karrieremäßig. (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)
In Deutschland werden mehr Doktorarbeiten denn je geschrieben – aber sie interessieren kaum noch. Das Beispiel der Philosophie zeigt, warum die Promotion in der Krise ist.

Von Maximilian Sippenauer | Süddeutsche.de

Nachdem Goethes Dissertation abgelehnt wurde, machte ihm der Dekan einen Vorschlag zur Güte: Er möge doch über ein paar Thesen disputieren, was Goethe – wie er in „Dichtung und Wahrheit“ schreibt – mit „großer Lustigkeit, ja Leichtfertigkeit“ tat. Doch so sehr es Goethe amüsierte, dass ihm ein wissenschaftlich redundanter Beitrag von zwölf Seiten den Doktortitel einbrachte, so wuchs darüber auch seine tiefe Skepsis gegenüber einer institutionalisierten Wissenschaft.

Die Stellung der Promotion, des akademischen Gesellenstücks, war schon immer ein guter Seismograf für den Zustand des forschenden Denkens. Nach Goethes Zeiten wurde sie professioneller und anspruchsvoller; doch heute muss man vor allem für die Geisteswissenschaften sagen: Die Promotion steckt in der Krise.

Spätestens seit den Universitätsreformen im Zuge des Bologna-Prozesses, der eine europäische Vereinheitlichung bringen sollte, übernimmt die Promotion eine undankbare Scharnierrolle zwischen einer Post-Bologna-Realität im Studienalltag – der in diesen Tagen überall wieder beginnt – und dem Humboldt’schen Ideal von Wissenschaft. Ein bis ins Detail ausdefiniertes Studium, das schnell fit machen soll für den Arbeitsmarkt, trifft auf eine extrem uneinheitlich organisierte Universitätswelt. Bei der Promotion müssen diese inkompatiblen Vorstellungen von Wissen und Wissenschaft irgendwie zusammenfinden; mit gravierenden Folgen nicht nur für die Promovierenden, sondern auch für die Produktion von Wissenschaft.

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Markus Dröge: Kirche an der Seite Asylsuchender

Der Berliner Bischof Markus Dröge hat das Recht auf Asyl und Familiennachzug für Flüchtlinge unterstrichen.

evangelisch.de

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) habe sich zu Flucht und Integration deutlich positioniert, sagte Dröge am Sonntag anlässlich einer Kunstauktion seiner Landeskirche zugunsten von Flüchtlingen laut Redemanuskript in Berlin. „Sie sieht den Platz der Kirche an der Seite der Schutzsuchenden“, sagte er.

Die Kirche trete ein für individuelles Recht auf Asyl, legale Wege nach Deutschland, gegen Abschiebung in Krisengebiete und für das Recht auf Familienzusammenführung, sagte der Theologe. Fragen rund um Einwanderung und Flucht, darunter auch die umstrittene Aussetzung des Familiennachzugs für eine bestimmte Flüchtlingsgruppe, sind Teil der derzeitigen Sondierungsgespräche zwischen Union, FDP und Grünen.

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Wie extreme Ungleichheit und extreme Wasserverschmutzung zusammenhängen

Das Flussbett des Yamuna bei Wazirabad. Foto: Gilbert Kolonko
Indien hat ein Problem, dass sich nicht durch das Versprechen einer Reinigung des „heiligen“ Ganges lösen lässt

Von Gilbert Kolonko | TELEPOLIS

Im nördlichen Teil Delhis, in Wazirabad, wird ein weiteres Prunkstück des wirtschaftlichen Aufschwungs gebaut, die 251 Meter lange Signature-Brücke. Eigentlich sollte sie schon zu den Commenwealth-Spielen 2010 fertig sein, nun spätestens im nächsten Jahr. Das vermüllte Flussbett des Yamuna-Flusses vor dem Stahlkoloss hat etwas Science-Fiction-artiges: Als einziges Lebewesen sieht man eine dürre Hündin.

22 Kilometer Flussabwärts am Okhla-Damm, haben sich nur ein paar verliebte Paare aus dem nahe gelegenen Vergnügungspark auf den Uferweg verirrt – es stinkt. Der schwarz gefärbte Yamuna, der hier Delhi verlässt, hat bei seinem Besuch in der Hauptstadt 80 Prozent der Verschmutzung abbekommen, die er auf seiner 1300 Kilometer langen Reise bis in den Ganges aufnehmen wird. Über 20 Abwasser Kanäle sorgen dafür, dass der Dreck von 24 Millionen Menschen, aus einem der am schnell wachsenden Ballungsräume der Erde, entsorgt wird. Meist ungeklärt.

„Seit Jahrzehnten haben die Menschen Delhis den Yamuna Fluss als Mühlhalde benutzt, anstatt als Wasserquelle“, sagt Dr. Avinash Kumar, einer der Direktoren der NGO Wateraid zu mir. „Dafür hat sich der Mensch am Grundwasser vergriffen, doch dessen Spiegel sinkt dramatisch“, setzt er hinzu.

Wir sitzen in seinem Büro in Green Park, einer Gegend in der sich die obere Mitteklasse niedergelassen hat. Tennisplätze, Swimmingpools und großzügig angelegte Grünanlagen gehören dazu. „Auf 40 Meter (unter der Grundoberfläche) ist der Grundwasserspiegel in Süd-Delhi schon gesunken – und das, obwohl 75 Prozent des Wassers für Delhi mit Kanälen aus den umliegenden Regionen wie Haryana herangeschafft wird. Doch die wollen das kostbare Gut nicht weiter herschenken“, erklärt der Doktor.

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Current Lord Balfour says Israel failing to live up to 1917 declaration

Lord Arthur Balfour and the Balfour Declaration (Wikimedia commons)
Stipulation against prejudicing rights of non-Jewish population not being honored, says Roderick Balfour, great-great-nephew of foreign secretary behind landmark statement

By Stuart Winer | The Times of Israel

Lord Roderick Balfour, a descendant of the UK foreign secretary who penned the 1917 Balfour Deceleration endorsing the establishment of Jewish state, said that Israel, by mistreating Palestinians, is failing to honor the terms of the document.

Balfour, who has visited Israel several times in his capacity as a banker, spoke to the UK Daily Telegraph newspaper about his ancestor Lord Arthur Balfour’s proclamation, which he described as “a great humanitarian gesture.” Next month marks the centenary of the original document and will be marked by events in Israel and the UK.

Palestinians, though, have roundly condemned the document as a major milestone in their eventual dispossession with the creation of the Jewish state, and have planned protests around the anniversary.

In a rare statement on the document published Sunday, Balfour said he was worried that Israel was not living up to a stipulation to protect the rights of the Palestinians living in Mandate-era Palestine.

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