Der Kampf um die Köpfe und Herzen von Kirkuk


Kinder jubeln den in Kirkuk einrückenden irakischen Truppen zu, die die Kontrolle über die Stadt übernehmen. (Bild: Murtaja Lateef / EPA)
Die kurdischen Parteien haben eine historische Niederlage einstecken müssen. Ihre Medien liefern sich eine Schlammschlacht. Die Politiker gehen derweil auf Tauchstation.

Von Inga Rogg | Neue Zürcher Zeitung

Auf einem grossen Tablett hat Yahya Mohammed frisches Hackfleisch unter einer Folie aufgetürmt. Auf einem Holzbrett schneidet er Lammfleisch in kleine Stücke. Das Geschäft gehe seinen gewohnten Gang, sagt der Metzger. Nur einen Tag seien die Kunden ausgeblieben. Das war am Montag vergangener Woche, als irakische Truppen den Kurden die Kontrolle über die Stadt entrangen. Fünf Tage später geht das Leben in Kirkuk scheinbar seinen normalen Gang.

Auf dem Markt in Stadtteil Domiz im Süden der Stadt, wo der Metzger seinen Laden hat, haben Händler auf dem Trottoir ihre Waren aufgetürmt. Der Geruch von frisch grillierten Fleischspiessen, Tomaten und Zwiebeln erfüllt die Luft. Gemächlich schlendern Männer und Frauen mit Kindern über den Markt, schauen sich die Qualität und Preise an. Am Stand von Ibrahim Juma leuchten rot Granatäpfel. Vereinzelt habe es Schiessereien und Plünderungen gegeben, die jedoch nicht auf Konto von Soldaten oder schiitischen Milizionären gegangen seien, sagen Verkäufer und Kunden übereinstimmend. «Ich bin Sunnit und Araber», sagt Juma. «Sie haben uns kein einziges Mal belästigt. Sie schützen uns.» So hat es Regierungschef Haider al-Abadi versprochen.

weiterlesen